Hans-Ludwig Hennig geht in den Ruhestand
"Ein Schulleiter ist mehr ein Vorstandsvorsitzender"

Hans-Ludwig Hennig war nach Joachim Holzhäuser und Peter Illichmann erst der dritte Schulleiter am AEG seit 1966
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  • hochgeladen von Oliver Sander

os. Buchholz. Er hat tausende Schüler auf ihrem Weg zum Abitur begleitet, jetzt verlässt Hans-Ludwig Hennig (65) selbst die Schule: Nach 18 Jahren am Buchholzer Albert-Einstein-Gymnasium (AEG) geht der Leiter in den Ruhestand. Verabschiedet wird Hennig bei einer Feier am kommenden Freitag, 28. Juni.
Geboren wurde Hennig in Moringen bei Göttingen. Dort studierte er, sein Referendariat absolvierte er in Wilhelmshaven. Im Jahr 1981 unterbrach er eine Reise in Nordamerika, um ein Bewerbungsgespräch für seine erste Lehrerstelle in Buchholz zu führen. Er war erfolgreich und arbeitete sechs Jahre am Gymnasium am Kattenberge (GAK). 1987 wechselte er für vier Jahre in die finnische Hauptstadt Helsinki, kehrte dann wieder zurück ans GAK, um von 1997 bis 2001 erneut im Ausland zu arbeiten - auf der Kanareninsel Teneriffa. Dort wollte er eigentlich länger bleiben, doch als im Jahr 2001 die Leiterstelle am AEG freiwurde - Peter Illichmann schied damals nach 28 Jahren aus -, bewarb sich Hennig und wurde genommen.
In den vergangenen Jahren hat sich die Schullandschaft und damit auch das AEG erheblich verändert. Das äußert sich nicht nur in den Schülerzahlen - von damals rd. 600 ist diese auf heute mehr als 1.200 gestiegen. Auch der Arbeitsalltag des Schulleiters hat sich rapide geändert - vom Pädagogen hin zum Manager. "Ein Schulleiter ist heute eher mit einem Vorstandsvorsitzenden eines großen Unternehmens zu vergleichen", betont Hennig. Das habe Mitte der 2000er Jahre begonnen mit dem Übergang einer durch die Bezirksregierung zentral verwalteten Schule zur eigenverantwortlichen Schule. "Früher waren wir eher Befehlsempfänger, plötzlich ergaben sich enorme Gestaltungsspielräume, um sein eigenes Schulprogramm durchzusetzen", erinnert sich Hennig.
Für Hennig bedeuteten die Veränderungen, dass er sich nach und nach aus seiner Lehrertätigkeit als Mathe-, Erdkunde- und Informatiklehrer zurückziehen musste. "Als Schulleiter muss ich mit überlegen, in welche Richtung sich der Laden entwickeln soll", sagt er. Da bleibe keine Zeit mehr für viele Lehrerstunden. Die letzten beiden Jahren unterrichtete er überhaupt nicht mehr.
Stattdessen muss er sich um andere Dinge kümmern. Zuletzt verwendete er 30 bis 40 Prozent seiner Zeit darauf, Probleme zwischen Schülern zu erfassen und zu lösen. "Dieser Bereich macht überhaupt keinen Spaß", sagt Hennig. Er gleiche einer Polizeiarbeit: Bei Streitigkeiten müssen die beteiligten Schüler ermittelt und befragt werden, eventuelle Zeugen ausfindig gemacht werden, die Eltern benachrichtigt werden und eine Konsequenz des Handelns formuliert werden. Die Probleme würden weiter zunehmen, befürchtet Hennig: "Die Zahl der auffälligen Kinder hat stark zugenommen." Ihre Betreuung sei überaus ressourcenfressend. "Viele Kinder sind schlecht oder gar nicht erzogen, stehen ständig unter Strom oder haben Aufmerksamkeitsdefizite", berichtet der scheidende Schulleiter. Als Konsequenz wird das AEG künftig auf Lehrertandems in den Klassen setzen. Alleine könne ein Klassenlehrer das anfallende Pensum außerhalb des Unterrichts kaum noch bewältigen. Als wichtige Stützen bei Problemlösungen stünden zum Glück die Schulsozialarbeiterinnen mit insgesamt 46 Wochenstunden zur Verfügung.
Ein weiteres Problem sieht Hennig in der zunehmenden Zahl von Schülern, die von den Eltern aufs Gymnasium geschickt werden, obwohl sie dort nichts zu suchen haben. Das Problem habe sich seit dem Wegfall der Schulempfehlungen verschärft. "Damit entfällt ein Regulativ, was uns das Leben später schwer macht", betont Hennig. "Die Ansteuerung der richtigen Schule ist in vielen Fällen nicht mehr gegeben." Dadurch werde das Niveau abgesenkt. Als Beispiel nennt er den aktuellen Abiturjahrgang, bei dem sich gleich zwölf Schüler einer Nachprüfung stellen müssen: "Das hatten wir noch nie."
In seiner Zeit am AEG erinnert sich Hennig besonders gerne an das Indienprojekt, das er nach der Tsunami-Katastrophe gemeinsam mit Martin Cherian von der Deutsch-Indischen Gesellschaft initiierte. Mehrfach reisten Projektgruppen aus Schülern und Lehrern in die Provinz Kerala, um an der Partnerschule Spenden zu übergeben, z.B. für den Hausbau für bedürftige Familien. Später schlossen sich das Luhe-Gymnasium in Winsen und das Gymnasium in Hittfeld der Reisegruppe an. Mittlerweile sind die Reisen eingestellt, Spenden werden aber immer noch nach Kerala überwiesen.
Für Hans-Ludwig Hennig und seine zweite Frau Birgit, die zum erweiterten Schulleitungsteam des Gymnasiums Hittfeld gehört und jetzt ebenfalls in den Ruhestand gehen wird, beginnt nun ein neuer Lebensabschnitt. "Wir werden uns gemeinsam neu orientieren", erklärt Hans-Ludwig Hennig. Was genau das sein wird, stehe noch nicht fest: "Es wird aber eine Tätigkeit mit Menschen sein und auf keinen Fall etwas mit Schule oder Nachhilfe", erklärt Hennig schmunzelnd.
• Die offizielle Bestätigung liegt jetzt vor: Nachfolger von Hennig als AEG-Leiter wird der derzeitige AEG-Koordinator, Studienrat Andreas Wolff.

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