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Jork: Die Zukunft der Ruinen

Studentische Entwürfe zum Wiederaufbau des "Altländer Hofes": Besonders das gläserne Dach und der Giebel in Rostoptik wurden heiß diskutiert (Foto: Hochschule21)
bc. Jork. Gewährleisten gemeindliche Vorschriften eine gute architektonische Gestaltung? Um diese Frage ging es am Dienstag bei einer Podiumsdiskussion in Jork. Der Verein "Forum BauKulturLand" hatte eingeladen - eine neue Plattform zur Förderung der Baukultur zwischen Elbe und Weser.

Im Mittelpunkt der Debatte standen die Jorker Brandruinen "Herbstprinz" und "Altländer Hof" am Obstmarschenweg (L140). Die beiden früheren Gaststätten sind inzwischen zu Symbolobjekten überbordender behördlicher Regelungswut geworden. Insbesondere im Fall "Altländer Hof" beschwerten sich hinter vorgehaltener Hand immer wieder potenzielle Investoren über die vom Gemeinderat beschlossenen strikten gestalterischen Vorgaben mit Reet und Fachwerk.

Wie die Traditionsgebäude ganz anders aussehen könnten, zeigen die Entwürfe der Architektur-Studenten der Hochschule 21. Sie hatten im Rahmen ihres Studiums Ideen entwickelt und auf Zeichnungen veranschaulicht, was auf den zwei Ruinen-Grundstücken entstehen könnte. Die Entwürfe sind noch bis Ende November in der Jorker Rathausdiele ausgestellt.

Die Nachwuchs-Architekten tobten sich aus, was moderne Materialien angeht. Ein Entwurf wurde ganz besonders intensiv diskutiert: ein auf den alten Fachwerk-Mauern des "Altländer Hofes" montiertes Glasdach mit einem Giebel aus Cortenstahl in Rostoptik. Offensichtlich zu viel moderne Architektur für einige Altländer Traditionalisten. Ein Zuhörer meinte: "Sehr provokant."

Rolf Lühmann, Vorsitzender des Tourismusvereins Altes Land, vertrat die Meinung, "dass Touristen auch solche Ideen honorieren würden. Die Besucher im Alten Land wollen nicht nur Fachwerk sehen."

Stades Stadtbaurat Kersten Schröder-Doms brachte es auf den Punkt: "Denkmalschutz ist keine Käseglocke. Warum müssen Häuser aussehen, wie vor 300 Jahren?" Wobei es in den Fällen "Altländer Hof" und "Herbstprinz" noch nicht mal um das Thema Denkmalschutz geht. Denn beide Ruinen sind nach den Bränden keine Denkmäler mehr.

Die Entwürfe der Studenten sind zunächst einmal nicht mehr als Ideensammlungen. Investoren sind beim "Herbstprinz" nicht in Sicht. Und auch die Zukunft des "Altländer Hofes" scheint mehr denn je ungewiss zu sein. Der potenzielle Investor - ein Unternehmer aus dem Alten Land - ist nach WOCHENBLATT-Informationen abgesprungen. Angeblich soll es aber einen anderen Interessenten direkt aus Jork geben.

Bürgermeister Gerd Hubert gelangte nach der Diskussion zu der Erkenntnis: "Ich denke, wir sollten mutiger werden, was modernere Entwürfe angeht."

• Zur Erinnerung: Das knapp 2.000 Quadratmeter große Grundstück gehört der insolventen Eigentümerin Sandra T.. Bei einer Versteigerung im Januar lehnte die Sparkasse Harburg-Buxtehude als Hauptgläubigerbank ihre Zustimmung ab, als ein Investor 101.000 Euro bot. Der Verkehrswert des Grundstücks mit dem abgebrannten Fachwerkhaus beträgt 137.000 Euro.

Ein neuer Zwangsversteigerungstermin findet am 3. Dezember am Amtsgericht Buxtehude statt. Sparkassen-Sprecher Andreas Sommer: "Wir streben trotzdem nach wie vor einen freihändigen Verkauf an."