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Stumme Zeugen des Krieges

Kreisarchäologe Daniel Nösler mit einem Stuckornament einer Hausfassade, die im Bombenhagel zerstört wurde
 
An den Strand des Alten Landes wurden Abertausende Tonnen Schutt von den zerbombten Häusern Hamburgs abgeladen
jd. Harsefeld. Sonderschau im Harsefelder Museum: Gezeigt werden Fundstücke aus dem zerbombten Hamburg. Museen haben unter anderem den Zweck, die Erinnerung an die Geschichte wach zu halten. An ein besonders schreckliches Kapitel der deutschen Vergangenheit erinnert das Harsefelder Museum mit der Sonderausstellung "Funde aus dem Bombenschutt": Gezeigt werden Relikte aus der Zeit, als Hamburg durch alliierte Bomber in Schutt und Asche versank. Die Fundstücke sind stumme Zeugen des "Feuersturms", der 1943 durch die Luftangriffe der "Operation Gomorrha" entfacht wurde.

Von dem Leid und Elend, das die Nazis über die halbe Welt brachten, war auch das eigene Volk betroffen: Die Schrecken des Zweite Weltkrieges, dessen Ende sich am 8. Mai zum 70. Mal jährt, bekamen die Deutschen nach kurzer Zeit in der eigenen Heimat zu spüren: Ziel amerikanischer und britischer Bomberflotten waren nicht nur Industrieanlagen, sondern auch Innenstädte. So sollte die Moral der Bevölkerung gebrochen werden. Allein in Hamburg fanden bei den größten Bombardements im Sommer 1943 etwa 35.000 Menschen den Tod, ganze Stadtteile wurden zerstört. Nach Kriegswende mussten die Trümmerberge beiseite geschafft werden, um Platz für den Wiederaufbau zu haben.

Ein Teil des Schutts wurde mit Schuten an den Elbstrand zwischen Jork-Borstel und Hahnhöfersand transportiert, um damit auf rund acht Kilometern das Elbufer zu befestigen. Aus dieser Uferbefestigung stammen die meisten Exponate der Sonderschau. Denn inmitten der Millionen von Ziegelsteinen finden sich unzählige Spuren aus der Vergangenheit, die vom Reichtum der stolzen Hansestadt und deren Untergang im Bombenhagel künden: Im Schlick liegen Bruchstücke handbemalter Fliesen, Teile von Öfen, Ornamente von Hausfassaden, Straßenlaternen, Porzellanscherben, massive Stahltüren sowie völlig verformte Glasklumpen, die in der unvorstellbaren Hitze des Feuersturms zusammengeschmolzen sind.

Bereits vor ein paar Jahren sind Sammler auf diese einzigartige Fundstätte aufmerksam geworden. Einige unternahmen regelmäßig Streifzüge entlang des Ufers und bargen besonders interessante Stücke vom Elbstrand, die nun dem Harsefelder Museum für die Sonderschau zu Verfügung gestellt werden. Auch die Kreis-Archäologie, die den Harsefelder Kloster- und Heimatverein bei der Organisation der Ausstellung unterstützt, steuert einige Exponate bei.

Besonders hervorzuheben sind zwei Fragmente jüdischer Grabsteine, die aus dem 17. Jahrhundert stammen und hebräische Inschriften aufweisen. Die Bruchstücke wurden vor vier Jahren von Spaziergängern entdeckt. Dieser Fund rief Kreisarchäologe Daniel Nösler auf den Plan, der sich auf Spurensuche begab und den Rest des dazugehörigen Grabsteins aufspürte. Der Stein befand sich auf dem jüdischen Friedhof in Altona - auf dem Grab eines Hamburger Juden, der im 18. gestorben ist.

• Die Sonderausstellung im Harsefelder Museum wird vom 13. Februar bis zum 13. September gezeigt. Das Museum hat zu folgenden Zeiten geöffnet: dienstags bis sonntags 15 bis 17 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen zusätzlich von 10 bis 12 Uhr.

• Der Eintritt ist frei.