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"Mir waren da zu viele Selbstdarsteller"

Streitbarer Bürger: Necdet Savural
 
Sorgt für Kritik: Statt direkter Streitgespräche gab es bei der Islamkonferenz Podiumsdiskussionen mit anschließender Fragerunde (Foto: Savural)

CDU-Kreispolitiker Necdet Savural nahm an der Islamkonferenz in Berlin teil

(os). Für Necdet Savural (66) steht fest, dass die Islamkonferenz in Berlin kein großer Erfolg war: "Mir waren da zu viele Selbstdarsteller, sehr viele waren von sich selbst eingenommen", sagt der Unternehmer und CDU-Kreistagsmitglied aus Brackel (Landkreis Harburg). Savural gehörte zu den rund 240 Teilnehmern, die in der vergangenen Woche in der Bundeshauptstadt zwei Tage lang über die Herausforderungen beim Engagement für ein gelungenes Miteinander von Muslimen in Deutschland untereinander sowie zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen diskutierten. Savurals Fazit ist eher pessimistisch: "Man hat deutlich gesehen, wie zerstritten die muslimischen Verbände untereinander sind. Wenn sie nicht lernen aufeinander zuzugehen, sind die Ziele der Islamkonferenz für ein gutes Miteinander nicht erreichbar."
Der gebürtige Türke Savural war über den Deutschen Städte- und Gemeindebund (als einer von bundesweit nur vier Bürgern) nach Berlin eingeladen worden - den Vorschlag hatte Hanstedt Samtgemeinde-Bürgermeister Olaf Muus unterbreitet. Dass bei der vierten Islamkonferenz neben Islamexperten und Vertretern von muslimischen Verbänden zum ersten Mal Normalbürger teilnahmen, wertet Savural als Schritt in die richtige Richtung. "Aus meiner Sicht würde aber nur eine kontroverse Diskussion aller Beteiligten ohne Rücksicht auf Verluste zu einer Lösung bzw. Gemeinsamkeit in der Sache führen", betont der CDU-Politiker. In Berlin gab es stattdessen Diskussionsrunden mit wenigen Beteiligten, erst danach konnte das Publikum Fragen stellen.
Aus den Diskussionen nahm Necdet Savural mehr Fragen als Antworten mit. So sieht er den Vorschlag von Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralsrats der Muslime in Deutschland, bis Ende 2019 zwei Dutzend in Deutschland ausgebildete Imame in Moscheen zu platzieren, skeptisch. "Ich frage mich, wie das gehen soll", erklärt Savural. Mazyek repräsentiere nur einen Bruchteil der muslimischen Gesellschaft. Zudem stünden die Moscheen unter dem Einfluss der einzelnen muslimischen Verbände wie DITIB. Imame anderer Strömungen hätten überhaupt keine Chance, in anderen Moscheen eingesetzt zu werden. Deshalb gehe auch die Forderung von Dr. Aydin Süer, stv. Vorsitzender der Alhambra-Gesellschaft, man solle die Muslime nicht differenzieren, ins Leere: "Mein Eindruck war, dass sich die muslimischen Verbände von sich aus untereinander radikal differenzieren", sagt Savural. "Jeder pocht darauf, dass seine Auslegung des Islam die einzig richtige ist." Zudem sei ihm aufgefallen, dass viele Teilnehmer der Islamkonferenz Forderungen an die Politik stellten, es aber an jeglicher Selbstkritik hätten vermissen lassen.
Um zu einem Miteinander zu kommen, bedürfe es vieler kleiner Schritte, betont Necdet Savural. Besonders wichtig sei, dass jegliche Finanzierung muslimischer Verbände aus dem Ausland dringend abgeschafft werden müsse. "Das gilt nicht nur für Geld aus der Türkei, sondern auch aus dem Iran und Saudi-Arabien", so Savural. Erst wenn dass erreicht sei, werde in den Freitagspredigten nicht mehr das gepredigt, was aus anderen Ländern vorgegeben werde. Zudem müssten Moscheen, die die freiheitsrechtliche Grundordnung und das Grundgesetz in Deutschland nicht anerkennen, geschlossen und Hassprediger des Landes verwiesen werden, fordert Savural. Er wolle nicht, dass Hassprediger den Eindruck erwecken, dass nur der Islam der wahre Glaube sei. "Ich sehe das so: Um ein guter Moslem zu sein, muss ich erst ein guter Mensch sein", erklärt Savural.
Auch wenn er für sich entschieden habe, nie wieder an einer derartigen Konferenz teilzunehmen - auch weil Minderheiten wie Aleviten und gemäßigte, nicht praktizierende Muslime (sogenannte Mumin) nicht zu Wort kamen, findet Necdet Savural lobende Worte für die Organisatoren. So habe Markus Kerber, Staatssekretär im Bundes-Innenministerium, in brenzligen Situationen während einiger hitziger Diskussionen kühlen Kopf bewahrt und entscheidend deeskaliert. Und auch Bundes-Innenminister Horst Seehofer (CSU), nach den Querelen mit der CDU im Sommer "sicherlich nicht mein Lieblingspolitiker bei der CSU" (Savural), habe ihn mit den Worten überrascht: "Muslime gehören zu Deutschland, daran kann es keinen vernünftigen Zweifel geben!"