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Die Vernunft hat gesiegt: Birgit Justus darf endlich Behindertenparkplätze nutzen

Birgit Justus kann aufatmen: Sie darf endlich Behindertenparkplätze nutzen
kb. Fleestedt. Der Kampf hat sich gelohnt: Birgit Justus (44) aus Fleestedt, die seit Jahren schwer an Multipler Sklerose (MS) erkrankt ist, wurde endlich die Erlaubnis erteilt, Behindertenparkplätze zu nutzen. Über ein Jahr lang hat die Mutter zweier Kinder um die Anerkennung von 80 Prozent Schwerbehinderung und den Eintrag "aG" (außergewöhnliche Gebehinderung) in ihrem Schwerbehindertenausweis gekämpft (das WOCHENBLATT berichtete). Immer wieder musste sie ärztliche Bescheinigungen einreichen, endlose Telefonate führen, Widersprüche einlegen.
Jetzt hat das Amt endlich ein Einsehen. "Rückwirkend zum 12. September 2012 wurde mir ein 100-prozentiger Grad der Behinderung und das Merkzeichen 'aG' zugestanden", so Birgit Justus erleichtert. "Am glücklichsten macht mich die Tatsache, dass ich jetzt nichts mehr mit den Behörden zu tun haben muss", sagt sie weiter.
Die an MS-Erkrankte kann sich im Haus nur noch mit dem Rollator fortbewegen, außerhalb der eigenen vier Wände ist sie auf den Rollstuhl angewiesen. Warum ihr das Versorgungsamt Lüneburg dennoch so lange den wichtigen Eintrag "aG" verweigerte, bleibt Birgit Justus ein Rätsel. Zuletzt wurde ihr Verfahren beim Niedersächsischen Landesamt für Soziales, Jugend und Familie in Hannover bearbeitet. Doch auch dort konnte man sich nicht zu einer schnellen Entscheidung durchringen, schickte die Fleestedterin stattdessen noch einmal zu einem Gutachter in der Nähe von Lüneburg. "Das hat alles nur unnötige Kosten verursacht", ärgert sich Birgit Justus.
Wie wenig sich das Amt in ihre Lage versetzen konnte, wurde dann noch einmal beim Besuch des Arztes deutlich. Dessen Praxis war nicht barrierefrei. "Fahrer und Arzt mussten mich gemeinsam im Rollstuhl in die Praxis tragen", schüttelt Birgit Justus den Kopf.

Kommentar:

Warum nicht gleich so?

Zum Glück war Birgit Justus so hartnäckig und hat für ihr Recht gestritten. Viele andere in ihrer Lage hätten sich im Kampf mit den Behörden dem Bürokratie-Irrsinn geschlagen gegeben. Ist es das, womit die Verantwortlichen beim Versorgungsamt kalkulieren? Woraus speist sich die Motivation, einer Schwerkranken, die auf den Rollstuhl angewiesen ist, die Erlaubnis zu verwehren, Behindertenparkplätze nutzen zu dürfen? Diese Fragen werden wohl unbeantwortet bleiben. Fakt ist: Hätte sich nur einer der Sachbearbeiter Zeit genommen, sich einen persönlichen Eindruck von Birgit Justus zu machen, wäre ihm - wie auch mir - nach wenigen Augenblicken klar gewesen, dass sie dringend auf die Parkerlaubnis angewiesen ist. Kranke Menschen sollten ihre Kraft für sich und ihre Familien aufsparen können und nicht bei der Auseinandersetzung mit Paragrafen-Reitern vergeuden müssen.
Katja Bendig