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"Bildung ist kein Luxusgut!": Niedersachsens Kultusminister Ehrengast beim SPD-Neujahrsempfang

„Gebührenfreie Kitas sind eine Frage der Gerechtigkeit“ sagt Kultusminister Grant Hendrik Tonne
 
Thomas Grambow (re.), Vorsitzender des SPD-Unterbezirks Landkreis Harburg, begrüßte beim SPD-Neujahrsempfang (v. li.) Tobias Handtke, Vorsitzender der SPD-Kreistagsfraktion, Kultusminister Grant Hendrik Tonne und Bundestagsabgeordnete Svenja Stadler
as. Asendorf. Mit einer Mischung aus „Pragmatismus und Visionen“ möchte der neue Kultusminister Niedersachsens, Grant Hendrik Tonne (SPD), die Bildungsarbeit in Niedersachsen voranbringen. Er war Ehrengast beim Neujahrsempfang der SPD im Landkreis Harburg. Der traditionelle Empfang fand in diesem Jahr erstmals im Dorfgemeinschaftshaus in Asendorf statt, mehr als 200 Gäste waren der Einladung von Thomas Grambow, Vorsitzender des SPD-Unterbezirks Landkreis Harburg, gefolgt.
In seiner Rede gab Grant Hendrik Tonne einen Ausblick auf die kommenden Herausforderungen in der Bildungsarbeit. Dabei machte er deutlich: Viele Probleme seien nur langfristig zu lösen. „Es gibt viele Tagesbaustellen, wo eine pragmatische, schnelle Lösung notwendig ist. Aber wir sollten darüber unsere Vision einer modernen, gut ausgestatteten Schule nicht vergessen“, so der 41-Jährige.
Gebührenfreie Kitas: Eltern sollen zukünftig von den Kitagebühren entlastet werden. „Nicht nur die Hochschulen, auch die frühkindliche Bildung muss gebührenfrei sein!“ Dass jeder Zugang zur bestmöglichen Bildung erhalte, sei eine Frage der Gerechtigkeit. Auch wenn die Gebührenfreiheit den Haushalt belaste. „Aber ich gebe hier und heute das Versprechen, dass wir die Elternbeiträge landesseitig ersetzen werden“, sagte der Kultusminister. „Eine gebührenfreie, moderne Bildung von hoher Qualität, das ist doch der Kern, der uns umtreiben muss!“
Unterrichtsversorgung: In Sachen Lehrkräftemangel wird es laut Tonne keine schnelle Lösung geben. In mehreren Schritten sollen langfristig Stellen geschaffen und so dem Lehrermangel entgegengewirkt werden. Mit Umstrukturierungen soll kurzfristig der Unterricht ermöglicht werden. „Wir sollten lieber sicherstellen, dass der Unterricht vor Ort stattfindet und nicht über abstrakte Prozentzahlen debattieren, ob 99,9 oder 100,1 Prozent Unterrichtsversorgung erreicht werden“, so Tonne pragmatisch. Der Jurist schlug vor, z.B. die vorschulische Sprachförderung zukünftig in die Hand der Erzieher zu geben und die so freigewordenen Lehrerstunden in den Grundschulen einzusetzen.
Auch beim Thema Abordnungen wird es weiterhin Einschränkungen geben. „Wir können uns nur so gut es geht strukturieren. Ich würde die Abordnungen gern verhindern, aber das ist die einzige Chance, um den Unterricht im zweiten Halbjahr halbwegs vernünftig zu gestalten“, sagte Grant Hendrik Tonne. Der Kultusminister betonte, dass eine Lösung nicht zu Lasten der verlässlichen Grundschule gehen dürfe.
Um den Lehrermangel zu beheben, soll der Beruf attraktiver werden. Das will der Kultusminister u.a. durch den Abbau von unnötiger Bürokratie und einer Überarbeitung des Besoldungssystems erreichen. Einen ersten Schritt gebe es schon: Die Gehälter der Grundschulleitungen an kleinen Schulen sollten noch in diesem Jahr erhöht werden. „Sie leisten eine wichtige, hochqualifizerte Arbeit, die angemessen entlohnt werden soll“, so Tonne. Weiterhin sollen die Studienkapazitäten stärker an den Lehrerbedarf angepasst werden.
Einschulung: Statt eines einzelnen Stichtags sollen Eltern zukünftig über eine Spanne von drei bis vier Monaten entscheiden können, ob ihr Kind schon in die Schule gehen soll oder nicht. Tonne kündigte an, diesbezüglich Anfang des Jahres ein Gesetz einbringen zu wollen.
Inklusion: Am Ziel inklusiver Schulen in Niedersachsen werde festgehalten, das betonte der Kultusminister mit Nachdruck. Auch wenn derzeit noch nicht alles rund laufe, wolle das Land weiterhin Wege zur Inklusiven Schule ermöglichen. „Inklusion ist nichts, was so nebenher läuft. Inklusion ist ein Menschenrecht, für das wir aufgefordert sind, gemeinsam zu streiten!“, sagte der Minister.
• Wie geht es weiter nach dem Jamaika-Aus? Thomas Grambow sprach sich für die Sondierungsgespräche zur Großen Koalition aus. Die SPD habe ein phantastisches Regierungsprogramm vorgelegt, da sei es richtig, mit CDU und CSU zu verhandeln und die Regierungsarbeit gegebenenfalls in eine Koalition einzubringen. Grambow machte deutlich: „Uns muss klar sein, wenn das Ergebnis der Verhandlungen nicht Koalition, sondern Neuwahlen lautet, heißt das für uns kämpfen. Eine Große Koalition ist nach Neuwahlen nicht vertretbar.“
• Tobias Handtke, Vorsitzender der SPD-Kreistagsfraktion, sieht nach dem Wahlkampf jetzt die Zeit gekommen, sich auf die politische Arbeit zu konzentrieren. Außerdem solle sich die Landkreis-SPD deutlich selbstbewusster aufstellen. „Wir stehen vor Herausforderungen wie in einer Großstadt, haben aber nicht die Einnahmesituation wie in anderen Regionen“, so Handtke.
• Große Freude bei Dr. Constanze Hock-Warmuth und Petra Meißner vom Mehrgenerationenhaus Courage e.V. aus Neu Wulmstorf: Der Erlös der traditionellen Spendensammlung anlässlich des Neujahrsempfangs kommt in diesem Jahr ihrer Einrichtung zugute. Das Geld soll nach dem Umzug ins Familienzentrum für die Gestaltung der neuen Räume wie Kreativraum, Spielzimmer und Kursraum verwendet werden.