Mit 110 km/h durch Hollenstedt - Tostedter Straße ist Raser-Paradies

Schnurgerade: Die Tostedter Straße lädt zum Rasen ein
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  • hochgeladen von Mitja Schrader

mi. Hollenstedt. Besorgte Eltern haben es schon immer gewusst, jetzt ist es amtlich: Auf der Tostedter Straße in Hollenstedt wird hemmungslos gerast. Die vergangenen Wochen hatte die Gemeinde dort eine Geschwindigkeitsmessgerät installiert. Die Ergebnisse sind erschreckend: Ein Großteil der Autos fährt dort zu schnell, die schlimmsten Raser waren in der 50-km/h- Zone mit 110 Stundenkilometern unterwegs.
Wer die Autobahn 1 an der Anschlussstelle Hollenstedt verlässt, fährt durch einen Kreisverkehr und befindet sich kurz dahinter schon in Hollenstedt. Als Einfallstraße ist die L 141 (Tostedter Straße) eine breite Landstraße. Außer dem Ortsschild erinnert Auto- und Lkw-Fahrer wenig daran, dass sie sich hier bereits im Ort befinden. Wer allerdings glaubt durch eine unbewohnte Gegend zu fahren, täuscht sich: Zunächst zieht sich die Straße zwar an einem Gewerbegebiet entlang, dann folgt aber auf der einen Seite das Schulzentrum mit Sportanlagen und Freibad, auf der anderen liegt das große Wohngebiet Hofstedter Berg. Regelmäßig müssen Kinder aus diesem Wohngebiet die Straße auf dem Weg zur Schule oder zum Sportzentrum an einer Bedarfsampel überqueren. Hier ist es nach Aussage von Eltern schon öfter zu brenzligen Situationen gekommen (das WOCHENBLATT berichtete).
Um das Gefahrenpotenzial der Straße besser einschätzen zu können, hat die Gemeinde Hollenstedt an der Tostedter Straße im Zeitraum vom 1. bis 20. Dezember vergangenen Jahres mit einer offenen Messung die Geschwindigkeit kontrolliert. Insgesamt wurden in dem Zeitraum 33.776 Fahrzeuge erfasst. Fast 70 Prozent (66,6 Prozent) davon haben dabei die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h überschritten. Drei Fahrzeuge rasten mit gefährlichen 110 km/h durch Hollenstedt, vier weitere erreichten 100 km/h. Auch jenseits dieser offenbar ausgemachten Verkehrsrowdies wird auf dem genannten Straßenabschnitt viel zu schnell gefahren. Immerhin 615 Autos fuhren mit rund 90 km/h durch den Ort, weitere 4.740 Fahrzeuge waren mit mindestens 70 km/h unterwegs. Eine Überschreitung bis zu 10 km/h leisteten sich insgesamt 17.010 Verkehrsteilnehmer. Deutlich weniger, nämlich nur 8.930 Fahrzeugführer, hielten sich exakt an die Geschwindigkeitsbegrenzung. Unter 50 km/h fuhren insgesamt 2.350 Fahrzeuge.
Was die Tageszeiten angeht, so zeigt die Auswertung der Geschwindigkeitsmessung: Gerast wird zu jeder Tages- und Nachtzeit. So waren zwei notorischen Raser (100 Km/h) zum Beispiel im Zeitraum zwischen 6 und 9 Uhr, also zur besten Schulwegzeit, unterwegs. Eine Überschreitung von nicht mehr als 20 km/h scheint ohnehin ein Kavaliersdelikt unter den Nutzern der Straße zu sein. Gleich ob morgens (919 Fahrzeuge), nachmittags (899 Fahrzeuge) oder abends (3.902 Fahrzeuge): Zu schnell gefahren wird immer.
Hollenstedts Bürgermeister Jürgen Böhme (CDU) ist von den Zahlen alarmiert. Böhme: „Das in der Straße zu schnell gefahren wird, war uns eigentlich klar, aber das Ausmaß der Geschwindigkeitsüberschreitung ist erschreckend.“ Die Gemeinde Hollenstedt habe die Sache sofort an die Polizei weitergeben, damit dort regelmäßig geblitzt werde. „Mehr können wir als Gemeinde nicht unternehmen, zuständig für die Straße ist das Land Niedersachsen“, so der Bürgermeister. Nicht einmal das Aufstellen von Hinweisschildern liege demnach im Ermessen der Gemeinde.
Übrigens: Hätte man jeden der 17.010 Temposünder, die dort mit um die 60 km/h unterwegs waren, das fällige Bußgeld von 15 Euro abgeknöpft, hätte das 255.150 Euro in die Kasse gespült. Alle Bußgelder zusammen genommen käme man konservativ gerechnet auf die sagenhafte Summe von rund 483.000 Euro.

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