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„Das tue ich mir nicht an!“

Um diese riesige Fläche geht es: 10,56 Hektar - zu 80 Prozent Wald - mitten in Jesteburg (Foto: Google Maps)
 
Planer und Projektentwickler Friedrich W. Lohmann

Projektentwickler Friedrich W. Lohmann verzichtet nach Diskussion auf „Kirchfeld“-Erschließung.

mum. Jesteburg. Paukenschlag im Jesteburger Bauausschuss: Der Projektentwickler Friedrich W. Lohmann (Winsen/Aller) hat am späten Mittwochabend überraschend sein Angebot zurückgezogen, das Itzenbütteler Kirchfeld (10 Hektar) von einem Wochenend- zu einem echten Wohngebiet entwickeln zu wollen. Eigentlich sollte während der Sitzung eine Planungsvereinbarung für einen städtebaulichen Vertrag abgestimmt werden. Doch soweit kam es nicht.
Die Atmosphäre im engen Sitzungssaal war von Beginn an aufgeheizt. Ausschussvorsitzende Britta Witte (CDU) tat gut daran, den Tagesordnungspunkt „Kirchfeld“ nach vorn zu ziehen. Wie berichtet, wurde Lohmann von Anwohnern gebeten, in dieser Angelegenheit tätig zu werden. „Ich sehe meine Position eher als Moderator und nicht ausschließlich als Projektentwickler“, hatte Lohmann im WOCHENBLATT-Gespräch gesagt.
Sachlich versuchte er, die zahlreich erschienen Kirchfeld-Anwohner und - Anlieger abzuholen. „Ich habe mit den Planungen noch gar nicht begonnen. Ich werde mit allen Beteiligten sprechen“, versprach der Entwickler. Doch das wollten die Anwesenden gar nicht hören. Sie kritisierten, dass die Entwicklung des Kirchfelds auf Kosten vieler geschehen werde, jedoch nur einige wenige finanziell profitieren werden. Andere wiesen auf die dramatische Straßensituation hin, die schon jetzt den Verkehr nicht mehr gewachsen sei. „Diejenigen, die das Kirchfeld mit einem B-Plan überplanen wollen, wohnen gar nicht im Kirchfeld oder werden ihre Grundstücke verkaufen. Wir Jesteburger haben den Ärger“, meinte ein Kirchfeld-Anwohner. Ein anderer warf Lohmann vor, nur für die zu sprechen, die verkaufen wollen. Positive Kommentare aus dem Plenum - Fehlanzeige.
Und die Politik? Während Bürgermeister Udo Heitmann (SPD) ein leidenschaftliches Plädoyer für einen B-Plan hielt, sagte Parteigenossin Cornelia Ziegert, dass sie dagegen stimmen werde - und bekam dafür Applaus. Ebenso wie Grünen-Fraktionschefin Birgit Heilmann. Für eine Abstimmung pro Lohmann hätte es dennoch gereicht. Außer Heitmann hatten zuletzt auch immer Britta Witte und Reimer Siegel (beide CDU) kein Hehl aus ihrer Position gemacht.
Doch zur Abstimmung kam es nicht. „Es macht den Eindruck, dass ich nicht im Namen der Mehrheit der Kirchfeld-Bewohner spreche, daher ziehe ich mein Angebot zurück“, zog Lohmann einen Schlussstrich und ersparte der Politik so die Abstimmung.

Kommentar

Ein Tiefschlag für die Politik
„Das tue ich mir nicht an“, sagte Friedrich W. Lohmann und zog sein Angebot zurück. Ist doch nicht tragisch, könnte man vielleicht denken. Für Lohmann dürfte die Konsequenzen tatsächlich nicht sonderlich schlimm sein. Der Entwickler ist gut im Geschäft. Für die Jesteburger Politik ist seine Absage hingegen ein echter Tiefschlag. Seit Jahren streiten die Fraktionen - bei der SPD sogar intern - über den richtigen Weg. Die Verwaltung verschwendete Zeit und Ressourcen - zuletzt in die Planungsvereinbarung. Immer wieder betonte CDU-Fraktionschefin Britta Witte, man wolle den Kirchfeld-Bewohnern Sicherheit geben. Doch was heißt schon Sicherheit? Wer im Kirchfeld wohnt, weiß, worauf er sich eingelassen hat: Leben in einem Wochenend-Gebiet und dies mit den entsprechenden Konsequenzen (eben das Verbot eines Dauerwohnen). Warum die Legalisierung von etwas Illegalem forcieren - und das auf Kosten der Allgemeinheit? Entscheidend ist, dass es allen Handelnden nicht gelungen ist, die Parteien im Kirchfeld zu einen. Schlimmer noch. Die Gräben sind so tief wie noch nie.
Ihren Nachfolgern hat die Politik im Kirchfeld „verbrannte Erde“ hinterlassen.
Sascha Mummenhoff


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