Den Schlaganfall nicht unterschätzen
Häufig ist eine verengte Halsschlagader der Auslöser/ Eingriff im Krankenhaus Buchholz schützt

Das Carotisboard mit (v.li.) Dr. Felix Butscheid, Dr. Holger Diener, Dr. Klaus Hertting und PD Dr. Oliver Wittkugel
  • Das Carotisboard mit (v.li.) Dr. Felix Butscheid, Dr. Holger Diener, Dr. Klaus Hertting und PD Dr. Oliver Wittkugel
  • Foto: Krankenhaus Buchholz
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Häufig unterschätzt, doch in jedem vierten Fall tödlich und für viele, die ihn überleben, die Ursache einer lebenslangen Behinderung: der Schlaganfall. In den Krankenhäusern Buchholz und Winsen stehen Spezialabteilungen, Stroke Units, bereit, die Betroffene zeitnah behandeln. Auf diese Weise kann der Schaden begrenzt und ein weiterer Schlaganfall vermieden werden.
Meist geschieht es ohne jegliche Vorwarnung: Plötzlich kribbelt es im Arm, die Worte fehlen, was die anderen sagen, kann nicht mehr verstanden werden. Jetzt einfach abzuwarten ist die falsche Strategie. Denn „das können die Symptome eines leichten Schlaganfalls sein“, warnt Dr. Felix Butscheid, Chefarzt der Neurologie im Buchholzer Krankenhaus.
Der leichte Schlaganfall, den Ärzte TIA (Transitorische ischämische Attacke) nennen, ist ein Alarmruf des Körpers, der anzeigt, dass etwas nicht stimmt. Gerade in der ersten Woche danach sind die Betroffenen hoch gefährdet, einen zweiten Schlaganfall zu erleiden, bei dem es dann in der Regel nicht mehr so glimpflich abgeht. Nach einer TIA ist es deshalb in jedem Fall ratsam, sich in ein spezialisiertes Krankenhaus zu begeben. Denn nur dort können Ärzte die Ursachen feststellen, die Auslöser beseitigen und so vermeiden helfen, dass das Ereignis erneut auftritt. Aktuelle Forschungsergebnisse eines Wissenschaftlerteams der Universität Würzburg bestätigen, dass eine TIA nicht auf die leichte Schulter genommen werden sollte: Fast jeder fünfte Patient erleidet demnach in den ersten fünf Jahren nach dem ersten Schlaganfall einen zweiten und rund die Hälfte der Betroffenen stirbt daran, so die Studie.
Die meisten Schlaganfälle (rund 80 Prozent) werden durch eine akute Durchblutungsstörung im Gehirn ausgelöst („Hirninfarkt“), zwanzig Prozent durch eine Blutung im Gehirn. Ursache für Durchblutungsstörungen ist meist Atherosklerose: In den Blutgefäßen bilden sich Plaques, das sind Ablagerungen aus Fett und Kalk, die die Gefäße verengen und Entzündungszellen anlocken. Blutgerinnsel entstehen, von denen Teile abreißen und mit dem Blutstrom ins Gehirn wandern können. Dort blockieren sie die Blut- und Sauerstoffversorgung der Gehirnzellen, die nach kurzer Zeit unwiederbringlich absterben.
Zu den Risikofaktoren, die einen Schlaganfall begünstigen, gehören Bluthochdruck, Diabetes, Übergewicht und hohe Cholesterinwerte, oft eine Folge von Bewegungsmangel, Rauchen, häufigem Alkoholgenuss und vitalstoffarmer, fettreicher Ernährung. Auch Herzrhythmussstörungen spielen eine Rolle, denn sie fördern die Entstehung von Blutgerinnseln.
Mit der Hilfe von Computertomographie, Ultraschall und Magnetresonanztomographie (MRT) kommen die Ärzte in den Krankenhäusern Buchholz und Winsen den Engstellen im Gefäßsystem auf die Spur. Häufig stellen sie fest, dass die Halsschlagadern (Carotiden) verengt sind. In einem Carotisboard, einem Expertengremium, dem neben Dr. Butscheid auch Dr. Anne Menke, Leitende Oberärztin der Neurologie, Dr. Holger Diener, Chefarzt der Gefäßchirurgie, Dr. Klaus Hertting, Chefarzt der Angiologie, und der Neuroradiologe PD Dr. Oliver Wittkugel angehören, beraten sie über die individuell optimale Therapie.
Um eine Wiederholung des Schlaganfalls zu verhindern, ist es oft nötig, dass die Halsschlagadern saniert werden. Dazu stehen zwei Techniken zur Verfügung: die Operation, bei der Dr. Diener die verengte Halsschlagader auftrennt, die Ablagerungen manuell ausschält und die schadhafte Gefäßwand durch einen Patch ersetzt. Die zweite Option ist ein Kathetereingriff, den Dr. Wittkugel oder Dr. Hertting durchführen: Durch die Leiste wird unter ständiger Röntgenkontrolle ein Katheter in das Gefäßsystem eingeführt und bis zur Halsschlagader vorgeschoben. Durch den Katheter wird dann ein Stent eingebracht, der sich in der Halsschlagader wie ein Regenschirm entfaltet und das verengte Blutgefäß von innen heraus wieder aufweitet.
Der Eingriff an der Carotis wird nach akuten Schlaganfällen möglichst zeitnah durchgeführt. Bis dahin wird der Patient mit blutverdünnenden Medikamenten versorgt. Die Behandlung der Halsschlagader, die bei guter Gesamtkonstitution bis ins hohe Alter möglich ist, wird rund 40 Mal im Jahr im Krankenhaus Buchholz durchgeführt und kann auch als Präventivmaßnahme sinnvoll sein. Nämlich dann, wenn der Patient sich noch gesund fühlt, aber bereits eine deutliche Verengung der Halsschlagadern hat, die beispielsweise bei einer Vorsorgeuntersuchung entdeckt wurde. Dr. Anne Menke im Krankenhaus Buchholz untersucht Patienten in ihrer ambulanten Sprechstunde und berät sie, ob eine Sanierung der Carotiden möglich und sinnvoll ist.

Autor:

Axel-Holger Haase aus Buchholz

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