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"Wachstum ist kein Wert an sich"

Plädiert für die Nachverdichtung: Buchholz' Ex-Bürgermeister Götz von Rohr (Foto: archiv)

WOCHENBLATT-Interview mit Ex-Bürgermeister Götz von Rohr zur Ausweisung neuer Baugebiete

os. Buchholz. Die Buchholzer FDP hat den ersten Schritt gemacht: Sie fordert in einem Antrag an die Stadtverwaltung, zügig weitere Neubaugebiete auszuweisen (das WOCHENBLATT berichtete). Unterstützung erhielten die Freidemokraten von Makler Wolfgang Bohn.
Der Vorstoß der FDP stößt aber nicht überall auf Gegenliebe. Im Interview mit WOCHENBLATT-Redakteur Oliver Sander erklärt Buchholz' Ex-Bürgermeister Götz von Rohr (70, SPD), warum er gegen die Ausweisung ist. Von Rohr war schon in den 1970er Jahren in der Wohnungswirtschaft beschäftigt und ist nach seiner Pensionierung als Universitätsprofessor als Gutachter und Berater für Behörden, Wohnungsunternehmen und Banken tätig.
WOCHENBLATT: Die FDP-Ratsfraktion und Makler Wolfgang Bohn fordern die zügige Ausweisung weiterer Neubaugebiete. Ist die Forderung aus Ihrer Sicht gerechtfertigt?
Götz von Rohr: Das Ausweisen neuer Baugebiete für Eigenheime, zumal am Stadtrand, halte ich in Buchholz für falsch. Die Stadt muss sich spätestens jetzt darauf einstellen, dass wir bald ein wachsendes Überangebot an Einfamilienhäusern haben werden. In Buchholz wird langfristig die Nachfrage sinken, zudem kommen überproportional viele Gebrauchteigenheime auf den Markt. Wer heute ein neues Eigenheim in Buchholz baut, muss befürchten, dass er schon in 15 Jahren Schwierigkeiten hat, dies wieder zu verkaufen, zumal dann, wenn es weit weg von der Innenstadt liegt.
WOCHENBLATT: Derzeit fragen aber doch viele Auswärtige nach Baugrundstücken in Buchholz nach. Wie lange wird das Ihrer Meinung nach anhalten?
Götz von Rohr: Nur noch überschaubare Zeit. Dabei bietet ja Buchholz mehr als andere Städte im Hamburger Umland jedes Jahr ohnehin bis zu 50 neue Eigenheimbauplätze an, die durch Grundstücksteilungen und sonstige Verdichtung in den ehemaligen Waldwohngebieten und in den Ortschaften entstehen. Das Gute an diesen Arealen ist auch: Sie stehen überproportional der in Buchholz nachwachsenden Grundstücksnachfrage zur Verfügung. Wer in Buchholz wohnt, hört am schnellsten, wo sich etwas ergibt. Da hat man gegenüber den auswärtigen Interessenten einen Standortvorteil.
WOCHENBLATT: Wo sehen Sie Wachstumsmöglichkeiten für Buchholz?
Götz von Rohr: Wachstum ist kein Wert an sich, insbesondere nicht in einer Zeit, in der die Bevölkerungszahlen in absehbarer Zeit nur noch schrumpfen werden. Deshalb frage ich mich erst einmal: Was muss Buchholz in der Wohnungspolitik für seine Bürger tun? Und da gibt es zwei Gruppen, die unterversorgt sind.
WOCHENBLATT: Welche sind das?
Götz von Rohr: Die eine sind die Senioren. Hier geht es um Miet- und Eigentumswohnungsbau, der barrierefrei ist, also mit Fahrstühlen und geräumigen Küchen und Bädern. Dazu muss er innenstadtnah gelegen sein, sodass man zu Fuß zum Arzt, zum Einkaufen, aber auch zum Bahnhof laufen kann. Und er muss zumindest zu einem Teil niedrige Mieten haben, müsste also öffentlich gefördert werden.
WOCHENBLATT: Und die zweite Gruppe?
Götz von Rohr: Das sind die Haushalte, die mit ihrem Einkommen in der unteren Hälfte unserer Einwohnerschaft liegen. Sehr viele Buchholzer haben seit Langem schon riesige Schwierigkeiten, wenn sie eine neue Wohnung brauchen. Auch sie brauchen eine zentrale Lage und öffentlich geförderte Wohnungen, damit ihre Mieten bezahlbar werden. Es gibt in Buchholz nur eine Fläche, die solche Wohnungen in größerem Stil ermöglicht, nämlich die Rütgersfläche. Wenn man dort mit der Zahl der zulässigen Wohnungen nicht zu knauserig ist, kann man mit den Verantwortlichen mit Sicherheit einiges verhandeln. Und wenn dann dabei noch einmal Wachstum für Buchholz herauskommt, umso besser.
WOCHENBLATT: Herr von Rohr, vielen Dank für das Gespräch.