Seniorin (†88) misshandelt: Buxtehuder Schöffengericht verurteilt Pfleger zu dreieinhalb Jahren Haft

Gerade ältere Menschen sind oft auf Fürsorge und Hilfe angewiesen | Foto: DAK
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Blaulicht-Meldungen der letzten Tage

Blaulicht

Seevetal
Polizei sucht Zeugen nach Unfallflucht

Die Polizei sucht Zeugen nach einer Verkehrsunfallflucht, die sich am Dienstag, 18. August,  auf der A7 in Fahrtrichtung Hamburg zwischen der Anschlussstelle Fleestedt und der Raststätte Harburger Berge ereignet hat. Gegen 10.10 Uhr fuhr ein weißer Van mit WL-Kennzeichen auf dem Hauptfahrtstreifen. Nach Zeugenaussagen schwenkte das Fahrzeug dann nach rechts und traf eine Warnbake auf dem Standstreifen, die hierdurch zerstört wurde. Der Fahrer setzte seine Fahrt in Richtung Hamburg fort....

Blaulicht

Unbekannter hebelt Kellerfenster auf
Einbruch mitten am Tag in Drochtersen

Mitten am Tag hat sich ein Unbekannter gewaltsam Zugang zu einem Wohnhaus in Drochtersen verschafft. Am Mittwoch zwischen 11 und 12.25 Uhr brach der Täter an der Straße Am Hochsteige über ein Kellerfenster in das Gebäude ein. Im Inneren hebelte er anschließend eine Wohnungstür auf und durchsuchte die dahinterliegenden Räume. Ob etwas gestohlen wurde, ist derzeit noch unklar. Den entstandenen Schaden schätzt die Polizei zunächst auf mehrere hundert Euro. Zeugen, die im Bereich Am Hochsteige...

Blaulicht

Winsen
Gefährliche Körperverletzung nach Gerichtsverhandlung

Zu einer gefährlichen Körperverletzung kam es am Dienstag, 18. August 2026, vor dem Gebäude des Amtsgerichts in Winsen. Zeugen alarmierten wegen der körperlichen Auseinandersetzung gegen 10.55 Uhr die Polizei. Nach ersten Erkenntnissen war ein 42-jähriger Mann, der sich nach dem Ende einer Gerichtsverhandlung mit seinem 14-jährigen Sohn vor dem Gebäude aufgehalten hatte, unvermittelt auf einen 26-jährigen Mann, dessen Vater (56) und Ehefrau (36) losgegangen, als diese den Bereich passierten....

Blaulicht

Suizid nach Tötungsdelikt
Zwei Tote in Hepstedt: 90-Jähriger soll Ehefrau getötet haben

Nach Schussgeräuschen sind in einem Wohnhaus in Hepstedt, Landkreis Rotenburg, zwei Menschen tot aufgefunden worden. Die Polizei geht nach ersten Ermittlungen davon aus, dass ein 90-jähriger Mann zunächst seine 65-jährige Ehefrau mit einer Schusswaffe tötete und anschließend Suizid beging. Die Einsatzkräfte waren gegen 12.20 Uhr zu dem Wohnhaus gerufen worden. Weitere Personen befanden sich nach Polizeiangaben zu diesem Zeitpunkt nicht im Haus. Hinweise auf eine Beteiligung Dritter liegen...

Blaulicht
Ist die Kreuzung der Bahnhofstraße/Hansestraße in Winsen zu gefährlich? Zweimal binnen kurzer Zeit wurden  ein Radfahrer und eine E-Scooter-Fahrerin von Pkw-Fahrern übersehen | Foto: Filter
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Gefährliche Kreuzung in Winsen
Radfahrer bei Zusammenstoß leicht verletzt - zweiter Unfall binnen kurzer Zeit

Im Einmündungsbereich der Bahnhofstraße/Hansestraße in Winsen kam es am Dienstag, 18. August 2026, erneut zu einem Verkehrsunfall. Gegen 11.40 Uhr wollte eine 66-jährige Frau mit ihrem Opel von der Bahnhofstraße nach rechts in die Hansestraße in Fahrtrichtung Hamburger Straße einbiegen. Hierbei missachtete sie die Vorfahrt eines von rechts kommenden Radfahrers, der auf dem linkseitigen Radweg der Hansestraße in Fahrtrichtung Borstel unterwegs war. Der 75-jährige Radfahrer stürzte und kam mit...

Blaulicht
An der A26 standen rund 120 Quadratmeter Fläche in Flammen | Foto: T. Ladwig/Feuerwehr Gemeinde Jork
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120 Quadratmeter Vegetation in Flammen
Flächenbrand an der A26 bei Jork

Dichter Rauch über der A26 hat am Sonntagnachmittag einen Feuerwehreinsatz bei Jork ausgelöst. Gegen 15.06 Uhr wurde ein Vegetationsbrand in Fahrtrichtung Stade gemeldet, kurz vor der Abfahrt Jork. Schon auf der Anfahrt war die Einsatzstelle durch die Rauchentwicklung gut zu erkennen. Damit die Feuerwehr schnell an den Brand herankam, fuhren die Fahrzeuge von zwei Seiten an – über die Autobahn und einen nördlich gelegenen Wirtschaftsweg. Vor Ort standen rund 120 Quadratmeter Vegetation in...

Blaulicht

Gefährliche Körperverletzung in Harsefeld
Schlägerei auf Schützenfest: Polizei bittet um Hinweise

Bei einer größeren Schlägerei auf dem Schützenfest in Harsefeld sind in der Nacht zu Sonntag, 16. August, zwei Menschen leicht verletzt worden. Die Polizei ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung und sucht mehrere Tatverdächtige. Gegen 1.43 Uhr gingen bei der Leitstelle der Polizei mehrere Notrufe wegen einer körperlichen Auseinandersetzung im Außenbereich des Schützenfestes ein. Nach Angaben der Polizei wurde eine Festbesucherin von einer mehrköpfigen Männergruppe belästigt. Als die Frau...

Blaulicht

Meckelfeld
Ladendiebe nach wiederholtem Diebstahl vorläufig festgenommen

In Seevetal-Meckelfeld hat die Polizei Ladendiebe nach wiederholtem Diebstahl vorläufig festgenommen. Am Montag, 17. August 2026, gegen 22.50 Uhr wurde die Polizei nach Meckelfeld gerufen. Dort hatten zwei Männer in einem Supermarkt an der Glüsinger Straße Waren in ihre Kleidung gesteckt und waren damit aus dem Laden geflüchtet. Mitarbeiter hatten die beiden Männer wiedererkannt, weil sie in den letzten Wochen vermehrt bei Ladendiebstählen aufgefallen und gefilmt worden waren. Beamte...

Blaulicht

Winsen
Wechselgeld aus Bäckereifiliale gestohlen

In eine Bäckereifiliale an der Straße Löhnfeld in Winsen brachen Unbekannte am vergangenen Wochenende in der Zeit zwischen Samstagabend (15. August 2026) und Montagmorgen ein. Die Täter verschafften sich durch Aufhebeln einer Tür Zutritt zu den Verkaufsräumen. Anschließend entwendeten sie einen Tresor mit Wechselgeld und verschwanden. Der Schaden beträgt mehrere hundert Euro. Hinweise zu verdächtigen Personen oder Fahrzeugen nimmt die Polizei in Winsen unter der Tel. 04171-7960 entgegen.

Blaulicht

Fluchtversuch vor Verkehrskontrolle
Polizei stellt frisierten E-Scooter in Buxtehude sicher

Ein auffallend schneller E-Scooter hat am Dienstagmorgen, 18. August, in Buxtehude die Aufmerksamkeit einer Polizeistreife geweckt. Der Fahrer versuchte anschließend offenbar, sich einer Kontrolle zu entziehen. Gegen 7.35 Uhr bemerkte eine Buxtehuder Funkstreife auf der Konrad-Adenauer-Allee den E-Scooter, der mit ungewöhnlich hoher Geschwindigkeit unterwegs war. Als der Fahrer den Streifenwagen sah, bremste er deutlich ab und fuhr langsamer weiter. Die Beamten entschieden sich daraufhin für...

jd. Buxtehude/Horneburg. Ein Altenpfleger (37) soll eine Heimbewohnerin (†88) mit Schlägen traktiert haben - so heftig, dass eine gerichtsmedizinische Gutachterin Verletzungen am Kopf, Blutungen im Mund sowie Hämatome am ganzen Körper diagnostizierte. Das Schöffengericht in Buxtehude verurteilte den Mann jetzt wegen schwerer Misshandlung Schutzbefohlener zu dreieinhalb Jahren Gefängnis. Der Pflegehelfer, der zuvor Zeitsoldat und dann Rettungssanitäter war, ist bereits einschlägig vorbestraft - unter anderem wegen schwerer Körperverletzung.

Zur Anklage gekommen ist eine Tat aus dem Januar 2016: Die Tochter der alten Dame hatte ihre Mutter weinend, zitternd und aus dem Mund blutend in deren Zimmer in einem Horneburger Seniorenheim vorgefunden. Da die Seniorin den Pfleger der Misshandlung bezichtigte, rief die Pflegedienstleiterin neben dem Rettungsdienst auch die Polizei. Im Krankenhaus wurde die Frau von der Gutachterin untersucht. Auf deren Aussagen sowie den dabei gemachten Fotos gründete die Staatsanwaltschaft ihre Anklage. Demnach sind die Verletzungen eher auf Schläge statt auf Stürze zurückzuführen.

Die Seniorin sei wohl gestürzt, hatte nämlich der Angeklagte zu seiner Verteidigung ins Feld geführt. Er bestritt, der Frau etwas angetan zu haben. Sie habe keine Verletzungen aufgewiesen, als er das Zimmer verlassen habe. Doch dieser Version wollte das Gericht keinen Glauben schenken. Während der Verteidiger Freispruch forderte, legte Richter Erik Paarmann bei seinem Urteil noch drei Monate auf das vom Staatsanwalt geforderte Strafmaß drauf. In seiner Begründung bezeichnete er die Aussage des Opfers als äußerst detailliert und glaubwürdig.

Das Gericht folgte der Einschätzung der Gutachterin, wonach eine Demenz auszuschließen sei: Die zu Protokoll gegebene Schilderung des Geschehens durch die Seniorin lasse darauf schließen, dass sie geistig noch völlig rege war. Der Staatsanwalt hatte dem Angeklagten auch vorgeworfen, sein Opfer zu sexuellen Handlungen genötigt zu haben. Dafür reichten die Beweise letztlich nicht aus.

Der Verurteilte, dem fristlos gekündigt wurde, muss nicht nur in Haft, sondern auch 10.000 Euro Schmerzensgeld zahlen. Das Geld erhalten die Angehörigen, denn die Seniorin ist inzwischen verstorben. Deren Tod steht aber nicht im Zusammenhang mit der Tat.

Rechte pflegebedürftiger Menschen werden laut Studien häufig missachtet

"Solch ein Fall massiver Gewalt wie in Horneburg ist glücklicherweise noch immer die große Ausnahme", sagt Dr. David Kröll von der "Bundesinteressenvertretung für alte und pflegebetroffene Menschen" (BIVA). Allerdings gebe es sicher eine höhere Dunkelziffer, so Kröll: "Viele Vorkommnisse werden vertuscht." Sein Verein, der sich für die Belange pflegebedürftiger Personen stark macht, betrachtet die Situation im Pflegewesen kritisch: Nicht zuletzt die hohe Arbeitsbelastung führt laut Knöll dazu, dass Personal übergriffig wird.

Mit dem Thema Gewalt und Misshandlungen in Pflegeheimen befasste sich unlängst auch das Institut für Menschenrechte. In der Studie "Menschenrechte in Pflegeheimen" verweist das Institut auf Berichte von Experten: Diese würden nahelegen, "dass Gewalt, Vernachlässigung und erniedrigende Behandlung noch immer regelmäßig in deutschen Pflegeheimen anzutreffen" sei.

Erst in der vergangenen Woche hat das "Zentrum für Qualität in der Pflege" (ZQP) die Ergebnisse einer Umfrage veröffentlicht, wonach jeder dritte Mitarbeiter eines Pflegeheimes von regelmäßigen Situationen berichtet, in denen die Rechte Pflegebedürftiger missachtet werden. „Gewalt fängt nicht erst beim Schlagen an. Misshandlung alter und pflegebedürftiger Menschen kann viele Gesichter haben“, erklärt ZQP-Vorstand Dr. Ralf Suhr. Dazu zählt auch strukturelle Gewalt wie Vernachlässigung, Verweigerung von Hilfe und Unterstützung sowie Erniedrigung durch respektlose Behandlung. Immerhin 18 Prozent des Pflegepersonals hat laut Umfrage mitbekommen, dass Kollegen einen Heimbewohner "körperlich grob angefasst" haben.

KOMMENTAR: Was dürfen alte Menschen kosten?

Es wäre verkehrt, die vor dem Buxtehuder Schöffengericht verhandelte Tat als traurigen Einzelfall abzutun. Solche Straftaten sind nur die Spitze eines Eisberges, der in der Altenpflege immer größere Dimensionen annimmt. Die Umfrage des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP) macht deutlich, dass dringend Handlungsbedarf besteht: Wenn schon ein Drittel des Pflegepersonals zugibt, dass die Rechte Pflegedürftiger missachtet werden, dann sollten bei den Verantwortlichen die Alarmglocken schrillen.

Es geht letztlich um eine grundsätzliche Frage: Wieviel will es sich unsere Gesellschaft kosten lassen, Menschen, die auf fremde Hilfe angewiesen sind, in Würde und Anstand alt werden zu lassen? Bisher stand dafür zu wenig Geld zur Verfügung - mit der Folge, dass in vielen Seniorenheimen und Pflegediensten ein immenser Kostendruck herrscht. Daher kann nicht mehr Personal eingestellt werden. Die Pflegerinnen und Pfleger arbeiten unter Zeitdruck und werden für ihren harten Job oftmals nicht angemessen bezahlt. Das schürt Unzufriedenheit und Ärger, der dann an den Schwächsten, den alten Menschen, ausgelassen wird.

In der ZQP-Umfrage zeigt das Pflegepersonal selbst die Lösung auf: 96 bzw. 76 Prozent der Befragten gaben an, dass nach ihrer Auffassung die Rechte Pflegebedürftiger besser gewahrt werden, wenn es mehr bzw. besser ausgebildete Mitarbeiter gibt. Doch hier sind letztlich Gesetzgeber und Krankenkassen gefordert: Solange Pflegeleistungen gedeckelt werden, wird sich die Situation nicht bessern. Ich bin skeptisch, ob die Pflegereform wirklich etwas bringt und die Umstellung von Pflegestufen auf Pflegegrade nicht bloß ein Etikettenschwindel ist.

Jörg Dammann

Gerade ältere Menschen sind oft auf Fürsorge und Hilfe angewiesen | Foto: DAK
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Jörg Dammann aus Stade

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