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"König Kurt" dankte ab -Rücktritt von Kurt Hölzer

Schöne Idee: Martin Schuster (li.) und Heinz Becker (re.) vom Ortsrat überreichten Kurt Hölzer einen Baum, der später gemeinsam eingepflanzt werden soll
 
Ging als Sieger aus dem Nachfolge-Hickhack hervor Wilhelm Pape (FDP) ist neuer Ortsbürgermeister von Steinbeck
mi. Buchholz. Es ist das Ende einer Ära: Nach 40 Jahren Ortsratstätigkeit legte jetzt Steinbecks langjähriger Ortsbürgermeister Kurt Hölzer (77) sein Amt nieder. Sein Nachfolger wird Wilhelm Pape (FDP) .
Der Saal war - untypisch für eine Ortsratssitzung - voll: Viele Weggefährten, Vereinsfreunde und Mitarbeiter aus Politik und Verwaltung, darunter auch Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse, samt Ersten Stadtrat Dirk Hirsch und auch Exbürgermeister Wilfried Geiger waren erschienen, um „König Kurt“, wie Kurt Hölzer scherzhaft genannt wird, ihre Anerkennung zu zollen.
„Es geht heute um die Amtsentlassung des Steinbecker Oberbürgermeisters Kurt Hölzer“, mit einen treffenden Versprecher eröffnete der stellvertretende Ortsbürgermeister Wilhelm Pape den entscheidenden Tagesordnungspunkt. Denn heimlich war Ortsbürgermeister Kurt Hölzer schon lange so etwas wie ein „Oberbürgermeister“ für die Ortschaft. Kein Anliegen, kein Verein, keine Veranstaltung, bei der er nicht mitmischte. Oder wie Ortsratsmitstreiter Heinz Becker es formulierte: „Du hast dich weit über das Aufgabenfeldes eines gewöhnlichen Ortsbürgermeisters hinaus für Steinbeck und die Belange seiner Bürger eingesetzt.“
Kurt Hölzer verabschiedete sich aus der Ortspolitik mit einer Rede, die, wie er sagte, der Länge seiner Amtsdauer angemessen sei. Ausführlich ging Kurt Hölzer darin auf seine Zeit als Ortsbürgermeister ein. Hob Erreichtes aber auch Fehlschläge hervor. Auf der „Habenseite“ könne er den Bau der Turnhalle, die Ausweisung zweier neuer Wohngebiete, die Mitwirkung am wegweisenden Glasfaser Projekt „Buchholz digital“ und natürlich das Steinbecker Dorffest verbuchen. „Das Dorffest wurde in mehr als 30 Jahren zu einem Fest, das sogar von sehr vielen Buchholzern gerne besucht wird.“ Nicht
gelungen sei ihm die Anlage
eines Bürgerparks in Steinbeck. „Das bedauere ich sehr.“
Für die Zukunft wünschte der scheidende Ortsbürgermeister sich, dass Steinbeck im Stadtrat besser vertreten sein sollte. Der Ortsrat solle gute Entscheidungen zum Wohle der Ortschaft treffen. Außerdem galt sein Dank seiner Familie, die „viele Jahrzehnte auf mich verzichten musste“, so Hölzer.
Für den scheidenden Ortsbürgermeister hatte der Ortsrat dann noch ein ganz besonderes Geschenk: Per Beschluss wurde festgelegt, dass die beliebte Steinbecker Köhlerhütte ab sofort den Namen „Kurt Hölzer-Hütte“ tragen soll.

Nach den Feierlichkeiten folgte das Politische Possenspiel

mi. Buchholz. Nach der Verabschiedung von Kurt Hölzer ging der Ortsrat zum Tagesgeschäft über. Dabei zeigte sich: Der Weggang des Ortsbürgermeisters hinterlässt schon jetzt eine Lücke. Denn anstatt einer geordneten Nachfolgeregelung bot das Gremium ein politisches Possenspiel, das, wie es Buchholz‘ Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse ausdrückte, „völlig unangemessen“ war.
Rückblick: Nach Kurt Hölzers Entscheidung, sein Amt vorzeitig niederzulegen, brach im Ortsrat ein Streit um die Nachfolge aus, der in einem Zerwürfnis der Gruppe FDP/CDU gipfelte. Offenbar war es nicht gelungen, den Streit bis zur entscheidenden Sitzung beizulegen - sodass es gleich zwei Kandidaten für den Posten gab. Den FDP-Mann Wilhelm Pape, (Foto), der als Wunschkandidat von SPD und Grünen galt, und die CDU-Wunschfrau Ilka Stenzel. Diese Kandidatenvielfalt - eigentlich in einer Demokratie begrüßenswert - motivierte den Ortsrat zu einer öffentlich ausgetragenen politischen Schlammschlacht. „Ich warne davor, diesen Mann zum Bürgermeister zu machen, er hat öffentlich Lügen über mich verbreitet“, attackierte Ortsrats-Mitglied Heinz Becker Wilhelm Pape. Der so Angegriffene entgegnete: „Herr Becker, wenn Sie damit meinen, dass ich Ihren völlig unangemessenen Schweinemaststall bekämpft habe, dann kann ich nur sagen, dass ich mein Handeln weiterhin für richtig halte“. In einer geheimen Kampfabstimmung setzte sich Wilhelm Pape dann gegen seine Konkurrentin durch. Bei der Wahl des Stellvertreters ging das Gezänk weiter. Eingeschnappt lehnte die CDU das Angebot, Ilke Stenzel als Papes Vize zu wählen, ab. Der daraufhin vorgeschlagene Grüne Martin Schulze wurde dann wieder in geheimer Abstimmung gewählt. Beide Amtsträger behalten ihren Posten noch bis zum Oktober, denn nach der Kommunalwahl werden die Karten im Ortsrat ohnehin neu gemischt.