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Die "Boing"-Testerin

Sara Buchheister mit Kapitän Helmut Faber
 
Höchste Konzentration beim Start: WOCHENBLATT-Reporterin Sara Buchheister bei ihrer ersten Flugstunde
bs. Winsen. Es ist dunkel und erdrückend eng im Cockpit des Großraumfliegers Boeing 737. Am Horizont zeichnet sich die tiefrote, untergehende Sonne in drei kleinen Fenstern ab. Etwas aufgeregt lasse ich mich auf dem Sitz des Flugkapitäns nieder und ein mulmiges Gefühl kommt auf: Was erwartet mich die kommenden 20 Minuten?
Gut, dass er neben mir sitzt: Helmut Faber (46), mein Co-Pilot. Und dennoch: Hunderte Elemente für Steuerung, Navigation und Kommunikation wollen in den folgenden Minuten von mir bedient werden, schließlich ist es als Kapitän meine Aufgabe, den rund 80 Tonnen schweren und circa 40 Meter langen Riesenflieger sanft zum Abheben zu bewegen.
Gebannt schaue ich auf die Startbahn, die vor mir liegt. "Bei circa 300 km/h heben wir ab, den Knüppel dafür langsam nach hinten ziehen", erklärt mir Faber von der Seite. "Einfach" denke ich, ist es aber nicht. Schließlich will der Urlaubsflieger ja auch einigermaßen im Gleichgewicht gehalten werden, meine 180 "Passagiere" sollen sich nicht in ihren Sitzen festkrallen müssen. Angestrengt versuche ich mich in die Dynamik der Boeing einzufühlen und nach scheinbar endlosen Minuten erreichen wir die erforderliche Reise-Flughöhe von 10.000 Meter. "Langsam in die Waagerechte bringen", ruft mir Faber zu. "O.k.", denke ich, noch immer von meiner Flugtauglichkeit überzeugt, bis Faber hektisch eingreift. "Das war doch etwas zu viel des Guten", lacht er. "Wir befinden uns schon fast wieder im Senkflug, Kapitän".
Ich bin froh, mich nicht in einer echten Maschine zu befinden. Und dennoch: Das Szenario wirkt erschreckend real. Kein Wunder, denn es handelt sich um einen orginalgetreuen Ausbildungssimulator, welcher dem Boeing 737-Cockpit maßstabsgenau nachbegebaut ist.
Zum zehnjährigen Jubiläum des Einkaufszentrums Luhe Park hatte sich das Winsener Reisebüro "Sonnenreisen" diese Aktion für seine Kunden ausgedacht. "Vor einigen Jahren noch lernten Pilotenanwärter ihr Handwerk in diesem Simulator. Neu kostet eine Maschine dieser Art rund 2,6 Millionen Euro", so Helmut Faber, der der Inhaber der Buchholzer "Luftschiffvermietung" ist. "Ich bin selber ausgebildeter Kommandant, fliege aber nur noch meine Pflichtstunden und bin mit dem Simulator mehr auf Messen unterwegs", erklärt mir der echte Kaptän weiter.
Ein ohrenbetäubendes Geräusch versetzt mich erneut in helle Aufregung und unterbricht unsere Unterhaltung. "Oh Gott, was war das denn?" Ängstlich schaue ich zum Co-Piloten rüber. "Ich habe das Fahrwerk für Sie eingefahren, das hätten Sie bereits kurz nach dem Start erledigen müssen", schmunzelt Faber. "Aber machen Sie sich keine Sorgen, das passiert nicht nur Ihnen."
Ich mache mir aber Sorgen, vor allem in Anbetracht der bevorstehenden Landung. "Kann das der Bordcomputer nicht alleine machen? Schließlich hört man doch immer, dass vieles gar nicht mehr manuell gesteuert werden muss", versuche ich mich aus der Affaire zu ziehen. "Das könnte er. Bei Seitenwind oder Ähnlichem muss aber immer der Kapitän ran. Daher werden Starts und Landungen in der Regel vom Kapitän durchgeführt", so Faber weiter. Es bleibt mir also nichts anderes übrig: Augen zu und durch. "Das Baby bringen wir schon runter", denke ich mir und schaffe ohne Zwischenfälle auch noch die Landung. Erleichtert steige ich aus dem Cockpit.
Mein Fazit: "Ready for take off" bin ich noch lange nicht! Und allen Albernheiten zum Trotz: Dem Piloten meines nächsten Urlaubsfliegers ist mein Applaus sicher.