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Jahresrückblick für Buxtehude: Von Rekordinvestitionen und Kahlschlägen

Da waren viele WOCHENBLATT-Leser entsetzt: Der Landkreis hat an den Bahngleisen beispiellos abgeholzt Fotos: archiv/tk/jd
 
Der Rat hat ein neues Hobby: Wer plaudert aus nicht-öffentlichen Sitzungen. Sprich: Such den Maulwurf
Das war das Jahr 2018 / Fast wäre ein Buxtehuder Bürgermeister geworden

tk. Buxtehude. Die ersten Tage des neuen Jahres liegen bereits hinter uns. Noch aber lohnt es sich, auf 2018 zurückzublicken. Eine kleine Auswahl aus Geschichten, die Buxtehude im vergangenen Jahr bewegt haben.

2018 geht als Rekordjahr in die Geschichtsbücher ein: Der Buxtehuder Rat hat bis zum Jahr 2022 ein Investitionsprogramm beschlossen, das bei rund 110 Millionen Euro liegt. Zum Ende des Jahres gab es noch einen dicken 10,5 Millionen Euro teuren Nachschlag, weil eine Sanierung der maroden Halle Nord wirtschaftlich unsinnig wäre und damit der Neubau besser ist. Als weitere große Investition stehen zudem Erweiterung und Sanierung der Halepaghenschule und des Schulzentrums Süd im Investitionsprogramm.

Das kürzeste Gastspiel an der Spitze der Stadtverwaltung hat Sophie Fredenhagen gegeben. Im Januar hatte sie als Fachbereichsleiterin für Jugend, Familie und Soziales angefangen und im Juni, zum Ende der Probezeit, wurde sie vom Rat entlassen. Der Grund: Fredenhagen hatte sich, mutmaßlich nur Tage nach ihrem Dienstantritt in Buxtehude, als Bezirksamtschefin in Harburg beworben. Politik und Verwaltung warfen ihr weniger Illoyalität als vielmehr mangelnden Einsatz für die Estestadt vor. Der Posten auf der Führungsebene ist noch immer unbesetzt und Fredenhagen hat nach einer wochenlangen Zitterpartie ihren Wunschjob in Harburg übernommen.

Für kritische Berichterstattung sorgte die Politik in diesem Jahr selbst: Nachdem im September aus dem nicht-öffentlichen Verwaltungsausschuss (VA) Informationen auf der Facebook-Seite der Buxtehuder Grünen landeten, setzte das ein, was das WOCHENBLATT die "Buxtehuder Maulwurfsuche" genannt hat. Wer hat geplaudert? Der Rat hatte tatsächlich ein richtiges Ermittlungsverfahren beschlossen. Das Ergebnis steht noch aus. Weil es nun einmal die Aufgabe der Presse ist, darüber zu berichten, wenn Wichtiges hinter verschlossenen Türen diskutiert wird, wird sich am Unmut über Plaudertaschen wohl nichts ändern. Aber: Es gibt viele Ratspolitiker, die die "Maulwurfsuche" zwar aus Gründen der Fraktionsdisziplin mitgetragen haben, persönlich das Ganze aber für völlig überflüssig halten.

Für Nervenkitzel sorgten bei Rallycrossfans in diesem Jahr weniger die Rennen auf dem Estering, sondern vielmehr der Streit um dessen Nutzung. Nachdem der Landkreis Stade dem ACN (Automobilclub Niederelbe) eine neue Betriebsgenehmigung mit deutlich mehr Nutzungsmöglichkeiten erteilt hatte, gingen zuerst die Gegner aus der Estering-Nachbarschaft und anschließend der BUND auf die Barrikaden. Der BUND monierte, dass es keine Öffentlichkeitsbeteiligung und Umweltverträglichkeitsprüfung gegeben habe. Weil Gespräche keine Einigung brachten, zogen die Umweltschützer vors Verwaltungsgericht Stade und bekamen recht: Die Betriebsgenehmigung wurde kassiert. Es folgte eine Zitterpartie für den ACN: Die EM- und WM-Läufe waren gefährdet. Letztendlich wurde ein Kompromiss gefunden. Es gibt (vorerst) keine Nutzungserweiterung und die beiden großen Rennwochenenden dürfen stattfinden.

Nichts Neues beim Dauerbrenner Buxtehuder A26-Anschluss: Der Landkreis will die Rübker Straße (K40) dafür ausbauen, die Gegner wollen das verhindern. Einige der Anwohner der K40 haben gegen den Planfeststellungsbeschluss mittlerweile Klage eingereicht, wann es zu einer Verhandlung darüber kommt, steht noch nicht fest.

Die nächste Bürgermeisterwahl in Buxtehude findet erst 2021 statt. Die SPD hatte sich vorgenommen, schon 2018 dafür einen Kandidaten bzw. eine Kandidatin zu präsentieren, um nicht wie beim letzten Mal ohne Bewerber für den Chefsessel im Stadthaus dazustehen. Die Idee des Ortsvereins war gut, doch die Kandidaten rennen den Genossen offenbar nicht die Türen ein. Die Suche geht 2019 weiter.

Fast wäre aber ein Buxtehuder Bürgermeister geworden: Klemens Kowalski (Linke) trat als Einzelbewerber in seiner alten Heimatstadt Strasburg in der Uckermark an. Er kam auf 24,8 Prozent der Stimmen und schrammte damit um 0,8 Prozent an der Stichwahl vorbei.

Das Ende von "Rotring" im Herbst reiht sich in eine Reihe von weiteren Unternehmensschließungen in Buxtehude in diesem Jahr ein: Den Anfang machte Bacardi. Das Werk am Alten Postweg wurde geschlossen. Beim Saatguthersteller Pioneer an der Apensener Straße verloren durch das Aus 69 Menschen ihren Job. Bei "Crane Payment Innovation" (früher National Rejector) wurden 70 Stellen abgebaut. Außerdem ist "Lintec" insolvent. Seit Januar verloren damit rund 300 Menschen ihre Jobs, weil die teils jahrezehntelang ansässigen Unternehmen dicht machten. 

Das war ein fulminanter Erfolg: 800 Buxtehuderinnen und Buxtehuder trafen sich an einem Samstag, um unter dem Motto "Sauberhaftes Buxtehude" die Stadt zu entmüllen. Es war die erste Aktion dieser Art in der Estestadt, die im kommenden Jahr wohl wiederholt werden soll.

Ein Thema war im vergangenen Jahr überraschenderweise kein Thema: Verkehrschaos im Sommer als Folge der Sperrung der Harburger Straße während der Sanierung. Nach zwei nervenaufreibenden Tagen, an denen die Autofahrer die neue Vorfahrtsregelung auf der Umleitungsstrecke am Alten Postweg lernen mussten, lief der Verkehr so normal wie immer. 

Der "Kahlschlag des Jahres" geht zu Lasten des Landkreises. An der Stader Straße, gegenüber der Einmündung "Brillenburgsweg", wurde im Zuge der Baumfällmaßnahmen der Bahn für mehr Sturmsicherheit gleich ganze Arbeit geleistet. Weil angeblich der Wind die noch zahlreich erhaltenen Bäume hätte umwehen können, wurde gleich komplett abgeholzt. Statt eines kleinen Waldgrundstücks mitten in der Stadt präsentiert sich die Fläche jetzt kahl. Das war des Guten eindeutig zu viel, fanden viele WOCHENBLATT-Leser.