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Stade: Gildebrüder suchen Verstärkung

Acht Gildebrüder schultern den Sarg. (Foto: Gilde/bc)
bc. Stade. Wer einmal in Stade oder Umgebung an einer Bestattung teilgenommen hat, kennt bestimmt die Sargträger in ihrer altertümlichen Kleidung: Dreispitz, Kniebundhosen, schwarzer Umhang mit weißer Drapierung und Schnallenschuhe. Die Brauerknechtsgilde der Stadt Stade kann auf eine mehr als 400-jährige Tradition zurückblicken (siehe Infokasten).
Jetzt suchen die Gildebrüder Verstärkung. Das Durchschnittsalter der zwölf Aktiven ist in den vergangenen Jahren rapide nach oben geschnellt. „Wir freuen uns über Interessierte, die sich mit dieser uralten und schönen Tradition identifizieren können“, sagt Geschäftsführer Joachim Preiß. Er selbst ist mit seinen 68 Jahren der Jüngste in der Gilde, der älteste hat bereits 80 Lenze auf dem Buckel.
Die Brauerknechtsgilde wird in Stade, aber auch in Teilen des Alten Landes und auf der Geest grundsätzlich bei Erdbestattungen angefordert. Sofern die Trauerfeier beendet ist, schultern acht Ehrenamtliche den Sarg und tragen ihn zur Grabstätte auf den Friedhof. Im Schnitt sind sie bei vier bis fünf Beerdigungen pro Woche dabei. „Es reicht, wenn unsere Gildebrüder eine normale körperliche Konstitution verfügen. Man muss nicht besonders stark sein, um den Sarg zu schultern“, sagt Joachim Preiß. Die einzige Bedingung: Interessierte müssten tagsüber Zeit haben. Denn die meisten Beerdigungen finden gegen Mittag statt.
Mitgliedsbeiträge gebe es keine, dafür werde umso mehr die Geselligkeit hochgehalten. „Wir sind ein eingeschworener Haufen, der sich auch außerhalb unserer eigentlichen Aufgabe hilft“, sagt Gildebruder Jürgen Möller. Die Gemeinschaft werde bei diversen Ausflügen und Festivitäten im Jahr gepflegt.
• Interessierte können sich unter Tel. 04144-5132 sowie 04141-64498 melden oder per E-Mail unter familypreiss@t-online.de.


Pest: Brauer galten als immun


Seit mehr als vier Jahrhunderten tragen die Brauerknechte in Stade die Toten der Stadt zu ihrer letzten Ruhe. Die Legende erzählt: Während einer der Pestepidemien wollte niemand mehr die Toten begraben. Da die Brauerknechte wegen der eingeatmeten Dämpfe beim Brauen und wegen ihres Bierkonsums als immun galten, mussten sie ran. Durch ihren Einsatz wurde Stade von der Pest befreit. Das offizielle Gründungsjahr ist 1604. Auch wenn es in Stade schon lange keine echten Brauerknechte mehr gibt, führen die Gildebrüder die schöne Tradition fort.