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"Nicht zu Ende gedacht"

Setzen sich für den Erhalt der Horte ein (v. li.): Jana Gozemba, Christine Glawe und Gylem Cosgun (Foto: thl)

Eltern gehen gegen die Hort-Schließungspläne der Stadt auf die Barrikaden

thl. Winsen. Die Stadt Winsen will das Hortangebot auslaufen lassen, weil es seit der Einführung der Ganztags-Grundschule angeblich nicht mehr rentabel ist (das WOCHENBLATT berichtete). Der zuständige Fachausschuss soll in seiner Sitzung am kommenden Donnerstag, 22. Februar, nun festlegen, dass im Hort an der Roten-Kreuz-Straße ab sofort keine Neuanmeldungen mehr angenommen werden. Die anderen Horte in der Kernstadt und in den Ortsteilen sollen für das Kita-Jahr 2018/19 letztmalig Anmeldungen entgegennehmen können, sodass das Angebot zum bis zum Ende des Kita-Jahres 2019/20 läuft und die Horte spätestens dann aufgelöst werden.
Doch jetzt gehen die Eltern auf die Barrikaden. "Das ist ein Ding der Unmöglichkeit. Wir bezweifeln, dass die Stadt ihre Hausaufgaben gemacht und alle Argumente für und gegen Horte abgewogen hat", sagen Christina Glawe, Jana Gozemba und Gylem Cosgun. Die drei betroffenen Mütter haben in den Schulen und Kindertagesstätten eine Unterschriftenaktion zum Erhalt der Horte gestartet. Die Listen sollen am kommenden Dienstag, 20. Februar, an Verwaltungsvize Christian Riech übergeben werden.
Größte Kritikpunkte der Eltern sind die Qualität der Betreuung und die Betreuungszeiten. "Ich hatte mein Kind in der Ganztagsschule. Dort wurde es aber nur 'verwahrt'", sagt Gylem Cosgun. Eine Aussage, die Jana Gozemba bestätigen kann. Christina Glawe weist auf die Betreuungszeiten hin: "Mein Mann und ich sind beide in Vollzeit berufstätig und benötigen im Schnitt eine Betreuung bis 17 Uhr." Die Ganztagsschule ende montags bis donnerstags aber um 15.30 Uhr und freitags bereits um 13 Uhr. Zwar gebe es die Möglichkeit, die Kinder anschließend in eine weitere Betreuung eines freien Trägers zu geben, doch das sei nicht "das Gelbe vom Ei". Glawe: "Erstmal ist dort am Freitag auch um 15.30 Uhr Feierabend, womit die Kinder danach auf sich allein gestellt wären. Und dann müssen die Kinder zwischen den Einrichtungen pendeln und sich laufend an neue Aufpasser gewöhnen."
Ein weiterer Knackpunkt sei die Ferienbetreuung. "Viele Eltern haben keine ausreichenden Urlaubstage, um eine Betreuung über den gesamten Ferienzeitraum sicherzustellen", sagt Glawe. Im Hort gebe es eine liebevolle Ferienbetreuung. Zudem würden die Einrichtungen ihre Schließzeiten an die der Kindertagesstätten anlehnen und somit in den Sommerferien drei Wochen und zu Weihnachten eine Woche schließen. "Diese Zeiten kann man planen und dann selbst Urlaub nehmen", fso die drei Frauen.
Sie widersprechen auch der Aussage der Stadt, dass die Nachfrage nach Hortplätzen gesunken sein soll. "Dann müssten ja Plätze frei sein. Wir haben für unsere Kinder aber nur unter äußerst schwierigen Umständen und nach langem Warten einen Platz bekommen", so die Frauen. Zudem wüssten sie auch von anderen Eltern, dass diese lieber auf den Hort als auf den Ganztag setzen würden. Für 2018 gebe es 135 Neuanmeldungen gegenüber 79 frei werdenden Plätzen, sagen sie.
"Was sollen Eltern machen, die auf die Betreuung angewiesen sind?", fragt Christina Glawe. "Soll ein Elternteil nur noch Teilzeit arbeiten und damit finanzielle Einbußen hinnehmen? Oder sollen wir weg aus Winsen in die Nähe zu den Großeltern ziehen, damit eine Betreuung der Kinder sichergestellt ist?" Für Jana Gozemba, Gylem Cosgun und Christine Glawe ist klar: "Werden die Horte abgeschafft, verliert die Stadt ein Stück Attraktivität für Familien, die in und um Hamburg einen Job gefunden und sich für ein Leben in der Kleinstadt entschieden haben. Zumindest so lange, bis die Betreuung in der Ganztagsschule sich qualitativ der im Hort angepasst hat."