Ein Verband auf Kreuzzug : Der Kampf des ADFCs gegen Rad/Fußwege

Was dem Stier das rote Tuch, ist dem gemeinen Funktionär das Verkehrszeichen 240 (Rad/Fußweg)
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mi. Landkreis. An immer mehr Orten im Kreis verschwinden die bekannten Fuß-/Radwege. Radfahrer dürfen sie innerorts nicht mehr benutzen. Sie sollen auf der Straße fahren. Der Grund ist eine seit 1997 geltende, sogenannte „Allgemeine Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrsordnung“, die für kombinierte Fuß-/Radwege innerorts mindestens 2,50 Meter Breite vorschreibt. Die Vorschrift gibt es schon lange. Vor allem auf Betreiben der Funktionäre des Allgemeinden Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) wird sie jetzt im Kreis immer schneller umgesetzt. Mit teilweise gefährlichen Folgen.
Jüngst kritisierte das WOCHENBLATT die Entscheidung des Landkreises Harburg, in Klecken in der Bürgermeister-Glade-Straße Radfahrer ab elf Jahren auf die Straße zu zwingen. Die Straße ist in der Rushhour viel befahren - vor allem von Kies-Lkw. Fährt hier ein Fahrrad auf der Straße, sind Autofahrer gezwungen, fast einen Kilometer hinter dem Radler herzufahren. Gefährliche Überholmanöver sind die Folge.
Der juristische Hintergrund des neuen Straßenzwangs ist übrigens ein Bundesverwaltungsgerichtsurteil aus dem Jahr 2007. Ein Radfahrer, der die Straße nutzte, weil es ihm auf dem Fuß-/Radweg zu langsam ging, kassierte immer wieder Strafzahlungen. Er klagte und bekam letzt­in­s­tanz­lich Recht. Seitdem setzt sich der ADFC - auch im Landkreis Harburg - mit Nachdruck dafür ein, dass die bei den Verbandsmitgliedern so unbeliebten Fuß-/Radwege, wo es nur geht, abgeschafft werden.
Welche fragwürdige Blüten dieser Feldzug treibt, zeigt das Beispiel der Wulmstorfer Straße in Neu Wulmstorf: Es handelt sich um eine breite Auto-Rennstrecke, die sich von der Bahnhofstraße erst an einem im Tal gelegenen Wohngebiet, später an Gewerbeflächen und der Feuerwehr vorbei, oft schnurgerade durch ein Waldstück zieht. Längst nicht alle Autofahrer halten sich an die geltenden 50 km/h. Dennoch: Auf Druck des ADFC sperrte der Landkreis Harburg den Fußweg auch hier für Radfahrer. Kinder ab elf Jahren sollten die Straße benutzen. Begründete Bedenken, die frühere Entscheidungsträger dazu bewogen haben mögen, an dieser Stelle einen Fuß-/Radweg einzurichten, wurden mit der juristischen Keule zerschlagen. Denn, das ist nun mal Verwaltungsvorschrift: Der Weg ist zu schmal. Er ist nicht 2,50 Meter breit. Aus Sicht des ADFC und dem unter juristischem Sachzwang stehenden Kreis reichte das aus, um zu begründen, warum Viertklässler auf einer abschüssigen Landstraße in der dunklen Jahreszeit zwischen Rushour-Rasern und Lkw sicherer sind, als auf einem Fuß/Radweg. Es hagelte Kritik. Dann bezweifelte man die Entscheidung offenbar auch beim Kreis und rang sich zu einem nahezu lächerlichen Kompromiss durch: Bergab herrscht Straßenzwang, bergauf darf der Fuß-/Radweg genutzt werden.
Es wird deutlich: Den Verwaltungen fehlt es offenbar an Standing, sich dem Fanatismus zu entziehen. Dazu passt eine anonyme Aussage aus der Kreisverwaltung: „Wir müssen das nun mal umsetzen“ - egal ob es Sinn gibt oder nicht, ließe sich hinzufügen.

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