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"De Ollaner" packt überall mit an

Rolf Lühmann lässt sich die Sonne auf den Pelz scheinen vor seinem Haus in Estebrügge
 
Wenn Rolf Lühmann mit seinem Feuerwehr-Oldtimer durchs Dorf zuckelt, klingeln die Ohren
bc. Estebrügge. Schlips und Kragen sind notwendiges Übel, Jeans und Holzfällerhemd passen viel besser zu Rolf Lühmann - dem waschechten Altländer, der an der Niederelbe einen Bekanntheitsgrad wie der berühmte Hund besitzt. Umso erstaunlicher, dass er trotz Krawatten-Antipathie fast 40 Jahre sämtliche Posten im Verwaltungsapparat durchexerziert hat: vom Lehrling in Harburg, Gerichtsvollzieher in Eppendorf über den Kämmerer in Neu Wulmstorf, den IHK-Verwaltungsleiter in Stade bis zum Bürgermeister in Jork. "Warum ich damals im Amt angefangen habe, kann ich mir heute auch nicht mehr erklären", grinst Lühmann im WOCHENBLATT-Interview.

Eigentlich könnte es "De Ollaner" - so heißt sein Kleingewerbe - als Pensionär ruhiger angehen lassen, er könnte in der eigenen Werkstatt seinen Feuerwehr-Oldtimer auf Vordermann bringen, mit seiner Motoryacht auf der Elbe schippern, er könnte Unkraut im Garten zupfen oder faul auf der Couch liegen. Macht er aber nicht. "Das würden meine Frau und meine Kinder nicht zulassen", schmunzelt der 59-Jährige. Stattdessen kümmert er sich in den nächsten Jahren als Beauftragter für das Gebietsmanagement um nichts weniger als die Zukunft des Obstbaus im Alten Land. "Die Zeit drängt", sagt Lühmann.

Weil die Bauern an der Niederelbe die gesetzlich geforderten Mindestabstände der Plantagen zu wasserführenden Gräben nicht einhalten können, existiert für das Alte Land eine Sondergebietsverordnung. Die läuft jedoch Ende Februar 2015 aus. Die Obstbauern brauchen eine neue Verordnung, um rechtssicher weiterarbeiten zu können. "Der Bund fordert, dass das Alte Land einen Fahrplan erstellt, wie der Obstbau Pflanzenschutzeinträge in Gewässer verringern möchte", erklärt Lühmann.

Sein Job erfordert viel Diplomatie. 14 Interessengruppen vom Obstbau bis zum Naturschutz muss er unter einen Hut bekommen. Ein Job, der nicht selten erst spät am Abend endet - nach unzähligen Arbeitskreisen und Informationsgesprächen. Trotzdem macht ihm das Vermitteln Spaß.

Rolf Lühmann liegt der Obstbau am Herzen, nicht zuletzt, weil er selbst mal knapp zwei Hektar Apfelbaum-Plantagen bewirtschaftet hat. In Neuenfelde aufgewachsen, hat er sich schon als Kind beim Bauern ein paar Mark dazuverdient, als Jugendlicher half er bei einem benachbarten Obsthändler aus. Hier entdeckte er die Liebe zur Technik, zum Schrauben, Bohren, Sägen und Hämmern. Mit den eigenen Händen etwas erschaffen, ist Lühmanns Passion. Der Handwerkerschaft ist ein großes Talent durch die Lappen gegangen. "Ich konnte mein handwerkliches Interesse aber auch in den Behörden anwenden, wenn es darum ging, mit Handwerkern zu verhandeln", erzählt er.

Mit 26 Jahren zog es Rolf Lühmann nach Estebrügge. Nicht irgendwo hin in die zweite Reihe, sondern direkt neben die Kirche in den Ortskern. Das alte Lehrer- und Pastorenhaus baute er zu einem modernen Fachwerkhaus mit Altländer Chic um. Hier genießt er den Feierabend mit seiner Frau Ute. Gleich nebenan wohnt Sohn Tim, ein paar hundert Meter weiter Tochter Sina.

Von seinem Wohnhaus zur Feuerwehr sind es nur ein paar Schritte. Seit mehr als 30 Jahren ist Rolf Lühmann hier in diversen Ämtern tätig, derzeit als Presse-Beauftragter. Ausgelastet ist der Altländer Hans Dampf in allen Gassen trotzdem noch nicht. Als Vorsitzender des Tourismusvereins Altes Land und Schriftführer im Wasserbodenverband Königreich/West-Moorende bringt Rolf Lühmann seine Erfahrungen ein.

Entspannung findet der Beamte im (Un)ruhestand mit seinen Kumpels beim Knobeln. Früher hießen sie die "Ungeküssten". Von dem Namen mussten sie sich jedoch aus naheliegenden Gründen verabschieden. Der Sport kommt manchmal bei Rolf Lühmann zu kurz. Sofern es aber irgendwie möglich ist, schwimmt er morgens um 6 Uhr seine Bahnen in Buxtehude.

Der aufregendste Job steht ihm noch bevor: In Kürze wird Rolf Lühmann Opa.