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Kettenreaktion durch Katzenfutter in Kehdingen

Gustav von Reith beklagt Schäden an seinem Reetdach

Unbekannter legt heimlich Tiernahrung aus / Dohlen vermehren sich und zerrupfen Reetdächer

tp. Assel. Falsch verstandene Tierliebe oder mutwillige Schikane? Im Elb-Dorf Drochtersen-Assel im Land Kehdingen legt ein Unbekannter regelmäßig große Mengen Katzenfutter am alten Deich aus und verursacht dadurch eine skurrile Kettenreaktion: Statt Katzen machen gefräßige Dohlen von dem überreichlichen Nahrungsangebot Gebrauch und vermehren sich zuhauf. Leidtragende sind Hausbesitzer, deren Reetdächer von den Vögeln zerpflückt wurden. Auf Ziegeldächern rupften die Rabenvögel die Teerpappe heraus.

Nach Beobachtung von Anwohnerin Nicole Ikemeyer (43) deponiert ein Unbekannter seit drei Jahren zwei Mal wöchentlich nachts Katzen-Trockenfutter in einem offenen Maurerkübel in einem Gebüsch am Fuß des Deiches. Katzen habe sie an der Futterstelle allerdings noch nie gesichtet.

"Jeder verdächtigt jeden", berichtet Ikemeyer über das inzwischen gestörte Nachbarschaftsverhältnis in der beschaulichen Siedlung. Denn die heimliche Fütterung hat neben den "Dachschäden" zahlreiche weitere unangenehme Folgen: Die Anlieger beklagen Vogelkot auf ihren Grundstücken und eine zunehmende Rattenplage. Wegen möglicher Krankheitsübertragung durch die lästigen Nager fürchtet Hausfrau und Busfahrerin Nicole Ikemeyer um die Gesundheit ihres zehn Monate alten Enkelsohnes Michel.

Ihr Nachbar Gustav von Reith (63) zeigt mit verzweifelter Miene auf sein mit Löchern übersätes Dach. Die Dohlen haben an vielen Stellen Reethalme heraus gerupft. Der Bäcker hat einen Dachdecker mit Reparatur beauftragt und ärgert sich über die teure Handwerkerrechnung.

Auf Nicole Ikemeyers Betreiben ließ das Ordnungsamt das Gestrüpp an der Futterstelle zurück schneiden. Ikemeyer errichtete zudem ein Schild mit der Aufschrift "Katzen füttern verboten! Es zieht Ratten und Dohlen an, die Probleme machen". Beide Maßnahmen blieben erfolglos.

So lange der anonyme Futterspender seine Gewohnheit nicht einstellt, bleibt den geplagten Anwohnern nichts anderes übrig, als den Riesen-Fressnapf regelmäßig zu leeren.

Nach Angaben des Vogelexperten des Naturschutzbundes Nabu Deutschland, Lars Lachmann, vermehren sich Dohlen, die eine Breite Nahrungspalette haben, bei ausreichendem Futterangebot rasch. Sie können große Kolonien bilden. Reet dient ihnen als Material für den Nestbau. Beliebte Nistplätze sind Schornsteine. Lachmann mahnt Hausbesitzer angesichts der Brandgefahr, die Schlote mit einem Drahtgeflecht abzusichern und von einem Schornsteinfeger inspizieren zu lassen. Die Dohle war "Vogel des Jahres" 2012 des Nabu und genießt als nicht jagdbare Art besonderen Schutz.