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Eklat beim Verein Postkutsche Lüneburger Heide - Vorstand auseinandergebrochen

Der Sitz des Vereins "Dat Ole Fösterhuus" im Kleckerwald (Foto: archiv)
mi. Rosengarten Was ist los beim Verein Postkutsche Lüneburger Heide?
Dort sind der zweite Vorsitzende Bodo Malzahn sowie Beisitzerin Stefanie Malzahn und der für die Jugendarbeit des Vereins zuständige Marco Stöver von ihren Vorstands-Ämtern zurückgetreten. Dazu kündigte der Schatzmeister Thilo Bromberg an, sein Amt zum nächstmöglichen Zeitpunkt niederzulegen. Vorausgegangen war eine Sitzung des Vorstands. Hier soll der Rücktritt des Vorsitzenden Wolfgang Schnitter sowie der Schriftführerin Renate Schnitter gefordert worden sein. Der Vorwurf: Die Schnitters hätten das Ansehen des Vereins durch öffentlich sichtbar gewordenen Alkohol-Exzess geschädigt. Als der „Putsch“ scheiterte, legten die Initiatoren ihrerseits die Ämter nieder.
Der Auslöser sind zwei Vorfälle: Wolfgang Schnitter soll beim Pfingstvergnügen am „Olen Fösterhuus“ des Vereins so stark betrunken gewesen sein, dass er den Gästen negativ auffiel. Auch gegen Renate Schnitter erheben die Kritiker um Marco Stöver, Bodo Malzahn und Thilo Bromberg schwere Vorwürfe. Die Schriftführerin des Vereins soll auf dem Kindervergnügen des Vereins getrunken haben, später sei sie ins Auto gestiegen.
„Mit diesem Verhalten haben die Schnitters dem Verein großen Schaden zugefügt, sie sind aus unserer Sicht für den Vorstand nicht mehr tragbar, deswegen wäre es das Beste gewesen, Herr und Frau Schnitter hätten Konsequenzen aus ihrem Verhalten gezogen und den Vorstand verlassen“, so Marco Stöver.
Mit den Vorwürfen konfrontiert, sagte Wolfgang Schnitter, er werde sich nicht äußern. „Ich kommentiere das nicht, das habe ich auch in der Vorstandssitzung so kommuniziert. Ob das Verhalten, das man mir und meiner Frau vorwirft, vereinsschädigend ist, die Bewertung werde ich nicht vornehmen.“
Wie geht es jetzt weiter? Die Satzung des Vereins schreibt keine Mitgliederversammlung vor, um die Posten neu zu besetzen, sondern ermächtigt den verbliebenen Vorstand dazu. Kandidaten gibt es aber laut Schnitter noch nicht.
Ob mit einem neuen Vorstand wieder Ruhe einkehrt, muss sich zeigen. Wer den Verein kennt, der weiß: Die Vorfälle sind wohl eher ein Anlass als der Grund für den derzeitigen Streit im Vorstand. Oder anders ausgedrückt: In einem Verein, in dem die Chemie stimmt, wären solche Vorkommnisse wohl nie öffentlich kritisiert und instrumentalisiert worden.
Hintergrund: Der Vereinssitz ist das 1852 erbaute „Ole Fösterhuus“, das der Verein 2007 auch dank einer großzügigen Spende von WOCHENBLATT-Verleger Martin Schrader erwerben konnte. Doch Idylle scheint am „Fösterhuus“ nur noch im Kleckerwald drum herum zu herrschen. Es brodelt seit Langem hinter den Kulissen.
Im Kern geht es darum, dass sich der Verein in den vergangenen Jahren seit dem Ausscheiden des langjährigen Vorsitzenden Dietrich
Schmanns rasant verändert hat. Die Unstimmigkeiten begannen schon 2013 mit Dietrich Schmanns Nachfolger Frank Parbst. Der Buchholzer Rechtsanwalt und sein Vorstand, u.a. auch Marco Stöver, begannen schnell, „alte Zöpfe“ abzuschneiden und Neues zu etablieren. Gerade älteren Mitgliedern ging das oft zu schnell. Sie mussten sich von alten Traditionen wie den heimeligen Kaminabenden trennen. Neu bot der Verein Veranstaltungen für jüngere Leute an. Es wurden eine Kinderferienbetreuung sowie Kooperationen mit Kindergärten, Flüchtlingshilfe und Schulen auf den Weg gebracht - mit großem Erfolg. Das Traditionelle allerdings und die namensgebende Postkutsche - einstmals der wichtigste Grund für die Vereinsgründung - gerieten immer mehr zur Nebensache.
Nachdem Marco Stöver den Vereinsvorsitz von Frank Parbst übernahm, verstärkte sich offenbar bei vielen „Traditionalisten“ das Gefühl, im Verein keine Heimat mehr zu finden. Mit Wolfgang Schnitter, der seit diesem Jahr die Vereinsgeschäfte führt, verbinden viele ein Stück weit auch ein Zurück zum Alten. „Herr Schnitter wollte auch wieder etwas für die älteren Mitglieder machen, und jetzt wird der weggemobbt“, sagte ein langjähriges Mitglied dem WOCHENBLATT. Im Vorstand kam es dann auch offenbar immer wieder zu Differenzen. Vor allem, dass das neu eingeführte Kindervergnügen gratis ist, sorgte für Streit.
„Ich stehe hinter jedem Ziel in unserer Satzung. Dort ist explizit auch von Jugendarbeit die Rede“, so Wolfgang Schnitter, der sich als Mittler versteht. Eben jene Rolle sprechen ihm seine Kritiker aber ab - nach dem Alkoholvorfall mehr denn je.

Kommentar

Unwürdige Schlammschlacht
Es ist schade, dass das idyllische Forsthaus zum Schauplatz einer solchen Schlammschlacht wird. Eigentlich wäre es jetzt an der Zeit, zusammenzuhalten, denn es ist kein Geheimnis, dass die Heimstatt des Vereins dringend saniert werden muss. Es gibt Schäden an Dach und Bausubstanz - ohne Spenden kaum zu finanzieren. Wem etwas an dem Verein liegt, der sollte über seinen Schatten springen. Das gilt für Traditionalisten, denen gesagt sei, dass für einen Verein gilt, was auch fürs Leben stimmt: Man kann Altes nicht konservieren. Wer nicht offen für Neues ist, wird den Anschluss an das Leben verpassen. Es ist allerdings auch nicht die Zeit des hemdsärmligen Vorpreschens. Wer Veränderung mit dem Brecheisen will, der läuft Gefahr, zu viel einzureißen. Beiden Seiten sei gesagt: Schmutzige Wäsche wäscht man am besten zu Hause! Wichtig im Hinblick auf Spendengelder ist nämlich auch, dass der Verein sich nach außen seriös präsentiert. Ob das noch der Fall ist, sollten alle Mitglieder in einer großen Aussprache entscheiden - allein im Vorstand lässt sich dieser Konflikt nicht lösen.
Mitja Schrader