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Bahn frei für Waldbad-Sanierung - Kritiker fordern den Erhalt von sechs Bahnen

Christel Zilm-Rotzoll überreicht Samtgemeinde-Bürgermeister Olaf Muus (li). und Rats-Vorsitzenden Albert Homann die Unterschriften der Gegner der Sanierungspläne
 
Das Thema "Waldbad" interessierte offensichtlich zahlreiche Bürger. Die Sitzung des Samtgemeinderates war gut besucht

Als gäbe es keine anderen Sorgen! In Hanstedt sammelte eine Gruppe jetzt Unterschriften mit dem Ziel, die Pläne für die Waldbad-Sanierung zu kippen. Die Schwimmer wollen erreichen, dass alle sechs 50-Meter-Bahnen erhalten bleiben. Das Konzept sieht vier Bahnen vor. Der Samtgemeinderat ließ sich nicht beirren und kann jetzt auf 1,1 Millionen Euro Bundesmittel hoffen.

mum. Hanstedt. Der Hanstedter Samtgemeinderat hat Nägel mit Köpfen gemacht! Einstimmig votierten die Politiker für das von der Verwaltung und einer Arbeitsgruppe vorgeschlagene Sanierungskonzept des Waldbads (das WOCHENBLATT berichtete). Die Planer gehen von Kosten in Höhe von 2,57 Millionen Euro aus.
Der Rat musste den Beschluss innerhalb weniger Wochen auf den Weg bringen, um an einem Bundesförderprogramm teilnehmen zu können. Sollte Hanstedt den Zuschlag bekommen, fließen Bundesmittel in Höhe von 1,16 Millionen Euro in die Sanierung. „Die Ausschreibungsfrist war viel zu kurz“, kritisiert Verwaltungschef Olaf Muus das Programm. Aufgrund der kurzen Zeitspane hätten sich nur Städte mit einer eigenen Planungsabteilung bewerben können.
Ohne die Bundesmittel hätte die Samtgemeinde das Projekt frühestens 2018 angehen können. Vorher bindet der Schulneubau in Egestorf die Kommune zu sehr. Nun soll die Sanierung bereits im September 2017 beginnen.
Das Konzept des neuen Bads sieht unter anderem vier statt der bisherigen sechs 50-Meter-Bahnen vor. Außerdem zwei 25-Meter-Bahnen, einen Bereich für Wassergymnastik (8,30 Meter mal 16 Meter bei 1,35 Meter Tiefe), Massagedüsen, eine Nackendusche, einen Wasserfall, eine 13 Meter lange Breitwellenrutsche und ein 45 Quadratmeter großes Sonnendeck. Der Entwurf gefällt jedoch nicht allen. Christel Zilm-Rotzoll überreichte Muus eine Unterschriftenliste mit den Namen von 572 Bürgern. Sie fordern unter anderem den Erhalt aller sechs Bahnen. Sie befürchten, dass aus dem Wald- ein Spaßbad werden könnte. „Das geht auf Kosten derjenigen, die das Bad regelmäßig nutzen“, so Zilm-Rotzoll. Zudem kritisieren die Gegner das geplante Sonnendeck („da werden Kinder und Jugendliche zwangsläufig Unsinn machen“) und die Nackenduschen („die sind laut Orthopäden gesundheitsschädlich“).
• Olaf Muus lädt die Bad-Kritiker zu einem Treffen am Mittwoch, 16. Dezember, ab 19 Uhr im „Alten Geidenhof“ ein. Trotz des Beschlusses seien noch Änderungen am Konzept möglich.

Kommentar

Unterschriften für „Bahnen“? Was für ein Luxusproblem!
„Bei dieser Diskussion könnte man den Eindruck bekommen, wir wollen das Waldbad für immer schließen“, sagte Olaf Muus am Ende der Diskussion kopfschüttelnd. Tatsächlich ist es sehr erschreckend, über welches Luxusproblem sich eine kleine Gruppe Hanstedter den Kopf zerbricht und „die Pferde wild macht“.
Laut Muus engagieren sich in der Samtgemeinde Hanstedt 300 Ehrenamtliche für die etwa 260 Flüchtlinge - beide Zahlen sind steigend. Das verdient Respekt! Das ist sinnvoll eingesetzte Zeit! Doch einer kleinen Gruppe von Schwimmern ist es tatsächlich wichtiger, Unterschriften dafür zu sammeln, ob man nun auf vier oder sechs Bahnen Runden zieht. Ich finde das peinlich.
Ich ziehe den Hut vor Muus und seinem Rathaus-Team, die hier schnell eine gute Lösung gefunden haben. Und damit die Chance auf eine Förderung in Höhe von 1,16 Millionen Euro gesichert haben. Respekt auch vor den Politikern, die mutig eine einstimmige Entscheidung für die Zukunft getroffen haben.
In Tostedt diskutiert man übrigens schon seit mehr als 20 Jahren (inklusive 20.000 Euro teurer Bürgerbefragung) über die Zukunft des kommunalen Freibads. Eine Lösung, beziehungsweise eine Millionen-Förderung, ist dort nicht in Sicht. Auch darüber sollten die Kritiker einmal nachdenken.
Sascha Mummenhoff