Die Eisriesen von Geesthacht
Arktisches Spektakel vor den Toren Hamburgs: Die Eisriesen von Geesthacht
- Foto: Bernd Dessau
- hochgeladen von Bert Dessau
Arktisches Spektakel vor den Toren Hamburgs: Die Eisriesen von Geesthacht
Geesthacht, Januar 2026 – Wer dieser Tage den Blick über die Elbe bei Geesthacht schweifen lässt, wähnt sich eher in Grönland als in Norddeutschland. Wo sonst Frachtschiffe und Sportboote das Bild prägen, türmen sich derzeit massive, meterhohe Eisschollen zu einer bizarren Gebirgslandschaft auf. Das seltene Naturschauspiel lockt Tausende Schaulustige an die Ufer – und stellt die Schifffahrt vor gewaltige Herausforderungen.
Wenn der Strom zum Stillstand kommt
Ursache für dieses seltene Phänomen ist eine Kombination aus extremer Kälte und einem ungewöhnlich niedrigen Wasserstand der Elbe. Während die Temperaturen in den vergangenen Wochen tief in den zweistelligen Minusbereich sanken, reichte die Strömung nicht aus, um das Treibeis in Bewegung zu halten.
Das Geesthachter Wehr wirkt dabei wie ein riesiger Fangrechen: Die Eisschollen schieben sich hier übereinander, verkanten sich und bilden eine massive Barriere. Experten sprechen von einem sogenannten Eisstau. In diesem Winter ist die Lage besonders extrem – zeitweise waren bis zu zehn Eisbrecher gleichzeitig im Einsatz, um die Fahrrinne freizuhalten, eine Einsatzstärke wie seit 2013 nicht mehr.
Eine Landschaft im Wandel der Gezeiten
Besonders spektakulär zeigt sich das Eis westlich des Wehrs im Tidebereich. Bei Niedrigwasser stranden die massiven Eisblöcke am Ufer und auf den Sandbänken, was den Eindruck einer arktischen Packeis-Wüste verstärkt. Doch die Schönheit ist trügerisch: Die Behörden und die Stadt Geesthacht warnen eindringlich davor, die Eisflächen zu betreten oder sich auf die bei Ebbe entstehenden Landzungen zu begeben.
„Die Strömung unter dem Eis ist lebensgefährlich, und die Flut kommt oft schneller, als man den Rückweg über die rutschigen Schollen antreten kann“, warnt die Stadtverwaltung.
Ein vergängliches Kunstwerk
Obwohl das einsetzende Tauwetter die Eisbarrieren langsam lockert, bleiben die aufgetürmten „Eisberge“ an den Ufern vorerst ein beliebtes Fotomotiv. Es sind Bilder, die bleiben – von einem Winter, der die Elbe in eine weiße Wildnis verwandelte.
Leserreporter:Bert Dessau aus Jesteburg |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.