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Ansturm auf die Tafeln

Elke Borchmann und Hartmut Kölbl kommen seit Jahren zur Tafel
bc. Stade. Prall gefüllte Kisten mit Obst und Gemüse, dutzende Toastbrote, Fleisch, Wurst, Milch, Süßigkeiten, ja sogar Sushi stehen bereit. Bereit zum Verkauf. Nur, dass es sich bei dem Angebot nicht um Ware im Supermarkt handelt, sondern um die Stader Tafel. In gut drei Stunden werden die meisten Kisten leer sein. Immer mehr bedürftige Menschen nutzen das Angebot der Tafeln.

„Wir merken die gestiegene Zahl der Asylsuchenden bei uns massiv“, sagt Diakonin Sonja Rosenbohm, Leiterin der Stader Tafel. Mittlerweile liegt das Verhältnis bei rund 60 Prozent Asylbewerbern - wohlgemerkt nicht die Flüchtlinge, die in den Notunterkünften versorgt werden, sondern die, die bereits eine Unterkunft in den Kommunen bezogen haben - und 40 Prozent Altkunden, darunter ebenfalls nicht wenige mit Migrationshintergrund.

Das WOCHENBLATT schaute sich am Mittwoch bei der Essensausgabe in der größten von fünf Ausgabestellen der Stader Tafel in den Räumlichkeiten in Stade am Schwingedeich um. Etwa 100 Menschen werden sich an diesem Nachmittag mit Lebensmitteln und Non-Food-Artikeln eindecken.

Sie kaufen nicht nur für sich ein, sondern auch für ihre Familien. Sonja Rosenbohm rechnet damit, dass die Waren für ca. 250 Menschen reichen müssen. Vor zweieinhalb Jahren, als die Diakonin bei der Tafel anfing, waren es 60 Kunden am Schwingedeich.

Umso dringender sind die Tafeln auf Spenden angewiesen. Derzeit stiften 60 Geschäfte Lebensmittel. Rosenbohm: „Wir haben jetzt mehr Kunden bei gleichbleibenden Spenden. Uns fehlt es vor allem an Fleischprodukten, an Nudeln, an Reis und Kosmetika.“ Ziel der Tafel sei es nicht, die Kunden komplett zu versorgen, sondern eine Entlastung zu schaffen, um die Lebensqualität der bedürftigen Menschen zu erhöhen.

Die höhere Belastung der Tafeln ist mitnichten nur ein Stader Problem. Auch der Bundesverband Deutsche Tafel schlug bereits Alarm. Die Essensausgaben benötigten dringend mehr finanzielle und organisatorische Unterstützung angesichts seit Monaten steigender Nachfrage. Bundesweit seien die Zahlen zuletzt um 150.000 Bedürftige gestiegen, die zu den bisher versorgten eine Million Menschen hinzugekommen wären.

• Wer der Stader Tafel Lebensmittel Spenden möchte, kann sich unter Tel. 04141-3681 melden. Außerdem wird am Schwingedeich dringend ein Unterstand benötigt, damit die wartenden Kunden nicht im Regen stehen müssen. Wer handwerklich begabt ist und das nötige Material besorgen kann, darf sich gerne melden.