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Nachbar-Zoff um Dorfgemeinschaftshaus trübt Jahreswechsel in Hüll

Günter Andreas zwischen Dorfgemeinschaftshaus und dem benachbarten Wohnhaus (re.)

Keine Party zu Silvester / Ehrenamtlicher schreibt Brandbrief an den Landkreis

tp. Hüll. Sorgenvoll blickt Günter Andreas (69) vom Schützenverein Hüll dem Jahreswechsel entgegen. Grund sind Querelen mit den Nachbarn Beate Koppelmann und ihrem Bruder Dirk Koppelmann wegen angeblicher Lärmbelästigung durch Feiern im Dorfgemeinschaftshaus, das Eigentum des Schützenvereins ist. Nun musste Andreas, Vereinsobmann für das Gemeinschaftshaus, sogar schweren Herzens die Silvesterparty absagen.

In einem Brandbrief an den Landkreis Stade bittet er um Lockerung der in der Baugenehmigung verankerten Nutzungsbestimmungen, die laut Andreas unter dem Druck der beiden Beschwerdeführer und ihres Rechtsanwaltes zustande gekommen seien. Demnach sind jährlich nur zehn sogenannte laute Veranstaltungen erlaubt, deren Schalldruckpegel 45 dB (A) nach 22 Uhr überschreitet. Das entspricht etwa einer normalen Gesprächslautstärke.

Außerdem ist zwischen zwei lauten Veranstaltungen ein Wochenende Ruhepause vorgeschrieben. So konnte Günter Andreas, nachdem eine junge Frau vor Weihnachten ihren 25. Geburtstag feierte, in diesem Jahr keine Silvesterfete zulassen. Andreas, auch SPD-Ratsherr, klagt: "Ich stehe ständig im Interessenkonflikt."

"Bei Verstößen", so Andreas, "rufen die Gegner die Polizei." Der Verein habe schon Geldstrafen gezahlt.

Dem schriftlichen Appell von Günter Andreas zufolge, soll der Landkreis nun für jährliche Traditionsveranstaltungen wie Schützenfest, Feuerwehrball- und Kameradschaftsabend sowie für die Silvesterfeier eine Ausnahme machen. Solche Feste haben aus Andreas' Sicht nichts mit der Vereinbarung zu tun, die seinerzeit "notgedrungen abgeschlossen worden ist".

Günter Andreas verspricht sich von einer Lockerung mehr Gerechtigkeit in dem Kehdinger Dorf. Denn außer der beiden Nachbarn, die sich seit Beginn der Planungen gegen das Dorfgemeinschaftshaus gestemmt hätten, gebe es unter den 795 Dorfbewohnern "kaum Gegner".

Im Jahr 2008/2009 wurde die ehemalige Gaststätte im Ortszentrum, die seit 1986 Dorfgemeinschaftshaus ist, für 350.000 Euro unter hohen Lärmschutzauflagen mit 9.000 ehrenamtlichen Arbeitsstunden modernisiert. Widerstand regte sich schon während der Bauarbeiten. Aus dem Fenster des Saals, der einen Grenzabstand von rund fünf Metern zu Koppelmanns Wohnhaus hat, drangen Baustellengeräusche.

Auf dem Gelände gibt es einen Schießstand und einen großen Parkplatz. Die Koppelmanns stören sich laut Andreas auch an dem Pkw-Verkehr der an- und abreisenden Gäste.

Kreisbaurat Hermann Bode sieht keine Chance auf Lockerung und verweist auf den gesetzlichen Schutzanspruch der Nachbarn. In der Baugenehmigung seien die unterschiedlichen Interessenlagen des Vereins und der Anwohner "gründlich ausbalanciert worden". Von einer Änderung verspricht er sich kaum einen friedensstiftenden Effekt.

Beate Koppelmann dazu: "Es gibt Bestimmungen und Gesetze, die auch für das Dorf Hüll und Herrn Andreas gelten."