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Wenzendorf: Seniorenwohnheim muss schließen / Eigentümer lehnt Weiterbetrieb ab

Was mit der Immobilie des Seniorenheims passiert, ist bisher unklar (Foto: mi)
mi. Wenzendorf. Der demographische Wandel ist in vollem Gange. Plätze im Seniorenheim werden immer begehrter. Dennoch wird jetzt in Wenzendorf das seit Jahrzehnten bestehende Seniorenheim geschlossen. Den Eigentümern, Mitglieder der mächtigen und weit verzweigten Familie Blohm (Blohm+Voss), scheint es offenbar schlichtweg egal zu sein, wie es mit dem Seniorenheim weitergeht, nachdem der langjährige Pächter und Betreiber des Heims seinen Job aufgeben musste.
Hier hat wohl mancher Wenzendorfer seinen Lebensabend verbracht: Jahrzehntelang gehörte das Seniorenwohnheim am Beckerberg zum festen Bestandteil der dörflichen Infrastruktur. Jetzt schließt die Anlage. Am 31. Dezember endet der Betrieb.
"Ich bin hier nur der Pächter! Mehr sage ich dazu nicht ." Otto Sandmann, Heimleiter und Pächter, war im WOCHENBLATT-Telefonat kurz angebunden. Kein Wunder, wie das WOCHENBLATT erfuhr, ist der ehemalige Heimleiter mit der Entwicklung überhaupt nicht einverstanden. Otto Sandmann, so weiß man es im Dorf zu berichten, führte das Seniorenwohnheim seit Jahrzehnten mit Herzblut und Engagement. Über die Gründe für sein Ausscheiden als Heimleiter gibt es im Ort wilde Spekulationen. Offenbar müsse Sandmann gesundheitlich kürzer treten, aber es war auch von finanziellen Schwierigkeiten der Einrichtung die Rede. Fakt ist: Sandmann wollte, dass es weitergeht. Seit Anfang des Jahres soll er sich intensiv für einen Weiterbetrieb nach seinem Ausscheiden eingesetzt haben. Mindestens vier potenzielle Nachfolger stellte der Heimleiter nach WOCHENBLATT-Informationen den Eigentümern der Immobilie vor. Offenbar alles vergebens. Doch was mit dem alten Seniorenheim passieren soll, darüber hüllen sich die Eigentümer in Schweigen.
Das Gebäude stammt noch aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Es handelt sich um den Bürotrakt der Hamburger Flugzeugbau GmbH. Das damals zu Blohm+Voss gehörende Unternehmen produzierte bis 1945 in Wenzendorf verschiedene Kampfflugzeuge für Nazi-Deutschland.
Mit dem Seniorenwohnheim schließt auch einer der größten Arbeitgeber in der Gemeinde seine Türen. Rund 40 Mitarbeiter hatte die Einrichtung laut eigener Homepage.
Bei der Gemeinde Wenzendorf bedauert man das Aus für das Heim sehr. "Es ist traurig, dass in einer Zeit, in der Pflegeplätze überall nachgefragt werden, eine Einrichtung schließen muss", sagte Bürgermeister Manfred Cohrs (WGW). Um die Mitarbeiter mache er sich aber in Zeiten des Fachkräftemangels keine Sorgen. Der Bürgermeister zeigte sich einigermaßen irritiert über das Verhalten der Immobilieneigentümer. "Es wirkt so, als gehe von den Eigentümern eine gewisse Gleichgültigkeit aus."
Das WOCHENBLATT hat versucht, mit den Eigentümern in Kontakt zu treten. Bis Redaktionsschluss lag keine Antwort vor. Fakt ist: Da die Immobilie im Außenbereich liegt, sind die Möglichkeiten, hier etwas Neues zu machen, begrenzt.

Kommentar

Das ist die Ignoranz der Mächtigen 

Die Causa "Seniorenheim Wenzendorf" ist, so wie sie sich darstellt, symptomatisch dafür, wie herzlich egal den sogenannten Mächtigen die reale Welt ist. Für die Familie Blohm mag der Bau in Wenzendorf nicht mehr sein als eine historische Altlast, eine Zahl in einer Bilanz oder einfach nur ein Klotz am Bein, den man - wie auch immer - loswerden will.
In der Realität der Bürger vor Ort war das Heim aber ein Stück des Orts, ein Arbeitgeber, eine wichtige Infrastruktur. Für die dort untergebrachten Senioren war es vielleicht sogar ein Zuhause und für den Heimleiter wohl sein Lebenswerk. Weil das immer weniger dieser Mächtigen verstehen, weil es Fälle wie Wenzendorf hundertfach in Deutschland gibt, spaltet sich die Gesellschaft immer weiter. Das ist gefährlich. Nicht nur für die sogenannten "kleinen Leute", sondern irgendwann auch für die "Blohms" dieser Welt. 
Mitja Schrader