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Buchholz will den Radverkehr stärken

Bei den Bürgern favorisiert: Die Straße "Am Radeland" soll in eine Fahrradstraße umgewandelt werden
 
Verkehrsplaner Prof. Dr. Wolfgang Haller

Mobilitätskonzept der Stadt wurde vorgestellt / Verkehrsplaner Haller: "Der Ostring hat keine Priorität"

os. Buchholz. Nach mehr als zweijähriger Vorarbeit hat die Stadt Buchholz jetzt ihr Mobilitätskonzept in der Öffentlichkeit vorgestellt. Mehr als 60 Bürger kamen zur Vorstellung in der Waldschule. Ziel ist es, den Kfz-Verkehr in den kommenden zehn Jahren signifikant zu vermindern, gleichzeitig den Radverkehr zu stärken und die Chancengleichheit aller Verkehrsteilnehmer zu optimieren. Wenn das klappt, könnte das Mobilitätskonzept von Buchholz Symbolcharakter für andere Kommunen bekommen.
Prof. Dr. Wolfgang Haller vom Planungsbüro SHP aus Hannover stellte die Ergebnisse der Untersuchungen vor. Demnach wird für 59 Prozent der Wege das Kfz genutzt (bundesweit sind es 60 Prozent). Zweidrittel der Strecken sind kürzer als fünf Kilometer und finden innerhalb von Buchholz statt. Hier sieht Haller Verbesserungspotenzial: „Mit den richtigen Maßnahmen könnten die Buchholzer deutlich mehr Wege zu Fuß oder mit dem Rad zurücklegen.“
Bei der Umsetzung der großen Infrastrukturmaßnahmen hat Haller klare Vorstellungen: Zunächst müsse der Neubau des Mühlentunnels erfolgen, dann ein Bau einer Südtangente entlang der Bahnstrecke Bremen-Hamburg und erst dann die Umsetzung der Umgehungsstraße „Ostring“. Nach allen Abwägungen biete der Mühlentunnel für das gesamte Stadtgebiet die beste Erschließungsfunktion. Das bedeute freilich nicht, dass der Ostring obsolet sei.
Bei der Veranstaltung in der Waldschule wurden fünf zeitnah umsetzbare Maßnahmen zur Stärkung des Radverkehrs vorgestellt. Die Bürger konnten dabei ihre Prioritäten festlegen. Vorrang hat demnach die Umwidmung der Straße „Am Radeland“ als Fahrradstraße. Die Maßnahme macht Sinn. Schon heute fahren in der Tempo-30-Zone zwischen Kirchenstraße und Bendestorfer Straße die Schüler in mehreren Reihen nebeneinander ins Schulzentrum am Buenser Weg. Dieser an sich verkehrswidrige Zustand würde durch die Schaffung einer Fahrradstraße legalisiert, denn dort müssen Radfahrer die Fahrbahn benutzen und haben grundsätzlich Vorrang vor Kraftfahrzeugen. Für Autofahrer ändert sich wenig: Tempo 30 gilt auch in der Fahrradstraße. Sie dürfen Radfahrer aber nur noch überholen, wenn diese nicht gefährdet werden.
Die anderen vorgeschlagenen Maßnahmen fanden bei den Bürgern weniger Zustimmung. Dabei geht es um Fahrradschutzstreifen an der Bendestorfer und an der Lüneburger Straße sowie den Lückenschluss des Geh- und Radweges an der Zimmererstraße. Letzteres würde mit rund 100.000 Euro zu Buche schlagen - für nur 400 Meter (!) Radweg.
• Kritik an dem Mobilitätskonzept äußert der Verkehrsclub Deutschland (VCD). Es sei nicht nachvollziehbar, das trotz rückgängigen Kfz-Verkehrs auf der besonders
belasteten Nord-Süd-Strecke um ca. zehn Prozent in den vergangenen zehn Jahren konkrete Straßenneubaumaßnahmen wie Südtangente oder Ostring im Mobilitätskonzept verzeichnet sind, erklärt VCD-Sprecher Dr. Götz von Rohr. Einzig der Mühlentunnel sei sinnvoll und müsse schnell umgesetzt werden.
Darüber hinaus solle das knapp vorhandene Geld lieber zur Stärkung einer stadtverträglichen Mobilität ausgegeben werden, fordert der Ex-Bürgermeister. Wichtig sei z.B. die Verdichtung des Stadtbus-Taktes zur Hauptverkehrszeit. Zudem fehle eine mehrgeschossige Fahrradstation am Bahnhof und es müssten neue attraktive Radwege geschaffen werden, z.B. zum Reiherstieg entlang der Bremervörder Bahn.