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Steht das Kupfergeld vor dem Aus?

Einfach nur lästig: Auf Ein- und Zwei-Cent-Münzen können immer mehr Verbraucher gut verzichten

Laut einer aktuellen Umfrage lehnen immer mehr Bürger Ein- und Zwei-Cent-Münzen ab.

(mum). Geld hat jeder gern in seinem Portemonnaie - mit einer Ausnahme: die Ein- und Zwei-Cent-Münzen. Die meisten Bürger sammeln das unliebsame Kleingeld zu Hause irgendwo in großen Gläsern, um sie irgendwann - vielleicht als Not-Groschen - abzugeben. Die Diskussion, die Münzen endlich aus dem Verkehr zu ziehen, ist nicht neu. Sie bekommt jetzt aber neue Nahrung. Laut einer Studie des Hamburger Marktforschungsinstituts Splendid Research, die Anfang der Woche veröffentlicht wurde, wünscht sich mehr als die Hälfte aller Deutschen (58 Prozent) die Abschaffung des Kupfergelds. 71 Prozent beklagen, dass in ihrer Geldbörse zu wenig Platz für Kleingeld ist. Eine Umfrage von 2016 hatte bereits ähnliche Ergebnisse geliefert. Für eine komplette Abschaffung des Bargeldes spricht sich hingegen nur eine Minderheit von 13 Prozent aus.
„Den Gedanken einer möglichen Abschaffung der Ein- und Zwei-Cent-Münzen können wir nachvollziehen“, sagt Wilfried Wiegel, Sprecher der Sparkasse Harburg-Buxtehude. Den Grund liefert Hans-Peter von Elling, Prokurist der Volksbank Lüneburger Heide:
„Das Sammeln von Kleingeld und die anschließende Entsorgung, beziehungsweise der Umtausch ist kostenintensiv. Seit Anfang 2015 sind Banken aufgrund einer EU-Verordnung verpflichtet, Münzen auf Echtheit und Umlauffähigkeit zu prüfen. Die Bargeldlogistik ist seitdem mit einem hohen Arbeits- und Geldaufwand verbunden.“ Die entstehenden Kosten würden oft nicht in einem angemessenen Verhältnis zum Gegenwert stehen. Den Umtausch bieten beide Unternehmen aus diesem Grund nur für Kunden an - allerdings auch das nur bei Einzahlungen.
Unterstützung bekommen die beiden Banksprecher aus dem Gewerbe. Hartmut Holst, Hausleiter bei Marktkauf in Stade, sagt: „Ein großer Teil unserer Kunden lehnt an der Kasse Centbeträge als Wechselgeld ab, weil die Münzen nur ihr Portemonnaie verstopfen.“

Das Klimpergeld verbannen

Die Mehrheit der Bundesbürger lehnt Ein- und Zwei-Cent-Münzen ab, so das Ergebnis einer aktuellen Umfrage. Auch Hartmut Holst, Hausleiter bei Marktkauf in Stade sieht das so: „Die kleinen Cent-Münzen können getrost abgeschafft werden.“ Holst denkt aber auch an die Händler, die sich dann über ihre künftige Preisgestaltung Gedanken machen müssten: „Man müsste dann eine ganz andere Werbestrategie fahren.“
Das Klimpergeld ist auch auf Wochenmärkten ein Thema - besser kein Thema. Klaus-Heinrich Dehde steht mit seinem Obst- und Gemüsestand jeden Mittwoch auf dem Stader Pferdemarkt. „Von mir aus können die Ein- und Zwei-Cent-Münzen gern abgeschafft werden.“ Seine Waage runde ohnehin bereits auf Fünf-Cent-Beträge ab. Bei ihm am Stand lässt sich längst bargeldlos mit EC-Karte bezahlen.

Fünf von 19 EU-Ländern haben die Ein- und Zwei-Cent-Münzen bereits abgeschafft

Dass die Mini-Münzen überhaupt noch geprägt werden, ist nicht zuletzt Deutschland zu verdanken. „Seitens des Bundesfinanzministeriums gibt es derzeit keine Überlegungen zur Abschaffung der Kleinmünzen oder zur Einführung nationaler Rundungsregeln“, lautete die Reaktion aus dem Ministerium etwa auf den jüngsten Beschluss aus Italien. Nach Finnland, den Niederlanden, Belgien und Irland schaffen die Italiener als fünftes der 19 Euro-Länder die Ein- und Zwei-Cent-Münzen ab. Dort wird seit Januar 2018 auf den nächsten Fünf-Cent-Betrag ab- oder aufgerundet.
Übrigens: Laut „Bild“-Zeitung hat nahezu jeder Deutsche Bargeld im Portemonnaie, im Durchschnitt sind es 67 Euro. Im Vergleich zu 2016 sind das sechs Euro weniger. Den höchsten Betrag an Münzen und Scheinen führen Bundesbürger im Alter von 50 bis 59 Jahren mit sich, hier sind es durchschnittlich 77 Euro. Deutsche im Alter von 18 bis 29 Jahren haben mit 49 Euro am wenigsten in ihrem Geldbeutel. Männer haben im Schnitt zwölf Euro mehr Bares und damit rund 73 Euro in ihrem Portemonnaie, Frauen führen nur 61 Euro mit sich.

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