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Jorker Rathaus-Chef räumt Fehler ein

Die Atmosphäre im Jorker Rathaus zwischen Bürgermeister Gerd Hubert und einem Teil seiner Mitarbeiter ist abgekühlt
bc. Jork. Ein Bürgermeister ohne Rückhalt seiner Mitarbeiter? Geht das überhaupt? Nach der massiven Kritik von Teilen der Belegschaft an seinem Führungsstil (das WOCHENBLATT berichtete) bemüht sich Jorks Bürgermeister Gerd Hubert (Bürgerverein), die Wogen zu glätten. Am Mittwoch soll es ein Gespräch mit den Mitarbeitern der Fachbereiche gegeben haben, die von der geplanten Zusammenlegung betroffen sind.

Hubert gesteht Fehler ein: „Vermutlich habe ich in der Sache handwerkliche Fehler bei der Kommunikation gemacht. Das tut mir außerordentlich Leid.“
Das war geschehen: Auf Grundlage einer Feststellung des Landesrechnungshofes muss Hubert die Verwaltung neu gliedern. Statt jedoch einen en détail ausgearbeiteten Vorschlag der eigenen Mitarbeiter umzusetzen, den er selbst lange Zeit mitgetragen hat, entschied sich der Bürgermeister kurzfristig um - ohne offenbar die Mitarbeiter in Kenntnis zu setzen.

Das WOCHENBLATT weiß: Matthias Riel, allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters und Personalchef im Jorker Rathaus, hatte seit dem 11. Februar einen Maulkorb verordnet bekommen. Am Montag während der Finanzausschuss-Sitzung wurde der Zwist zwischen Hubert und seinem Personal dann öffentlich.

Huberts neue Planung sieht so aus: Aus vier Fachbereichen (FB) will er drei machen. Er halte die Zusammenlegung der FB 2 „Ordnung“ und FB 4 „Bauen“ für eine optimale Lösung. So praktizieren es etliche vergleichbare Nachbarkommunen. „Alle Aufgaben werden weiterhin von den Mitarbeitern in der gleichen Umgebung ausgeführt“, so Hubert. Auch seitens der Kommunalaufsicht gebe es keine Bedenken, und in Gesprächen mit den Ratsfraktionen habe er große Unterstützung erfahren.

Für ihn habe sich die Situation nach Bekanntwerden der Pensionsvorbereitungen von Werner Gerdes, Leiter des FB 2, und vor allem nach dem Verzicht von Thomas Bültemeier (Leiter FB 4) völlig neu dargestellt. Hubert: „Wenn sich diese Situation vorher ergeben hätte, hätte ich mich möglicherweise früher für die Zusammenlegung der FB 2 und 4 entschieden.“

Unterstützung erfährt Gerd Hubert vom Bürgerverein Jork (BVJ), der ihn damals im Bürgermeisterwahlkampf gegen Matthias Riel auf den Schild hob. Klaus Hubert, BVJ-Vorsitzender und Huberts Bruder, sagt dazu: „Wir stehen voll hinter dem Bürgermeister.“ Es handele sich um keine umfangreiche Umstrukturierung im Rathaus: „Bis auf die Zusammenführung der Bereiche unter neuer Leitung sowie einer neuen Teamleiterstruktur wird sich kaum etwas ändern.“ Niemand verliere seinen Job.

Er räumt ein, dass sein Bruder die Situation unterschätzt habe und besser hätte kommuniziert können: „Deswegen habe ich Verständnis für die Unruhe. Die Mitarbeiter müssen wissen, wo es hingeht.“

Wie es derzeit um Gerd Huberts Standing bei der Belegschaft bestellt ist, zeigt folgendes Beispiel: Ein Mitarbeiter klebte den WOCHENBLATT-Artikel „Miese Stimmung im Jorker Rathaus“ am Mittwoch an die Rathaus-Tür - offenbar um seinem Chef gegenüber auf diese Weise seinen Unmut auszudrücken. Klaus Hubert: „Eine Respektlosigkeit gegenüber dem Bürgermeister.“

Das sagt der Personalrat


„Der Unmut ist da. Ganz schlimm ist, dass im Vorfeld mit den Mitarbeitern nicht geredet wurde. Natürlich werden wir unsere laufende Arbeit erledigen, aber wir wissen nicht, wie es weitergeht“, sagt Personalrats-Vorsitzende Doris Piper.
Nach der geplanten Zusammenlegung der Fachbereiche (FB) 2 und 4 zum 1. Juli müsste ein neuer Leiter her. Noch gebe es aber keine öffentliche Ausschreibung, so Piper. „Um eine vernünftige Einarbeitungszeit zu gewährleisten sind wir meines Erachtens schon jetzt viel zu spät dran.“ Dass eine Zusammenlegung der FB 2 (Bürgerbüro, Standesamt, etc.) und 4 (Bauen) angesichts der gegebenen Struktur im Rathaus sinnvoll sei, bezweifelt Piper: „Die Fachbereiche 3 und 4 arbeiten seit langem viel enger zusammen.“