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"famila": Wie entscheidet der Rat?

40.000 Artikel umfasst das Sortiment von "famila" (Foto: Famila)
 
Ein erster Entwurf: So soll der "famila"-Markt an der B73 in Neu Wulmstorf in der Draufsicht mal aussehen. 275 Parkplätze sind vorgesehen, die Zufahrt ist über die Matthias-Claudius-Straße geplant (Foto: Famila)
bc. Neu Wulmstorf. Alle Vorzeichen deuten auf eine Entscheidung Spitz auf Knopf hin. Wenn am Donnerstag, 19. Dezember, der Neu Wulmstorfer Gemeinderat (19.30 Uhr, Rathaus) beschließen soll, ob das Bebauungsplan-Verfahren für die geplante Ansiedlung des "famila"-Warenhauses auf dem ehemaligen "Möbel Meyn"-Grundstück eingeleitet wird, könnte es knapp werden. Eine klare Mehrheit pro oder contra "famila" scheint nach der jüngsten Bauausschusssitzung ausgeschlossen zu sein. Mit einer hauchdünnen 4:3-Mehrheit empfahlen die Ausschussmitglieder, das Verfahren gegen die Stimmen von CDU und Grünen auf den Weg zu bringen.

Christdemokraten und Grüne besitzen genau wie SPD und UWG zusammen je 16 Stimmen im Gemeinderat. Vorausgesetzt es sind alle Ratsmitglieder da und keiner aus den Fraktionen schert aus, gebe es zwischen CDU/Grüne und SPD/UWG eine Patt-Situation. Bleiben die zwei Stimmen der Gruppe FDP/Die Linke und das Bürgermeister-Votum, das zum Zünglein an der Waage werden könnte. Rathauschef Wolf Rosenzweig (SPD) äußert sich auf WOCHENBLATT-Anfrage skeptisch: "'famila' allein würde die Bahnhofstraße nicht beleben." Losgelöst von der Frage, wer sich auf dem Meyn-Gelände ansiedeln dürfe, müsse Politik und Verwaltung dafür sorgen, dass die Bahnhofstraße attraktiver werde. Dem Verfahren zur Aufstellung eines B-Plans wird Rosenzweig aber wohl dennoch zustimmen.

Die Gruppe FDP/Die Linke scheint ebenfalls für die Eröffnung eines Verfahrens zu sein, sofern die Gemeinde dafür Rechnung trage, dass die Bahnhofstraße moderner gestaltet werde. Stimmen alle erwartungsgemäß ab und sind vor allem alle Ratsmitglieder da, wird es wohl auf eine knappe Mehrheit zugunsten von "famila" hinauslaufen.

Wie berichtet, müsste für die Pläne des Kieler Unternehmens, für acht Millionen Euro ein 3.500 Quadratmeter großes SB-Warenhaus zu bauen, der B-Plan geändert werden. Bislang sind auf dem "Meyn"-Areal an der B73 nur Möbel-, Heimwerker- und Baumärkte zugelassen - eine Festsetzung, um die Lebensmittelgeschäfte und kleinen inhabergeführten Läden an der "Bahnhofstraße" zu schützen. Der Rat steht vor der Frage: Soll diese Richtlinie aufgeweicht werden oder nicht?

Für CDU-Fraktionschef Malte Kanebley eine so folgenschwere Entscheidung, die er zum jetzigen Zeitpunkt nicht fällen möchte. "Nicht, bevor das Konzept Neu Wulmstorf 2025 abgeschlossen ist", so Kanebley. Die ablehnende Haltung der CDU solle nicht als grundlegende Opposition zu "famila" zu verstehen sein.

"famila"-Geschäftsführer Christian Lahrtz warb für sein Unternehmen: "Wenn man die Leute auf der Straße fragt, bin ich überzeugt, dass sie sich über 'famila' in Neu Wulmstorf freuen würden." Lahrtz ergänzt: "Wir wollen die Kaufkraft im Ort binden, ohne die Geschäfte an der Bahnhofstraße zu gefährden." Über eine entsprechende Sortimentsanpassung lasse er mit sich verhandeln.

Hintergrund: Ein Gutachten der CIMA hat festgestellt, dass Neu Wulmstorf über ein Nachfragepotenzial von 121 Mio. Euro pro Jahr verfügt, davon allerdings jedes Jahr 42 Mio. Euro an Kaufkraft abfließen. "Etwa 35 Prozent des Potenzials wird nicht genutzt", so Lahrtz.

Nach WOCHENBLATT-Informationen plant "famila" in Neu Wulmstorf mit einem Jahresumsatz von ca. zehn Mio. Euro. Macht bei angenommenen 305 Verkaufstagen ein Tagesumsatz von etwa 32.800 Euro. Insider halten die Zahl für zu niedrig, damit sich ein so großes Warenhaus rechnet.

Grünen-Fraktionsvorsitzender Joachim Franke glaubt, dass "famila" eher einen Umsatz von zwölf bis 15 Mio. Euro pro Jahr verfolgt. Wie die CDU befürchten auch die Grünen ein Ladensterben in der Bahnhofstraße, sofern "famila" Kaufkraft von dort absaugen würde. Franke: "Wir haben ausreichend Lebensmittelmärkte vor Ort."

Bauausschuss-Vorsitzender Thomas Grambow (SPD) spricht sich für eine "famila"-Ansiedlung aus: "'famila' verfügt über ein Angebot im Non-Food-Bereich, das in der Gemeinde bisher nicht vorhanden ist." Er verstehe es als Chance, dass die Gemeinde auf das Non-Food-Sortiment von "famila" in Neu Wulmstorf einwirken könne. Zu klären sei jedoch die komplizierte An- und Abfahrt über die Liliencronstraße.

UWG-Fraktionschef Hans-Heinrich Wiegers erinnerte an die Pläne Hamburgs, auf dem früheren Gelände der Röttiger-Kaserne in unmittelbarer Nachbarschaft zur Gemeinde einen Verbrauchermarkt anzusiedeln: "Darauf können wir nicht einwirken. auf die Entwicklung auf dem Meyn-Grundstück schon."

Thomas Saunus, Fachbereichsleiter Ortsentwicklung im Rathaus, stellte klar: "Selbst wenn der Rat am Donnerstag beschließen sollte, das Verfahren einzuleiten, ist das noch keine Entscheidung für 'famila'."