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Kreis erhält vierte Drehleiter

In Harsefeld ist die Drehleiter bereits öfter eingesetzt worden
jd. Harsefeld. Nicht alle Politiker wollen, dass Harsefeld neben Stade und Buxtehude Standort eines "Hubrettungsfahrzeuges" wird. Menschenleben zu retten ist die wichtigste Aufgabe einer Feuerwehr. Um diese Aufgabe zu erfüllen, müssen die Einsatzkräfte im Ernstfall nicht nur schnell vor Ort sein - auch die technische Ausstattung spielt eine große Rolle. So ist manchmal eine Drehleiter erforderlich, um einen Dachstuhlbrand zu bekämpfen. Doch solche Drehleitern - im Feuerwehr-Fachjargon heißen sie Hubrettungsfahrzeuge - kosten rund eine halbe Million Euro und sind daher im Landkreis Stade rar gesät: Zwei Wagen sind in Stade stationiert, einer in Buxtehude. Nach dem Willen der örtlichen Feuerwehr soll künftig eine weitere Drehleiter in Harsefeld hinzukommen. Nach dem Okay des Feuerwehrausschusses der Samtgemeinde ist die Zustimmung des Rates am morgigen Donnerstag wohl nur noch Formsache. Doch es gibt auch Kritik.
Grundlage für die Entscheidung des Ausschusses ist ein Papier des Harsefelder Ortsbrandmeisters Olaf Jonas. Darin bezeichnet der Chef der größten Ortswehr in der Samtgemeinde das Fehlen einer Drehleiter als "Sicherheitslücke". So sei eine Menschenrettung aus einer Vielzahl von Gebäuden in Harsefeld innerhalb der vorgegebenen Frist von 15 Minuten kaum möglich, so Jonas. Diese Frist ergebe sich aus der sogenannten Reanimationsgrenze bei einer Kohlenmonoxid-Vergiftung.
Laut Jonas können die Drehleitern aus Buxtehude und Stade diese Zeitvorgabe nicht einmal "ansatzweise einhalten". Nach seinen Berechnungen vergehen im Schnitt zwischen 35 und 37 Minuten, bis diese Fahrzeuge nach einer Alarmierung in Harsefeld eintreffen. Jonas zieht daraus ein klares Resümee: "Aus meiner Sicht ist die umgehende Beschaffung eines Hubrettungsfahrzeuges zwingend erforderlich."
Dieses Fazit stößt allerdings nicht auf ungeteilte Zustimmung: Samtgemeindebürgermeister Rainer Schlichtmann verwies in der Ausschuss-Sitzung darauf, dass der Landkreis die Stationierung einer Drehleiter in Harsefeld nicht unbedingt als notwendig erachte. Doch letztendlich sei aus dem Kreishaus keine klare Aussage gekommen, so Schlichtmann. Da werde wieder einmal "herumgeiert", kritisierte CDU-Mann Friedrich Dammann das Verhalten des Landkreises. Seine Fraktion votierte ebenso wie FWG und Grüne für den Kauf einer Drehleiter im Jahr 2015.
Lediglich in der SPD war man geteilter Meinung: Ralph Lindemann und Dieter Tomforde erklärten, gegen ihre Fraktionsmehrheit zu stimmen und die kostspielige Anschaffung abzulehnen. Beide bezweifelten, ob die Investition in ein Fahrzeug, das wahrscheinlich nur äußerst selten zum Einsatz komme, gerechtfertigt sei.
Meist rücke eine Ortswehr zu Autounfällen aus, argumentierte Tomforde. Da seien hochwertige Rettungsscheren wichtiger als eine Drehleiter. "Und was ist mit den vielen alten Feuerwehrautos in unseren Ortswehren?", fragt sich der SPD-Politiker. Einige müssten mühsam "durch den TÜV geschoben werden", weil Mittel für Neuanschaffungen fehlten. Vor diesem Hintergrund halte er die hohe Investition in eine Drehleiter für bedenklich.