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Biotop ja, Badesee nein: Landkreis schließt Freizeitnutzung in ehemaligen Sandgruben aus

Eine kleine Idylle für Tiere und Menschen: die Harsefelder Sandgrube (Foto: jd)
(jd). Es geht zwar nicht um Diamanten, doch auch der Landkreis Stade verfügt über "Bodenschätze": Auf dem Geestrücken wird an vielen Stellen Sand und Kies abgebaut. Da ein solcher Bodenabbau einen schwerwiegenden Eingriff in die Natur darstellt, ist eine Abbau-Genehmigung mit hohen Auflagen verbunden. Die wichtigste Auflage bezieht sich auf die Zeit nach der Ausbeutung der Lagerstätten: Die Sandgruben müssen renaturiert werden. Doch die Zeiten, in denen aus Baggerseen idyllische Badeseen werden konnten, sind längst vorbei. Die Tier- und Pflanzenwelt hat Vorrang vor dem Menschen. Interessenkonflikte sind programmiert, wie ein Beispiel aus Harsefeld zeigt.

Die Straße "Im Sande" am nordöstlichen Ortsrand von Harsefeld trägt ihren Namen nicht grundlos: Dort gibt es große Sandvorkommen, die schon seit langer Zeit ausgebeutet werden. Vor Jahrzehnten erhielt auch eine Baufirma aus Ruschwedel gemeinsam mit einem weiteren Unternehmen eine Abbaugenehmigung, die noch immer gilt. Die Bagger haben sich im Laufe der Jahre tief in den Boden gegraben und in der Mitte der Sandgrube ist ein kleiner See entstanden, aus dem jetzt der Sand geholt wird. Nassabbau nennt sich das. Da in einem Teil der Grube schon länger keine Bagger mehr rollen, ist dort bereits ein kleines Biotop entstanden, im dem sich zum Teil seltene Tierarten tummeln.

Diese Tatsache hat nun die Naturschützer auf den Plan gerufen: Die Grünen beantragten beim Landkreis, einige Bereich der Sandgrube nach Naturschutzrecht "sicherzustellen" und eine Freizeitnutzung auszuschließen. Das wiederum erbost die Angler, die den Baggersee vor ein paar Monaten mit Fischen besetzt haben und dort jetzt ihre Ruten auswerfen. "Wir leisten mit unserer Arbeit wie der Aufzucht von Meerforellen einen wertvollen Beitrag zum Naturschutz, doch bei diesem Baggersee sollen wir angeblich die Natur gefährden", empört sich einer der Angler.

"Grundsätzlich sind nach einer Renaturierung einer ehemaligen Sandgrube keinerlei Freizeitaktivitäten zulässig", sagt der Leiter des Kreis-Naturschutzamtes, Dr. Uwe Andreas: "Dazu zählt auch angeln." Die Natur habe absoluten Vorrang: "Das Ziel ist die Schaffung wertvoller Biotope." Andreas hält eine Ausnahme nur dann für möglich, wenn ein Angelverein quasi die Aufsicht führt und darauf achtet, dass keine Fremden das Gelände betreten und vor allem befahren: "Viele ehemalige Gruben werden ja als Quad-Pisten missbraucht." Der Landkreis habe bei renaturierten Sandgruben eine klare Linie, so Andreas: kein Badesee, keine Rennstrecke für Geländemaschinen und kein Grillplatz.

Doch so weit ist man in der Harsefelder Grube noch längst nicht. Der Sandabbau soll noch mindestens fünf bis zehn Jahre weiter betrieben werden.


Wilde Partys sind das Problem

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"Ich stehe mit der Naturschutzbehörde in engem Kontakt", sagt Holger Döring, dessen Firma ein Teil der Sandgrube gehört: So laufe seit Jahren eine Kooperation, um den Bestand der Uferschwalben zu erfassen. In diesem Jahr dürfe erstmals der Bliedersdorfer Anglerverein die Grube nutzen, so Döring: "Die Leute sollen ein wenig Aufsicht führen und die Schwarzangler vertrieben." Das größte Problem seien ohnehin die vielen ungebetenen Gäste, die am Baggersee lautstark Partys feiern und dann Berge von Müll hinterlassen.