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Flurkommode als Nadelöhr

Jürgen Cordes zeigt Barbara Cramer in Prospekten, wie sie ihr Bad seniorengerechter gestalten kann
 
Tägliche Gebrauchsgegenstände hat Barbara Cramer so in ihren Schränken positioniert, dass sie sich beim Ein- und Ausräumen nicht bücken muss

Ehrenamtliche Wohnberater helfen beim seniorengerechten Einrichten

sb. Stade. "Was kann ich tun, um möglichst lange in meiner Wohnung leben zu können?" Diese Frage stellt sich vielen Senioren, wenn das Treppensteigen mühsam wird oder sich andere Handicaps einstellen. Auch Barbara Cramer (73) aus Stade möchte noch viele Jahre in ihrer Mietwohnung in der Altstadt bleiben. Deshalb ließ sie ihr Zuhause von einem ehrenamtlichen Wohnberater des Seniorenservicebüros Landkreis Stade unter die Lupe nehmen. Das WOCHENBLATT war bei dem Ortstermin dabei.
Seit Mai vermittelt Sylvia Pankop vom Seniorenservicebüro Landkreis Stade ehrenamtliche Wohnberater. Diese besuchen Senioren daheim und geben Tipps, wie man die Räume den Bedürfnissen ihrer Bewohner anpassen kann. Gezahlt wird dafür lediglich eine geringe Aufwandsentschädigung. "Viele Veränderungen sind einfach und schnell umgesetzt", sagt Sylvia Pankop. "Nicht immer muss alles neu angeschafft werden."
Die Altbauwohnung von Barbara Cramer wurde von Wohnberater Jürgen Cordes (60) besichtigt. Der Ingenieur und Pensionär suchte zunächst mit der Seniorin das Gespräch und ermittelte Wohnbedürfnisse und Wohngegebenheiten. Unter anderem erfuhr er, dass Barbara Cramer vor zwei Jahren eine große Rückenoperation hatte und Schwierigkeiten beim Bücken hat. "Deshalb habe ich den Inhalt meiner Schränke schon vor Jahren so umgeräumt, dass die Dinge des täglichen Bedarfs in mittlerer Höhe und somit gut greifbar sind", erzählt die ehemalige Lehrerin.
Zufrieden zeigte sich Jürgen Cordes mit der Tischhöhe und den bequemen Stühlen mit Armlehne im Wohn-Esszimmer. Er wies Barbara Cordes jedoch darauf hin, dass die Teppiche und Teppichbrücken im Wohnbereich schnell zur gefährlichen Stolperfalle werden können. "Noch sind Sie mobil und haben einen sicheren Gang, die Gefahr ist dadurch jedoch nicht gebannt", sagt er. Zudem wies Cordes auf die Möglichkeit eines Hausnotrufsystems hin. Das Handy mit Notruftaste im Schrank nütze wenig, wenn man im Bad gestürzt sei.
Positiv fiel dem Wohnberater die gute Beleuchtung in der Wohnung auf. Verbesserungswürdig befand er die Möblierung im Flur. "Der Schuhschrank macht den Durchgang zu Bad und Schlafzimmer noch enger, an der Ecke dieser Kommode kann man sich leicht stoßen", bemerkte der Fachmann.
Leider weist die Altbauwohnung von Barbara Cramer auch Probleme auf, die nicht so leicht zu beheben sind wie das Verrücken eines Möbelstücks. Dazu gehören schiefe Böden sowie zwei Türschwellen, eine davon mit knapp zwölf Zentimetern außergewöhnlich hoch. Problematisch werden kann auch das Treppenhaus mit relativ schmalen Stufen sowie die drei Stufen ohne Geländer vor dem Hauseingang. "Bei baulichen Veränderungen muss stets Rücksprache mit dem Vermieter gehalten werden", sagt Jürgen Cordes. "Und viele Maßnahmen für eine seniorengerechte Wohnraumgestaltung sind so aufwendig oder kostspielig, dass oft nur noch ein Umzug in Frage kommt."
Barbara Cramer hat aus der Beratung viel gelernt. Kleine Veränderungen wie zusätzliche Haltegriffe im Bad wird sie in Erwägung ziehen. "Sollte ich mich jedoch in ein paar Jahren nicht mehr so fit fühlen, werde ich mir wahrscheinlich eine andere Wohnung suchen müssen", sagt sie.
• Nähere Infos zur Wohnberatung bei Sylvia Pankop unter Tel. 04141 - 92 77 13.