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Hast du dich jemals gefragt, wie sich die Online-Dating-Branche entwickelt hat und warum sie so aussieht, wie sie heute aussieht? Wenn dem so ist, warst du vermutlich der Meinung, dass sie erst im Jahrtausendwechsel entstanden ist. Doch damit liegst du völlig falsch.
Sehen wir uns die Entwicklungsstufen der Online-Dating-Branche in der Welt an. Beginnen wir von weit weg.

Von sehr weit her...

• 1695 — erscheinen in Großbritannien die ersten Zeitungsanzeigen, in denen alleinstehende Männer von sich erzählen und so versuchen, den perfekten Partner zu finden.

• 1727 — zum ersten Mal in der Geschichte konnte eine Frau eine Anzeige in der Spalte der Zeitung „Lonely Hearts“ aufgeben.

• 1800er — Aristokraten aller Couleur beteiligen sich an der Suche nach einem Seelenverwandten über Zeitungen. Gleichzeitig tauchen in diesem Bereich übrigens auch die ersten Betrüger auf, die die persönlichen Daten der Anzeigenverfasser für ihre eigenen Zwecke nutzen.

• 1900er — der Trend, ein Paar in den Zeitungen zu finden, weitet sich auf die Vereinigten Staaten aus. Vor allem unter alleinstehenden Landwirten, denen die Möglichkeit genommen wird, eine große Zahl potenzieller Partner „offline“ kennenzulernen.

• 1920er — ehemalige Soldaten des Ersten Weltkriegs suchen aktiv nach alten Armeekameraden und geben Suchanzeigen in lokalen Zeitungen auf.

An dieser Stelle denkst du wahrscheinlich, dass das alles nichts mit Online-Dating Online-Dating. zu tun hat.

Doch damit liegst du falsch. Denn das Prinzip der gleichen „Lonely Hearts“-Kolumnen wird in vielen modernen Dating-Anwendungen verwendet. Nur haben wir jetzt statt Zeitungen Programme für Smartphones.

Die wahre Geschichte des Online-Datings beginnt ein wenig später:
• 1959 — die Stanford-Studenten Jim Harvey und Phil Fialer entwickeln das Projekt „Happy Family Planning Services“. Sie verwenden einen Fragebogen mit einer Lochkarte und einem IBM 650 Computer. 49 Männer und 49 Frauen füllen den Fragebogen aus und der Computer versucht dann, die besten Paare zu bilden.

• 1965 — die Harvard-Studenten Jeff Tarr und Vaughan Morrill entwickeln die Idee von Harvey und Fialer weiter. Sie verwenden auch den Fragebogen und das leistungsfähigere IBM 1401 System. Die Hauptidee besteht darin, Studierende auf der Grundlage ihrer Ähnlichkeiten zusammenzubringen. Ihr Experiment erwies sich als sehr erfolgreich, in ein paar Jahren wurde die Technologie von mehreren Millionen Menschen genutzt.

• 1995 — wird die erste moderne Dating-Website der Geschichte, Match.com, gelauncht.
• 2000 — Dr. Neil Clark Warren gründet eHarmony, eine Online-Partnervermittlung, die sich auf das Finden von Paaren konzentriert, die am besten zueinander passen und wahrscheinlich eine lange und starke Beziehung führen werden.

• 2012 — erscheint eine der erfolgreichsten Dating-Apps Tinder, die auf dem Prinzip des Swipens basiert und ein Paar über die Geolocation findet. Von diesem Moment an gewinnt die Online-Dating-Branche maximalen Schwung.

In den darauffolgenden Jahren erlebte die Online-Dating-Branche nur wenige globale Veränderungen. Doch 2019-2020, als die Welt von der Coronavirus-Pandemie heimgesucht wurde und Offline-Dating sehr schwierig wurde, begann eine neue „Normalität“, bei der die gesamte Kommunikation über das Internet erfolgt. Und das ist einer der Hauptgründe für den aktiven Wandel und die Innovation bei den Dating-Anwendungen geworden. Aber was sind diese Veränderungen und sind sie wirklich etwas völlig Neues?

Statt eintöniger Fotos und langer Beschreibungen — kreative Videos

Tinder, eine der beliebtesten Dating-Apps der Welt, war eine der ersten, die den Weg der aktiven Veränderung eingeschlagen hat. Viele erinnern sich daran, dass Tinder im Jahr 2020 eine Videochat-Funktion einführte, die es den Nutzern erleichterte, sich innerhalb der Anwendung kennenzulernen und zu kommunizieren. Nach Tinder haben auch Bumble und Match eine ähnliche Funktion eingeführt.

Am 22. Juni 2021 kündigte Tinder die Einführung mehrerer neuer Funktionen an. Aber die wichtigste davon war die Möglichkeit, Videos anstelle von Fotos in das Profil einzufügen. Diese Neuerung ermöglicht es den Nutzern, besser über sich selbst zu erzählen, ihre eigene Kreativität zu zeigen und sich anschaulich zu präsentieren.

Die Partnervermittlung Hinge hat eine ähnliche Funktion eingeführt. Außerdem kannst du hier auf deinem Profil Videos aus beliebten sozialen Netzwerken posten — Instagram oder Facebook. Oder wähle einfach aus der Handy-Galerie und lade sie direkt herunter. Je nachdem, was für dich bequemer ist.
Das Interesse am Videoformat in Dating-Apps kam übrigens schon lange vor dem Coronavirus und der Quarantäne auf. Aktive Nutzer erinnern sich sicher daran, dass Tinder bereits 2018 die Funktion eingeführt hat, kurze Videos in Schleifenform hinzuzufügen. Damals erfreute sich die neue Funktion aber noch nicht großer Beliebtheit. Die Entwickler versuchten, die Nutzer irgendwie zu motivieren, Loops zu nutzen, indem sie ihnen 10% mehr Zustimmungs-Swipes gaben. Damals ließen sich die Entwickler von einer ähnlichen Funktion auf Instagram leiten, die bei Tinder jedoch schlechter umgesetzt wurde. Es war nicht möglich, direkt in der App ein Video für Loops zu drehen. Du musstest eine Menge unnötiger Aktionen durchführen, was nicht jedem gefiel.

Aber mit der Videochat-Funktion war die Situation völlig anders. Nur dieses Mal ließen sich die Entwickler von Tinder und anderen Dating-Apps nicht von Instagram, sondern von Omegle inspirieren. Das war im Allgemeinen auch die richtige Entscheidung.

Wie der Omegle-Video-Chat und seine Analoga die Online-Dating-Branche mehr als 10 Jahre nach Start verändert haben

Der Online-Chat Omegle wurde im Frühjahr 2009 eingeführt — lange vor Tinder und vielen seiner Analoga. Allerdings konnte man hier zunächst ausschließlich im Textchat kommunizieren, die Videokommunikation erschien erst sechs Monate nach dem Start. Aber das ist nicht so wichtig. Die Hauptsache ist, dass Omegle gezeigt hat, dass Internetnutzer gerne per Videokommunikation kommunizieren, was für sie bequem ist und einfach viele Möglichkeiten eröffnet, den Bekanntenkreis zu erweitern.

In der Folge gab es viele Alternativen zu  Omegle: den einfachen, aber funktionalen Videochat Chathub; den Chat mit Streams Bazoocam; die Seite mit thematischen Chaträumen und Suche nach Interessen Chatrandom; die Plattform mit geschlechtsspezifischen und geografischen Filtern OmeTV; den Chat CooMeet, der nur Männer mit Frauen verbindet, und viele andere.

Warum führen Dating-Apps gerade jetzt Videotelefonie-Funktionen ein und fügen Videos in ihre Profile ein?
Tatsache ist, dass zum Zeitpunkt des Erscheinens von Omegle und seinen Analoga das relativ schnelle Internet ausschließlich kabelgebunden war. Für viele war es völlig unzugänglich. Und von schnellem mobilen Internet und WLAN überall war keine Rede.

In Europa gibt es 3G-Netze erst seit 2003, allerdings nur in einer sehr begrenzten Zahl. In den meisten weniger entwickelten Ländern sogar erst ab 2015. Das heißt, bis zu diesem Zeitpunkt hatte die überwältigende Mehrheit der Menschen einfach nicht die Möglichkeit, per Videokommunikation über ein Smartphone zu kommunizieren. Jetzt, wo wir im Zeitalter von 4G und 5G leben, ist das elementar. Aber früher war selbst eine Nachricht in ICQ problematisch zu versenden.
Heutzutage gibt es Hochgeschwindigkeitsnetze auch weit außerhalb der Städte. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis die Liste der Dating-Apps mit Videofunktion erweitert wird.

Neu bei Dating-Apps mit Fokus auf Video
Die Einführung der Videogesprächsfunktion in beliebte Anwendungen ist ein neues, aber durchaus erwartetes Phänomen. In der modernen Realität bevorzugen viele Nutzer jedoch keine neuen Funktionen, sondern völlig neue Anwendungen. Und davon gibt es in letzter Zeit eine ganze Menge.

1. The Sauce — eine App, bei der die Nutzer kurze Videos statt Fotos hochladen. Ähnlich wie bei Tinder nach der Aktualisierung. Während Tinder aber immer noch die Möglichkeit hat, normale Fotos hochzuladen, können bei The Sauce nur Videos verwendet werden.

2. Jungle — einer der Newcomer auf dem Online-Dating-Markt mit mehreren interessanten Funktionen. Erstens hat es auch eine Video-Chat-Funktion, mit der du mit Leuten chatten kannst, die dich interessieren. Zweitens ist Jungle ideal, um Doppel- oder sogar Dreifach-Dates zu vereinbaren.

3. HILY — eine innovative Dating-App, deren Hauptmerkmal das maschinelle Lernen ist und mit dem HILY die Nutzer findet, die am besten zu dir passen. Es gibt hier auch eine Video-Chat-Funktion. Die Anwendung unterstützt außerdem Videostreams, was viele Nutzer begeistern wird.

4. Qemistry — eine Anwendung, die die Entwickler selbst TikTok für Dating nennen. Hier liegt der Schwerpunkt auf Videoinhalten, wobei das Video eines jeden Nutzers seine Präsentation ist. Die Qemistry-Anwendung hat einen Monat nach ihrem Start bereits mehr als 10 Tausend aktive Nutzer.

5. Thursday — eines der neuen Produkte des Jahres 2021. Die Anwendung läuft nur donnerstags, an den anderen Tagen ist es unmöglich, ein potenzielles Paar zu finden oder mit anderen Nutzern zu chatten. Anstelle von Swipes und Fotos werden Videos verwendet — kurze Präsentationen, in denen die Nutzer über sich selbst, ihre Interessen und Hobbys erzählen. Thursday gewinnt sehr schnell an Beliebtheit, aber bisher ist die App nur für Bewohner von New York und London verfügbar. Natürlich wird Thursday bald auf andere Städte und Länder ausgedehnt.

Dabei handelt es sich nicht nur um Smartphone-Anwendungen, die auf Videos setzen. Es besteht kein Zweifel, dass wir in den kommenden Monaten und Jahren viele weitere neue Dating-Plattformen sehen werden.

Was wird als nächstes passieren?
Die Betonung von Videotelefonie in Dating-Apps wird wahrscheinlich weiter an Zugkraft gewinnen. Ältere Formate wie Swipes sind nicht so effizient wie ursprünglich gedacht. Die Menschen wollen sich vor einem echten Date besser kennenlernen. Und dafür reichen ein paar Fotos in deinem Account und eine kurze Beschreibung in deinem Profil nicht aus.

Mit der rasanten Entwicklung der Internettechnologie ist der Videochat bald auch in den einfachsten und beliebtesten Dating-Apps verfügbar. Online-Videochats wie Omegle stehen nicht still und begeistern die Nutzer mit immer neuen Funktionen. Es gibt wahrscheinlich noch viele interessante Dinge, die vor uns liegen!

Autor:

Online Redaktion aus Buxtehude

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