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Vom "Goldenen Schnitt" und Drempelhöhen

Gut gedacht, schlecht gemacht: Neue "Gestaltungsfibel" zur Baukultur in Buchholz

os. Buchholz. „Wir wollten uns in Sachen Baukultur früher als bisher positionieren und früher in die Bauberatung für Bauwillige einsteigen.“ So begründet Doris Grondke, Baudezernentin der Stadt Buchholz, das Erscheinen eines „Leitfadens für regionale Architektur und Baukultur“ in Form eines 16-seitigen Leitfadens. Dieser liegt jetzt im Rathaus aus - knapp 100 Exemplare der 500er-Auflage sind für die Politik reserviert.
Ob die Politiker aus dem Leitfaden neue Erkenntnisse gewinnen, ist zweifelhaft. Das Allermeiste ist bekannt, so die umfangreiche Beschreibung der Buchholzer Ortschaften. Diese gibt es auch in der Bürgerinformationsbroschüre, die jeder Neubürger erhält.
„Ich finde, die Broschüre ist gut gemacht. Das kann man auch mal loben“, sagt Baudezernentin Doris Grondke in Richtung des Verfassers, Rolf-Peter Kaufhold aus der Bauabteilung. Sie räumt ein, dass die Verwaltung einen Spagat machen musste, weil sie bei vielen Dingen Bauherren gar nicht reinreden kann. „Wir wollten aber Hinweise geben, was in Buchholz möglich ist“, so Grondke.
Die Baudezernentin gibt auch zu, dass man für die Lektüre des Leitfadens Detailkenntnisse des Bauens benötigt und ein paar Erklärungen gut gewesen wären. Das ist z.B. beim „Goldenen Schnitt“ glatt untertrieben: Auf Seite 2 des Leitfadens findet der Leser neben einer Formel (a/M = M/m mit M = 2a/1 + Wurzel aus 5) und einer Grafik den Hinweis: „Als Goldenen Schnitt bezeichnet man das Teilungsverhältnis einer Strecke oder anderen Größe, bei dem das Verhältnis des Ganzen zu seinem größeren Teil (auch Major genannt) dem Verhältnis des größeren zum kleineren Teil (dem Minor) entspricht.“ Aha! Und was hat das mit Buchholz zu tun? Eigentlich habe man nur die Formel ohne Erklärung abdrucken wollen, erklärt Kaufhold: „Wer das Wissen zum ‚Goldenen Schnitt‘ vertiefen möchte, findet im Internet viele weitere Infos“. Viel Spaß beim Surfen!
Einige Passagen der Fibel widersprechen der Praxis. Wie passt etwa die Textpassage „Grellfarbene Anstriche sind zu vermeiden“ zum neuen, grellgrünen Anbau der Grundschule Steinbeck? Erklärung von Doris Grondke: „Die Gestaltungsfibel soll für die Ortskerne der Ortschaften gelten.“ Die Grundschule Steinbeck liege außerhalb. Wobei, räumt Grondke ein, Steinbeck gar keinen echten Ortskern hat...
Die Gestaltungsfibel soll ab sofort für die Bauberatung verwendet werden, sagt Doris Grondke, und ergänzt: „Der Leitfaden ist eine grobe Fibel, die rechtlich nicht bindend ist.“ Noch Fragen?