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Katzenjammer in Harsefeld: Scheue Stubentiger sorgen für Konflikt zwischen Pfadfindern und Tierschützern

Torben Dankers inspiziert die "Katzen-Kiste" auf dem Pfadfindergelände Foto: jd
jd. Harsefeld. Ich will die Natur kennen lernen und helfen, sie zu erhalten - so lautet eine der Pfadfinderregeln. Doch was unter den Begriff Natur fällt, darüber sind sich die Harsefelder Pfadfinder und die Tierhilfe Stade offenbar uneins: Zwischen den naturverbundenen Scouts und den Tierschützerinnen hat sich ein Streit entzündet. Der Grund sind mehrere herrenlose Katzen, die seit einiger Zeit von den Tierschutz-Aktivistinnen gefüttert werden und auf dem Pfadfindergelände am Ortsrand von Harsefeld herumstreunen.

"Natürlich lieben wir die Natur", sagt der langjährige Pfadi-Chef Torben Dankers: "Doch Katzen sind keine wildlebenden Tiere. Wir wollen sie auf unserem Gelände nicht haben - nicht zuletzt, weil sie für die nistenden Vögel eine Bedrohung darstellen." Dankers macht aus seinem Groll gegenüber den "Katzen-Damen" keinen Hehl: "Die Tierhilfe hat Futterboxen und einen Unterschlupf für die Katzen auf unserem Grundstück aufgestellt - ohne unsere Erlaubnis. Damit werden doch auch Ratten angelockt."

Außerdem sorgt sich Dankers um die jüngeren Pfadis: "Wer weiß, welche Krankheiten die Katzen übertragen können." Die Tiere seien zwar nicht zutraulich, doch wenn ein Kind sie bei einem Streichelversuch bedränge, könnte es womöglich gebissen werden.
Dieses Risiko sieht Beate Dowson, Vorsitzende der Tierhilfe Stade, nicht. Die Katzen seien auf Vereinskosten tierärztlich versorgt und kastriert worden. Ihr Verein leiste Hilfe, weil die Tiere in einer Notlage seien, so Dowson: "Niemand sonst kümmert sich um die Katzen."
Gehört haben die Katzen einem kauzigen, älteren Mann, der auf einer Fläche neben dem Pfadigelände in einem Verschlag gehaust hat. Nach seinem Tod versorgte zunächst niemand mehr die Katzen - bis die Tierschützerinnen von einer Spaziergängerin auf die scheuen Stubentiger aufmerksam gemacht wurden.

Doch ihre bisherige Behausung mussten die Katzen verlassen: "Die neue Eigentümerin der Fläche hat uns untersagt, die Tiere dort zu versorgen", berichtet Cornelia Haak, die ebenfalls bei der Tierhilfe aktiv ist. Haak findet die Reaktion der Pfadfinder unverständlich: "Was sollen wir denn machen? Diese äußerst scheuen Katzen können wir an niemanden vermitteln. Es wäre Tierquälerei, sie in einem Tierheim unterzubringen." Allenfalls ein Bauernhof käme in Frage: "Doch auch dann müssten sie mindestens zwei Monate so gehalten werden, dass sie nicht weglaufen können." Die Tierhilfe habe bereits bei einigen Höfen angefragt - ohne Erfolg.

"Wir bemühen uns weiter, doch man muss uns Zeit geben", sagt Haak. Bis dahin müssten die Tiere vor Ort versorgt werden: "Das ist mittlerweile anerkannte Praxis." Es sei rechtlich inzwischen zulässig, eingefangene, menschenscheue Katzen nach der Kastration mangels anderer Möglichkeiten wieder am Fundort auszusetzen. Ihr sei bewusst, dass dies nur eine Notlösung darstelle, so Haak: "Wenn ein Bauer seine Scheune anbietet, würden wir natürlich diese Chance ergreifen."

• Info: tsv-tierhilfestade.de


Ärger auch mit der Gemeinde


Wegen der Katzen gibt es nicht nur den Konflikt mit den Pfadfindern, sondern auch massiven Ärger mit der Verwaltung: "Rein rechtlich muss sich die Samtgemeinde Harsefeld kümmern, doch die fühlt sich nicht zuständig", erklärt Haak: Die Kommune weigere sich, die Katzen als Fundtiere einzustufen. "Uns wurde sogar erklärt, die Natur regele die Katzenpopulation schon von selbst", ärgert sich Haak. Eine ihrer Mitstreiterinnen habe Fachaufsichtsbeschwerde beim Landkreis gegen Ratshauschef Rainer Schlichtmann und seinen Ordnungsamtsleiter wegen Untätigkeit eingeleitet.

Dadurch ist jetzt auch der Landkreis mit diesem Fall befasst: "Der Vorgang wird derzeit mit Blick auf die Aspekte des Tierschutz-, Jagd- und Ordnungsrechts geprüft", erklärte Kreis-Dezernentin Nicole Streitz auf Anfrage. Die Samtgemeinde prüft den Fall nun ebenfalls: Das Füttern der Katzen ist womöglich ein Verstoß gegen die Harsefelder Verordnung über die öffentliche Sicherheit. In Paragraph 10 steht, dass fremde Katzen nicht gefüttert werden dürfen.