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Friedenskonferenz: "Islam ist kompatibel mit moderner Welt"

Gegenseitige Achtung und Toleranz ist notwendig: Pastorin Amely Lißner (l.) und die Publizistin Khola Maryam Hübsch diskutierten über Christentum und Islam

tk. Buxtehude. "Wir teilen mehr als einige zentrale Inhalte", sagte Khola Maryam Hübsch über die Gemeinsamkeiten von Islam und Christentum. Darüber referierten die Journalistin und Bloggerin aus Frankfurt und die Buxtehuder Pastorin Amely Lißner während der Friedenskonferenz der Ahmadiyya Muslim Jamaat (AMJ) am Mittwochabend.

Die islamische Gemeinde aus Buxtehude hatte ins Kulturforum eingeladen, um "Missverständnisse auszuräumen und miteinander ins Gespräch zu kommen", wie Moderator Ata Shakoor von der AMJ hervorhob. Zentrale Fragen des Abends: Braucht unsere moderne Gesellschaft überhaupt noch Religion und muss der Islam die Phase der Aufklärung erst noch durchleben?
Für Amely Lißner stellt sich die Frage nach der Bedeutung des Glaubens nicht. "Unsere Gesellschaft hat Religion." Auch wenn an Stelle des christlichen Glauben bisweilen Religiösität ohne Gott trete. "Wir glauben etwa an die Heilsversprechen aus der Werbung", sagte Lißner. Für die Pastorin ist klar: "Religion erfüllt unser Leben mit Sinn."
Vom frühen Christentum in der Antike bis heute habe sich an zentralen Aufgaben von Religion nichts geändert: Nächstenliebe, Korrektiv zur staatlichen Macht und Engagement für Schwächere in der Gesellschaft. Mit Blick auf den Islam sagte Pastorin Lißner: "Die Vielfalt religiöser Lebensformen fordert ein hohes Maß an Achtung und Respekt."

"Glaube und Vernunft kollidieren nicht"

Die Publizistin Khola Maryam Hübsch nahm die Zuhörer auf eine historische Reise mit, um zu belegen, dass der Islam nicht per se Minderheiten unterdrücke. "Es wehte früher ein freier Geist", sagte Hübsch. Was heute von teils auch gewaltbereiten Islamisten propagiert werde, nämlich die Verfolgung Andersdenkender, die Unterdrückung der Frau und ein religiöser Fanatismus, habe nichts mit dem ursprünglichen Geist des Islam zu tun. Auch Atheisten können zudem fundamentalistisch sein.
Dass dem Islam grundsätzlich das Zeitalter der Aufklärung fehle, das in Europa Wegbereiter eines modernen Denkens war, stimme historisch betrachtet nicht. Vom achten bis zehnten Jahrhundert sei die islamische Welt das Zentrum der modernen Wissenschaft gewesen. "Es war ein Zeitalter des freien, kreativen und wissenschaftlichen Denkens", so Hübsch. "Glaube und Vernunft kollidierten nicht." Arabisch sei mehr als 700 Jahre die Sprache der Wissenschaft gewesen.
Der fanatische Glaube in einigen islamischen Länder heute ist für Hübsch vor allem ein Beleg für fehlende Bildung. Der Koran werde dort nicht wegen seiner Spiritualität, sondern von Scharfmachern hochgehalten. Den Fundamentalisten gehe es vor allem um Machtpolitik. Für die Referentin ist der Islam "kompatibel mit der modernen Welt". Sie mahnte zwischen Menschen und ihren Religionen einen "Dialog auf Augenhöhe" an.

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Islam passt zur Verfassung