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Zeit für einen Namenswechsel?

Welcher neuer Name könnte zum Landkreis Harburg passen? Und braucht es überhaupt einer Umbenennung? Diese Frage möchten Britta Witte (li.) und Christiane Oertzen mit den Bürgern diskutieren
 
Britta Witte (li.) und Christiane Oertzen wollen eine Diskussion anschieben

CDU möchte den Landkreis Harburg umbenennen / Lesermeinung ist gefragt.

(mum). Hat der Landkreis Harburg ein Identifikations-Problem? Man könnte es vermuten. „Wer im Urlaub nach seinem Wohnort gefragt wird, kommt selten umhin zu erklären, dass der Landkreis Harburg nicht zu Hamburg gehört“, sagt Britta Witte, die Vorsitzende der Landkreis-CDU. Gemeinsam mit Vorstandsmitglied Christiane Oertzen möchte sie bei den Bürgern im Landkreis ausloten, ob sie reif für eine Namensänderung sind. „Ich finde es befremdlich, dass wir unseren Namen einem Stadtteil verdanken, der nicht einmal in unserem Bundesland liegt“, so Witte.
Den CDU-Frauen sind viele Beispiele bekannt, bei denen der Name zu Irritationen führt. „Neubürger schauen nicht selten nach dem Ferienplan für Hamburg, statt Niedersachsen“, sagt Britta Witte. Den beiden CDU-Frauen schwebt ein prägnanter Name vor. „Er muss zu uns passen und dabei die Vielseitigkeit unseres Landkreises beschreiben“, sagt Christiane Oertzen. Sie fordern die Bürger auf, sich in die Diskussion einzubringen. „Uns ist extrem wichtig, dass so ein Vorhaben auf einem breiten Konsens beruht.“ Erst viel später soll daraus eine politische Diskussion werden.

Ein neuer Name für den Landkreis Harburg?

„Wenn schon der niedersächsische Wirtschaftsminister nicht weiß, dass der Landkreis Harburg nicht zu Hamburg, sondern zu Niedersachsen gehört, dann wird es wohl Zeit zu handeln!“ Britta Witte, Vorsitzende der Landkreis-CDU, und Vorstandsmitglied Christiane Oertzen sind sich einig. „Wir sollten zumindest einmal darüber nachdenken, ob es Sinn macht, über eine Umbenennung des Landkreises Harburg nachzudenken.“
Die Panne von Olaf Lies (SPD), dessen Büro nicht auffiel, dass der Landkreis Harburg für ein wichtiges Gutachten zur Clusterbildung von Start-Up-Unternehmen vergessen wurde (das WOCHENBLATT berichtete), sei nur der Tropfen gewesen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat. „Wir erleben es immer wieder, dass hochrangige Besucher meinen, sie würden nach Hamburg fahren, wenn sie unseren Landkreis besuchen“, so Witte. Das gelte übrigens für Politiker aller Parteien.
Auch bei Schülern sei zu beobachten, dass ihnen der Unterschied zwischen dem Landkreis Harburg und dem Stadtteil Hamburg-Harburg nicht immer klar ist.
Die beiden CDU-Frauen haben nachgeschaut: In Niedersachsen gibt es 37 Landkreise und acht kreisfreie Städte. Nur neun Landkreise heißen nicht wie die jeweilige Kreisstadt. „Aber der Landkreis Harburg ist der einzige, dessen Namensgeber nicht einmal im Kreisgebiet liegt“, sagt Christiane Oertzen.
2011 hatte der Landkreis Soltau-Fallingbostel seinen Namen in Heidekreis geändert - aus „SFA“ wurde „HK“. Seit vielen Jahren sei der Name Heidekreis von den etwa 140.000 Bewohnern als Synonym verwendet worden und sei so in den Sprachgebrauch eingegangen. Mit dem neuen Namen erhoffte man sich auch, dass der Tourismus gestärkt werde.
Die Nachbarkreise Harburg, Lüneburg und Celle fanden den Namenstausch nicht witzig. „Heide gibt es doch auch bei uns. Soltau-Fallingbostel besitzt mit den Heideflächen kein Alleinstellungsmerkmal“, argumentierten die Kritiker. Die Kosten für die Namensänderung beliefen sich nach Verwaltungsangaben auf etwa 50.000 Euro.
Über die konkreten Kosten im hiesigen Landkreis haben sich die beiden CDU-Frauen noch keine Gedanken gemacht. „Wir wollen zuerst einmal wissen, ob die Bürger das Thema überhaupt interessiert“, so Britta Witte. Sollte dies so sein, plant die CDU ein Online-Forum einzurichten, um mit den Bürgern ins Gespräch zu kommen. Dort könnten dann auch Vorschläge diskutiert werden. „Erst wenn wir das Gefühl haben, dass die Menschen im Landkreis wirklich das Bedürfnis nach einer Namensänderung haben, würden wir die Idee politisch auf den Weg bringen.“
Mit eigenen Vorschlägen halten sich die beiden Frauen zurück. „Da gibt es noch keine abschließende Meinung. Fakt ist, dass viele Faktoren berücksichtigt werden müssen.“ Bei „Landkreis Nordheide“ kommt die Elbmarsch zu kurz, bei „Landkreis Winsen“ werden die Buchholzer vergessen und „Landkreis Süderelbe“ bezieht sich auch auf Hamburg-Harburg. „Der neue Name sollte prägnant sein und sich auf den ganzen Landkreis beziehen“, so Witte.
Wie denken die WOCHENBLATT-Leser über den CDU-Vorstoß? Braucht der Landkreis Harburg einen neuen Namen? Und falls ja - wie soll er heißen? Schreiben Sie uns Ihre Meinung per E-Mail an mum@kreiszeitung.net.

Ein Blick in die Geschichte:

Warum heißt der Landkreis Harburg eigentlich nicht nach seiner Kreisstadt Landkreis Winsen? Die Geburtsstunde des Kreises liegt im 19. Jahrhundert. Mit der 1885 erlassenen Kreisordnung im Königreich Preußen entstanden zunächst aus der Stadt Harburg der Stadtkreis Harburg und aus Stadt und Amt Winsen der Kreis Winsen. 1932 wurden die beiden Kreise Harburg und Winsen zusammengelegt. Durch das Groß-Hamburg-Gesetz von 1937, mit dem großräumig eingemeindet wurde, wurde die Stadt Harburg Teil Hamburgs. Zunächst verblieb der Verwaltungssitz des Landkreises noch in Harburg, wurde aber wegen kriegsbedingter Zerstörungen 1944 ins Schloss nach Winsen verlegt. 1958 wurde die Luhestadt endgültig als Kreissitz festgelegt. 1961 zog die Kreisverwaltung in einen Neubau in unmittelbarer Nachbarschaft des Schlosses.