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Harsefeld und die (Real-)Satire: Warum der Ort jetzt einen Chlodwig-Poth-Platz hat

Auf einer Bank am Clodwig-Poth-Platz macht die WOCHENBLATT-Lektüre doppelt so viel Spa
jd. Harsefeld. Für Satire haben Politiker oft nicht viel übrig - aus gutem Grund: Sind sie doch meist selbst Zielscheibe des feinsinnigen Spotts. Daher ist es erstaunlich, dass die Ratsmitglieder in Harsefeld einem der bedeutendsten Satiriker in Deutschland ein Denkmal gesetzt haben: Im Ortsteil Hollenbeck widmeten sie ein lauschiges Eckchen dem Cartoonisten und Mitbegründer des Satiremagazins "Titanic" Chlodwig Poth . Allerdings geschah das nicht ganz freiwillig: Die Kommunalpolitiker standen vor der Entscheidung, viel Geld in den Sand zu setzen und zudem noch die Hollenbecker Bürger gegen sich aufzubringen - oder aber in den sauren Satire-Apfel zu beißen.

Vor einer Woche montierten Gemeindearbeiter das Straßenschild: In Harsefeld-Hollenbeck gibt es jetzt einen Chlodwig-Poth-Platz. Damit ist das Geestörtchen neben Frankfurt wohl die einzige Kommune in Deutschland, die im öffentlichen Raum an den 2004 verstorbenen "Titanic"-Karikaturisten erinnert. Wäre das Schild nicht spätestens am 31. Januar aufgestellt worden, hätte die Gemeinde eine Konventionalstrafe von 15.000 Euro zu zahlen gehabt. Diese Summe wird auch fällig, wenn vor dem Ablauf von 20 Jahren eine Umbenennung erfolgt.

Das Straßenschild selbst ist für Politik und Verwaltung in Harsefeld Strafe genug: Die Namensgebung ist Bestandteil eines Kompromisses, auf den sich die Gemeinde mit dem Ehepaar Balzer verständigt hat. Zur Erinnerung: Der Flecken Harsefeld hatte im Sommer 2013 eine kleine Straße in Hollenbeck saniert, die zum Teil den Balzers gehört. Die waren mit der Baumaßnahme überrumpelt worden und zogen vor Gericht. Die Gemeinde unterlag. Spätestens da war der "Hollenbecker Straßenraub" in aller Munde.

Die Straße hätte wieder aufgerissen und in den alten Zustand versetzt werden müssen. Mehr als 60.000 Euro wären dann sinnlos verbaut gewesen. Doch die Balzers signalisierten Einigungs-Bereitschaft. Sie wollten ihren Straßen-Anteil an die Gemeinde verkaufen. Die Bedingung: Die Straße wird nach Clodwig Poth benannt. Ihre Begründung: Der Satiriker habe stets behördliche Willkür aufs Korn genommen und die Arroganz der Politiker angeprangert.

Der Gemeinderat fühlte sich düpiert und lehnte den Kompromiss zunächst ab, ließ sich aber nach einer Intervention des Hollenbecker Heimatvereins umstimmen. Der Verein bewies gesunden Menschenverstand und überzeugte die Politiker, das Sturheit nicht weiterhilft. Die Balzers waren beeindruckt und zeigten sich großzügig: Sie waren damit einverstanden, dass statt der Straße nun ein kleiner Platz nach Poth benannt wird.

• Wer sich für die Arbeiten Poths interessiert, sollte dem Museum für Komische Kunst "Caricatura" in Frankfurt einen Besuch abstatten: www.caricatura-museum.de