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"Panikmache ist nicht angebracht!"

„Gut, dass die Bundesregierung sich Gedanken macht“: Jan Bauer (Foto: DRK)
Zivilschutzgesetz: Bürger sollen sich für den Katastrophenfall wappnen / DRK-Kreisbereitschaftsleiter: „Gute Vorbereitung schadet nicht“
(os). „Hamsterkäufe“ und „Katastrophenfall“ - diese Wörter waren in dieser Woche die meistdiskutierten in Deutschland. Auslöser war das neue Zivilschutzgesetz, das Bundes-Innenminister Thomas de Maizière jetzt vorstellte. Erstmals seit dem Ende des Kalten Krieges ruft die Bundesregierung die Bevölkerung zum Anlegen von Vorräten für den Katastrophenfall auf. Zu Recht? Dazu befragte das WOCHENBLATT Jan Bauer (35), Kreisbereitschaftsleiter des Deutschen Roten Kreuzes im Landkreis Harburg und dort zuständig für den Katastrophenschutz.
„Ich finde es gut, dass sich die Bundesregierung Gedanken macht“, sagt Bauer. Bei Rettungs- und Einsatzkräften seien Katastrophen- und Zivilschutz schon jetzt ein Dauerthema: „Wir machen uns 365 Tage im Jahre Gedanken, wie wir im Ernstfall schnell die Einsatzbereitschaft herstellen.“ In den Kreisverwaltungen der Landkreise Harburg und Stade gebe es Stabsstellen, die sich fortlaufend mit der Aktualisierung der Gefahrenpläne beschäftigen. „Die Landkreise sind gut beraten, weiter Energie in dieses Thema zu stecken.“
Wichtig sei, jetzt auch die Bevölkerung für das Thema zu sensibilisieren. „In der Generationen unserer Eltern war es völlig normal, sich Vorräte anzulegen. Da sollten wir wieder hinkommen“, betont Bauer. Panikmache sei nicht angebracht, es gebe keine veränderte Bedrohungslage. „Eine gute Vorbereitung schadet aber nicht!“ Bauer verweist auf den „Ratgeber für Notfallvorsorge und richtiges Handeln in Notsituationen“, den das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe herausgibt. Dort sind u.a. die Notfallrationen aufgeführt, mit dem sich jeder Bürger ausstatten sollte.
Für die Landkreise Harburg und Stade steht laut Bauer vor allem der „Schutz vor kritischen Infrastrukturen“ im Fokus. Darunter fallen die Bereiche Strom, Wasser, Krankenhäuser und Verkehr. „Gerade ein Stromausfall kann in unserer Region jederzeit geschehen“, warnt Bauer. Die Auswirkungen seien enorm: Man habe kein Licht mehr, könne nicht mehr kochen, die Telefonanlagen fielen aus, Handys könnten nicht mehr aufgeladen werden usw. „Auch davor schützt das Zivilschutzgesetz“, sagt Bauer. „Ich finde es schade, dass es von so vielen Menschen in Frage gestellt wird.“

Welche Mengen zusammenkommen, wenn Sie eine Notfallration für eine Person einkaufen, lesen Sie hier

AUF EIN WORT

Auf die Lagerkapazität achten

Dass sich die Bundesregierung mit dem Katastrophenfall beschäftigt und ein neues Zivilschutzgesetz auf den Weg bringt, ist löblich. Das Erdbeben in Italien hat gezeigt, wie schnell eine ganze Region von einem Moment auf den anderen auf ein funktionierendes Einsatznetz angewiesen ist.
Allerdings bleiben Fragen, die bei der weiteren Diskussion beantwortet werden müssen. Viele sozial schwächere Familien können sich heute schon das „normale“ Essen gerade so leisten. Wie sollen sie es schaffen, sich die umfangreiche Notfallration anzuschaffen?
Zudem stellt sich die Frage nach der Lagerung. Früher gab es in nahezu jeder Wohnung einen Vorrats- und Kohlenkeller oder einen Hauswirtschaftsraum. Die sind in den allermeisten Neubauten nicht mehr vorgesehen. Und wenn, stehen dort Waschmaschine und Trockner. Wenn der Zivilschutz ernstgenommen wird, müssen Städte und Kommunen dies bei ihren künftigen Bauvorschriften berücksichtigen - gerade bei den Sozialwohnungen, deren Notwendigkeit bei jedem Neubauprojekt betont wird. Oliver Sander