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„Ich möchte hier einen Markt eröffnen“

Edeka Meyer-Inhaber Herbert Meyer - hier mit Ehefrau Gesa und den Kindern Marie und Jonas - möchte gern einen Markt in Jesteburg eröffnen
 
Hansjörg Siede, Vorsitzender der neuen Wählergemeinschaft "UWG Jes!"

Edeka-Unternehmer Herbert Meyer zieht es nach Jesteburg / Parteien nehmen Stellung zu den Ansiedlungsplänen, die das WOCHENBLATT exklusiv vorstellte.

mum. Jesteburg. Die Nachricht, dass Herbert Meyer (Inhaber zweier Edeka-Märkte in Hittfeld und Nenndorf), einen Markt in Jesteburg eröffnen möchte (das WOCHENBLATT berichtete am Samstag exklusiv), war das Gesprächsthema am Wochenende in Jesteburg - sowohl in den sozialen Netzwerken, vor allem aber via Leserbrief nahmen die Bürger Stellung zu den Plänen von Architekt Ulrich Salvers, ein Nahversorgungszentrum am Sandbarg (direkt hinter der Bahnstrecke, Am Osterberg) errichten zu wollen. Außer einem Edeka- und einem Aldi-Markt sollen auf einer Verkaufsfläche von 5.500 Quadratmetern weitere Shops entstehen.
Im WOCHENBLATT-Gespräch erklärt Herbert Meyer, warum er gern in Jesteburg einen Markt eröffnen möchte. „Der Standort macht für mich wirtschaftlich Sinn. Meine Märkte in Nenndorf und Hittfeld sind in der Nähe“, so der Unternehmer. Davon abgesehen sei Jesteburg einfach ein toller Standort mit besonderen Menschen. Meyer verbindet mit dem Ort auch persönliche Erinnerungen. „Ich habe bei Edeka Peters Ende der 1970er Jahre meine Ausbildung gemacht“, erzählt sich Meyer. Sicherlich spielt bei seinen Überlegungen auch eine Rolle, dass sowohl in Hittfeld, als auch in Nenndorf zahlreiche Jesteburger zu seinen Kunden zählen.
Das sagt die Politik zu den „Sandbarg-Center“-Plänen:

Hansjörg Siede, Vorsitzender der neuen Wählergemeinschaft „UWG Jes!“: „Wir unterstützen die Pläne“, so Siede. „Die Dorfmitte endet nicht an der Güterbahntrasse. Wenn Hamburg den Sprung über die Elbe wagt, werden wir ja zumindest gedanklich über die Bahntrasse springen können. Außerdem könnte damit endlich auch der unsägliche und überflüssige Streit mit der Nachbargemeinde Hanstedt über die Famila-Ansiedlung beigelegt werden“, so Siede. Dieses neue Fachmarktzentrum erfülle die Forderungen vieler Gewerbetreibender nach zeitgemäßen Einzelhandelsflächen. Fußgängerbrücken über die Bahntrasse könnten die neuen Geschäfte mit der historisch gewachsenen Dorfmitte verbinden und diese zusätzlich beleben. Die ablehnende Haltung der Ratsmitglieder Britta Witte (CDU) und Karl-Heinz Glaeser (Grüne) gegenüber den neuen Plänen verdeutliche erneut, dass Investoreninteressen über Gemeindebedürfnisse gestellt würden. „Neue Ideen in der gegenwärtig völlig verfahrenen Situation ergebnisoffen zu prüfen, muss für jedes Ratsmitglied eine Selbstverständlichkeit sein“, so Siede.

Philipp-Alexander Wagner, Vorsitzender der FDP-Jesteburg: „Die FDP spricht sich für die Planung eines Nahversorgungszentrums aus“, so Wagner. „Jesteburg braucht zusätzliche Einkaufsmöglichkeiten und das unabhängig davon, ob Famila nun kommt, oder nicht.“ Auch ein Wettbewerb zwischen Famila und Edeka würde für die Jesteburger Kunden nur Vorteile bringen. Wagner geht davon aus, dass die Bevölkerung in Jesteburg mittelfristig wachsen wird und sich somit das bereits jetzt existierende Einkaufsproblem weiter verschärfen wird. Auch der Mix der verschiedenartigen Einkaufsmöglichkeiten wird nach Auffassung des FDP-Vorsitzenden Jesteburg bereichern.
„Sollte das Projekt des Famila-Marktes aber doch endgültig vor Gericht scheitern, hätte Jesteburg mit dem Sandbarg-Center eine gute Alternative“, so Wagner.

Birgit Heilmann, Fraktionsvorsitzende Bündnis 90/Die Grünen: „Aus verschiedenen Gründen sprechen wir uns entschieden gegen die Umwandlung der landwirtschaftlichen Fläche in ein Gebiet für Einzelhandel aus“, sagt Heilmann. Grundsätzlich sollten landwirtschaftliche Flächen nur aus zwingenden Gründen zur Bebauung umgewandelt werden, etwa wenn der Grund für die Planung der Erfüllung notwendiger Aufgaben der Gemeinde dient und keine alternativen Lösungen realisierbar oder finanziell vertretbar wären. „Durch ein Sandbarg-Center würde ohne Not eine große landwirtschaftliche Fläche umgewandelt, die unmittelbar an eine geschützte Heidefläche und ein Bodendenkmal angrenzt, und der landschaftlich schöne Blick vom Wanderweg Richtung Osten würde verstellt.“ Das ehemalige Festhallen-Grundstück erfülle nach Ansicht der Grünen die geforderten Kriterien für einen größeren Vollsortimenter am besten. „Die Fläche ist bereits bebaut, sie liegt verkehrstechnisch äußerst günstig direkt angrenzend an einem expandierenden Wohngebiet und gehört noch zum Zentrum von Jesteburg“. Außerdem verhindere die Bahnlinie eine Integration der neu geplanten Shops in den Ortskern, so dass die Attraktivität der Hauptstraße nicht gefördert werden würde. Die verkehrlich bereits belastete Straße am Sandbarg sei für die Ansiedlung eines Einzelhandelszentrums nicht geeignet.
Edeka hätte außerdem die Möglichkeit gehabt, in der Ortsmitte auf dem Areal des Clement-Grundstückes einen einzelnen großen Vollsortimenter zu bauen, hätte aber damals das Angebot abgelehnt. „Nicht nachvollziehbar ist schließlich die Intention der Antragsteller, ihr maßlos überdimensioniertes Projekt im Zeitrahmen der laufenden gerichtlichen Auseinandersetzung um die Famila-Ansiedlung vorzutragen“, so Heilmann.

Britta Witte (CDU), Fraktions- und Bauausschuss-Vorsitzende kommentierte die Pläne auf Facebook: „Bevor jetzt schon wieder alle ganz aufgeregt sind (in Jesteburg wird ja wohl jede Woche eine andere S...Idee durchs Dorf getrieben): Vorschlagen kann jeder, was er will, das heißt noch lange nichts!“

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