Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

„Ich werde mich nicht verändern!“ - Rainer Rempe ist seit Montag Landrat / Im WOCHENBLATT-Interview spricht er über Ziele und Herausforderungen

Rainer Rempe hatte am Montag seinen ersten Arbeitstag als Landrat
 
„Schuleinzugsbezirke müssen das letzte Mittel sein. In der Vergangenheit haben wir positive Erfahrungen damit gemacht, dem Elternwillen erste Priorität einzuräumen.“

Die Wahl zum Landrat hat Rainer Rempe (CDU) bereits Ende Mai gewonnen. Seit Montag ist er im Amt. Mit WOCHENBLATT-Redakteur Sascha Mummenhoff sprach er über seine ersten Amtshandlungen, Asylbewerber, das Heidewasser und die Einführung von Schulbezirken.

Seit Montag sind Sie Landrat. Können Sie einen Unterschied zu Ihrer vorherigen Position als Erster Kreisrat feststellen?
Rainer Rempe: „Erst einmal freue ich mich, diese verantwortungsvolle Aufgabe anzutreten. Da ich als allgemeiner Vertreter meines Vorgängers Joachim Bordt bereits acht Jahre lang Erfahrungen sammeln konnte, weiß ich in vielen Punkten, was auf mich zukommt. Ich freue mich besonders auf die neuen Aufgaben und Gestaltungsmöglichkeiten.“

Was war am Montag Ihre erste Amtshandlung?
Rempe: „Wichtig war mir, sofort den direkten Kontakt zu meinen Mitarbeitern aufzunehmen. Deshalb habe ich für Mittwoch zu einer ersten Mitarbeiterversammlung eingeladen.“

Welche Themen, die Sie schon als Erster Kreisrat auf Ihrer Agenda hatten, werden sie auch als Landrat verantwortlich begleiten?
Rempe: „Als Landrat liegen mir die wichtigen Zukunftsthemen am Herzen. Sowohl die wirtschaftliche Entwicklung als auch die zentralen Fragen der Infrastruktur auf Straße und Schiene werde ich eng begleiten. Natürlich möchten wir zukünftig ein noch attraktiverer Wohn- und Arbeitsstandort insbesondere für junge Familien werden. Dazu gehört neben guten Kinderbetreuungs- und Schulangeboten auch die Sicherstellung einer umfassenden Gesundheitsversorgung.“

Welches Thema wollen Sie als erstes angehen?
Rempe: „Mit unserer Verkehrskonferenz im Mai haben wir bereits ein wichtiges Thema in den Mittelpunkt des Interesses gerückt. Die große Verkehrsbelastung muss durch gute Absprache und Koordination so gering wie möglich gehalten werden. Gleichzeitig müssen die Nahverkehrsangebote auf der Schiene insbesondere von und nach Hamburg verbessert und eine weitere Beeinträchtigung unserer Landschaft durch zusätzliche Schienenneubaustrecken verhindert werden. Hier treten wir nach wie vor für die Umsetzung der alten Planung der Y-Trasse ein.“

Die Kreishaus-Mitarbeiter kennen Sie als Ersten Kreisrat. Glauben Sie, dass Sie sich als Landrat verändern werden?
Rempe: „Ich gehe nicht davon aus, dass meine neuen Aufgaben mich als Mensch verändern werden.“

Das Thema Asylbewerber bestimmt zurzeit die Schlagzeilen?
Rempe: „Die Zahl der Flüchtlinge, die zu uns in den Landkreis kommen, steigt stark an. Wir alle - Landkreis und Gemeinden - haben die gemeinsame Verantwortung, die Unterbringung und Betreuung dieser Menschen sicherzustellen. Wir stehen dazu im engen Dialog mit den Gemeinden und werden diesen in den nächsten Wochen und Monaten weiter intensivieren.“

Werden Sie einen neuen Vertragsabschluss mit Hamburg Wasser bezüglich der Heidewasser-Förderung forcieren?
Rempe: „Hamburg Wasser beantragt beim Landkreis als unterer Wasserbehörde eine wasserrechtliche Zulassung für die Förderung von Wasser in der Nordheide. Wir rechnen damit, die vollständigen Antragsunterlagen im Oktober zu erhalten. Den Antrag werden wir in einem gesetzlich geregelten Verfahren unter Beteiligung der Öffentlichkeit, der Naturschutzverbände und anderer Fachbehörden mit der nötigen Gründlichkeit bearbeiten.“

Einigen Schulen droht die Schließung, während in der Nähe teure Neubauten entstehen.
Rempe: „Ein vielfältiges und qualitativ hochwertiges Schulangebot ist eine Voraussetzung zur Sicherung der Entwicklungsperspektiven unserer Gemeinden. Insofern war es notwendig, hier zu investieren. Wir müssen in den kommenden Jahren aber auch verstärkt ein Auge auf die Auslastung unserer Schulen haben.“

Sind Schuleinzugsbezirke eine Lösung?
Rempe: „Schuleinzugsbezirke müssen das letzte Mittel sein. In der Vergangenheit haben wir positive Erfahrungen damit gemacht, dem Elternwillen erste Priorität einzuräumen.“

Der Landkreis Harburg gilt als einer der reichsten Deutschlands. Was wollen Sie machen, damit das so bleibt?
Rempe: „Der Landkreis ist nicht nur einer der reichsten, sondern auch einer der Kreise, in denen sich die Menschen deutschlandweit am wohlsten fühlen. Um dies zu erhalten, müssen wir dafür sorgen, dass wir ein attraktiver Wirtschaftsstandort bleiben und sich die Zahl der Arbeitsplätze erhöht. Dafür gilt es, bessere Rahmenbedingungen zu schaffen: Etwa durch den Ausbau einer flächendeckenden Breitbandversorgung, die Ausweisung von Gewerbegebieten und die Förderung unserer kleinen und mittelständischen Unternehmen. Der Ausbau unserer Kultur-, Tourismus- und Naherholungsangebote spielt ebenfalls eine wichtige Rolle.“