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Wie ein „Glaubenskrieg“ - Wurde in der Politik kontrovers diskutiert: Ganztagsbetreuung oder „Pädagogischer Mittagstisch“?

SPD-Ortsvereins-Vorsitzender Steffen Burmeister (Foto: SPD Jesteburg)

Für Steffen Bur­meister, Ortsvereinschef der Jesteburger SPD, ist es ein „Glaubenskrieg“. Die Mitglieder des Schulausschusses hatten darüber zu entscheiden, ob Jesteburg künftig - wie von Eltern und Lehrern gefordert - den „Pädagogischen Mittagstisch“ ausbaut oder die Grundschulen mit einer Ganztagsbetreuung ausstattet. Die Wahl fiel auf die Ganztagsbetreuung.

mum. Jesteburg. Das Thema Schule bewegt die Jesteburger! Vorige Woche nutzten zahlreiche Eltern die Gelegenheit, um zu hören, wie sich die Politik die Weiterentwicklung der Grundschulen zu Ganztagsschulen vorstellt. Auf den Ansturm reagierten die Ausschuss-Mitglieder bürgerfreundlich. Statt der sonst üblichen Bürgerfragestunde, die auf 30 Minuten begrenzt ist, setzten die Politiker auf einen Dialog. „Es entstand eine kontroverse Diskussion, bei der jedoch die Fronten nicht unbedingt aufgeweicht wurden“, sagt SPD-Ortsvereins-Vorsitzender Steffen Burmeister. Er hatte den Eindruck, dass die Statements eher zu einem „Glaubenskrieg“ denn zu einer Auseinandersetzung über das zukünftige Schulmodell zu passen schienen.
Laut Burmeister geht es um die Präferenz eines an den Status Quo angelehnten Modells (verlässliche Grundschule bis 13 Uhr, ab dann „Pädagogischer Mittagstisch“) und einer Alternative, die es in verschiedenen Varianten gibt: dem Ganztagsunterricht in einer offenen, teilgebundenen oder verpflichtenden Variante.
Ausschussvorsitzende Nathalie Boegel (CDU) wies darauf hin, dass in Niedersachsen inzwischen 60 Prozent aller Schulen im Ganztagsbetrieb (inklusive ungefähr der Hälfte aller niedersächsischen Grundschulen) seien. Burmeister: „Die Idee der Schulen in unserer Samtgemeinde ist aber nicht, sich dieser Entwicklung anzuschließen, sondern das eingeführte Modell des Pädagogischen Mittagstischs (PM) fortzusetzen oder auszuweiten.“ Das sei aber aus Sicht vieler Eltern und der politisch Verantwortlichen problematisch, denn:
• Der PM sei grundsätzlich begrenzt (heute in Jesteburg auf 80, in Bendestorf auf 30 Plätze), was laut Burmeister immer dazu führen werde, dass Eltern, die Bedarf haben, keine Ganztags-Betreuung für ihr Kind bekommen. Aktuell seien 18 Kinder auf der Warteliste. „Bei einem echten Ganztagsmodell wäre das nicht so“, so der Ortsvereinschef.
• Der PM sei ein Modell, das auf Basis des Kindertagesstättengesetzes läuft – „also eigentlich nicht für den Schulbetrieb gedacht ist, bei dem eine Genehmigung durch die Aufsichtsbehörde mit steigender Teilnehmerzahl immer schwieriger wird und grundsätzlich Restriktionen enthält“, erklärt Burmeister. Die Einbindung Dritter sei nicht möglich. Das Ganztagsmodell setze hingegen auf die Integration privaten Engagements.
• Der PM könne sich nie in Richtung einer echten pädagogischen Betreuung entwickeln, der Ganztag schon.
Die Wortmeldungen zum Thema waren kontrovers. „Die Verantwortlichen der Schulen sind nicht von ihrer Ablehnung des echten und vom Land geförderten Ganztagsmodells abgerückt“, so Burmeister. Die Sonnenschule in Bendestorf würde bei entsprechender Willensbekundung der Eltern eine grundsätzliche Weiterentwicklung neu überdenken. Die Grundschule Jesteburg könne sich hingegen nur vorstellen eine teilgebundene (also an zwei Tagen verpflichtende, an drei Tagen nicht stattfindende) Variante umzusetzen.
Die Mitglieder des Schulausschusses plädieren nachdrücklich für die Umsetzung eines Modells, mit dem alle Beteiligten einverstanden sind.
• Positiv: Die politischen Vertreter der Samtgemeinde haben sich bereits dafür ausgesprochen,die für den PM bereitgestellten Haushaltsmittel zusätzlich zu den Landesmitteln für eine Umsetzung des Ganztags bereitzustellen.
Am Ende votierten die Ausschuss-Mitglieder dafür, dass die Verwaltung rasch und detailliert prüfen soll, wie die Grundschulen in einem Ganztagsmodell geführt werden können.
• Der Ausschuss gab zu dem grünes Licht für die Aufstellung von je einem Container an beiden Schulstandorten als Ersatz für Klassenräume.

Missverständnis oder Erpressung
Einmal wurde es turbulent: Laut Burmeister hatten sich einige Ausschussmitglieder darauf verständigt, den Kreis der im PM betreuten Kinder für das nächste Schuljahr temporär zu erweitern (und Haushaltsmittel in der Größenordnung 32.000 Euro bereitzustellen), wenn die Entwicklung der Jesteburger Grundschule zum Ganztag sichtbar ist. „Das wurde nach der vorangegangen Diskussion als Erpressungsversuch gesehen“, so Burmeister. Tatsächlich, erklärt der Sozialdemokrat, seien die Ausschussmitglieder bei dieser Vorabsprache aber davon ausgegangen, dass die Voraussetzung - die Entscheidung zum Ganztagsmodell - unstrittig ist. „Entsprechende Signale aus der Gesamtkonferenz der Schule wurden so verstanden“, so Burmeister. Am Ende wurde diese Absprache wieder kassiert und die Empfehlung der Erweiterung für zehn Kinder verabschiedet.