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Zauberer "Hokus": "Ich lebe davon, andere zu betrügen"

Servicekraft Angelika Hagedorn macht große Augen: Wieso ist der Löffel jetzt verbogen?
 
Die Männerrunde ist skeptisch: Da ist doch was faul
bc. Buxtehude/Horneburg. Las Vegas hat David Copperfield, der Landkreis Stade Carsten Hoffmann: Ein Vergleich, den der Zauberer aus Horneburg niemals selbst ziehen würde und der zugegebenermaßen hinkt. Hoffmann sieht sich nicht als großen Illusionisten, der seine Zuschauer mit aufwendigen Produktionen packen will. "Hokus", so Hoffmanns Künstlername, will sein Publikum in eine Geschichte einbinden, auf seine besondere Art wortgewaltig und trickreich verzaubern. Er will schlicht und einfach unterhalten: "Ich biete Zaubervergnügen", sagt der 49-jährige Lockenkopf.

Das WOCHENBLATT traf Carsten Hoffmann in einem Café in Buxtehude. Er verblüfft nicht nur den Redakteur, sondern auch die Gäste.

Fünf reifere Männer zocken Doppelkopf. Mit einem Zauberer hätten sie an diesem Nachmittag beileibe nicht gerechnet. Trotzdem legen sie für ihn die Karten beiseite. "Ich lebe davon, andere Menschen zu betrügen", sagt der Zauberkünstler mit einem Augenzwinkern. So steigt Carsten Hoffmann gerne ein. Ein kleiner Gag, ein Schmunzeln bei den Herren. Schon ist eine Beziehung da. Hoffmann begegnet seinen Zuschauern auf Augenhöhe.

Und die danken es ihm. "Na gut, dann leg ma los", sagt der eine Kartenspieler im breiten Norddeutsch. Hoffmann zeigt den "Sidewalk Shuffle": Dazu braucht er drei übergröße Blankokarten und ein Kreuz As. Eine Blankokarte legt er verdeckt auf den Tisch, die anderen zwei und das Kreuz As hält er in der Hand. Denkt zumindest die Doko-Runde - und auch der Reporter.

Die Kartenspieler sollen herausfinden, wo sich das Kreuz As befindet. Knappes Fazit: Es gelingt ihnen nicht. Schlussendlich verwandeln sich alle drei Karten in Hoffmanns Hand in Kreuz Asse. Die Verblüffung ist greifbar, die Münder offen. "Ich möchte, dass sich die Zuschauer täuschen lassen", erklärt Hoffmann.

Das klappt nicht immer. Auch bei der Kartenrunde ist einer dabei, der an Hoffmanns magischen Fähigkeiten zweifelt. Hoffmann nennt ihn "den Skeptiker": "Männer wollen gerne verstehen, wie die Kunststücke funktionieren."

Während Hoffmann einen anderen Kartenkniff zeigt, schaut "der Skeptiker" ganz genau hin. Plötzlich platzt es triumphierend aus ihm heraus: "Ich weiß, wie er es macht, ich weiß es." Hoffmann bricht kein Zacken aus der Zaubererkrone. Er verrät seinen Kunstgriff: "Das hat sich die Runde verdient", grinst er.

Für das nächste Experiment - das Wort Trick mag Carsten Hoffmann nicht so gerne - wirft er sich in ein Koch-Outfit. Servicekraft Angelika Hagedorn erklärt sich bereit mitzumachen. Die Dame hält einen Teelöffel aus dem Café zwischen ihren Händen. Ein paar Hoffmannsche Sätze später, wirft die Café-Mitarbeiterin einen verdutzten Blick auf das Ess-Werkzeug. Es ist verbogen.

Angelika Hagedorn macht große Augen. Der feine Unterschied zur Kartenrunde wird schnell deutlich: Die Dame hakt nicht nach, akzeptiert Hoffmanns Kunststück, wie sie es wahrgenommen hat. "So soll es sein. Ich möchte, dass die Zuschauer meine Show genießen können", sagt er.

Das Löffel-Experiment führt zurück in Hoffmanns Kindheit, der Beginn seiner Zauber-Leidenschaft. In den 70er Jahren flimmert Star-Magier Uri Geller über Deutschlands Mattscheiben. Geller verbiegt live im TV Besteck, bringt Uhren wieder zum Ticken. Der kleine Carsten Hoffmann ist angepiekst: "Ein bisschen Veranlagung ist auch dabei. Ich stand schon immer gerne im Mittelpunkt", erzählt Hoffmann.

Bis vor zwölf Jahren die Entscheidung fiel, hauptberuflich Menschen zu verzaubern, lag noch ein weiter Weg vor ihm: erst Versicherungskaufmann, dann Hausmann, mit 30 Jahren noch eine Lehre zum Tischler und jetzt Zauberer. Jedermanns Traum: sein Hobby zum Beruf machen.

Egal, ob bei privaten Geburtstagen, bei den Landfrauen, bei Firmenfesten jeder Couleur, Carsten Hoffmann zaubert überall. "Ich passe mich mit meinem Outfit und den Kunststücken meinen Zuschauern an", sagt er.

Augenscheinlich mit Erfolg: Hoffmann ist einer von geschätzten 150 Zauberern in Deutschland, die von ihren Auftritten leben können. Es muss nicht immer Las Vegas sein.