"Bei den Banken fehlt das Bewusstsein!"

Jan Effinger (li.) holte die Spenden für den Verein Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge bei Hans-Jürgen Meyer persönlich ab
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  • Jan Effinger (li.) holte die Spenden für den Verein Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge bei Hans-Jürgen Meyer persönlich ab
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Kreditinstitute lassen Spendensammler des Volksbunds abblitzen. 

(mum). "Es wundert mich , wie schwer es unsere Banken und Sparkassen einem machen, Spenden einzuzahlen", sagt Hans-Jürgen Meyer. Anlässlich des Volkstrauertages hatte er auf dem Friedhof am Reindorfer Osterberg in Jesteburg Geld für den Verein Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge gesammelt. 168 Euro waren zusammengekommen. Gleich am Montag wollte Meyer das Geld in Buchholz bei einer Bank auf das Konto des Vereines einzahlen. Doch das klappte nicht. Meyer wurde von den Mitarbeitern der Hamburger Sparkasse (Haspa), der Sparkasse Harburg-Buxtehude und der Post unverrichteter Dinge nach Hause geschickt.
"Da fehlen mir die Worte", so Meyer. "Ich will mich doch nicht bereichern, sondern einfach nur das mir anvertraute Geld überweisen." Man hätte ihm lediglich geraten, das Geld auf sein eigenes Konto einzuzahlen und dann weiter auf das Konto der Kriegsgräberfürsorge zu überweisen. "Aber genau das kam für mich nicht infrage", so Meyer. "Es mag vielleicht seltsam klingen, aber ich wollte das fremde Geld nicht auf mein Konto einzahlen."
Schließlich griff Meyer zum Telefon und bat Jan Effinger, den Geschäftsführer des Bezirksverbands Lüneburg/Stade des Volksbunds, um Unterstützung. "Ich kenne die Problematik nur zu gut", so Effinger. Bis vor fünf Jahren sei es überhaupt kein Problem gewesen, Geld aus Sammelaktionen einzuzahlen. "Doch diese Zeiten sind vorbei", so Effinger. "Ich bin davon überzeugt, dass bei den Banken das Bewusstsein für unsere Arbeit fehlt." Er vermutet, dass dafür der Generationswechsel verantwortlich ist. Die älteren Vorstände hätten noch einen Bezug zur Kriegsgräberfürsorge gehabt. Das sei bei ihren Nachfolgern nicht mehr der Fall. "Zudem waren häufig Vorstandsmitglieder bei uns Mitglied und unserer Arbeit gegenüber aufgeschlossen", so Effinger.
Unter den strengen Bestimmungen der Sparkassen und Banken leiden laut Effinger auch Schüler. "Sie sammeln im Unterricht oder auf Veranstaltungen für uns und werden das Geld dann nicht los."
Auf WOCHENBLATT-Nachfrage reagierte zumindest die Haspa verständnisvoll: "Unsere Kollegen können Spenden für gemeinnützige Organisationen grundsätzlich auch ohne Gebühren entgegennehmen", so Stefanie von Carlsburg. Es sei aber denkbar, dass bei größeren Mengen von unsortiertem Münzgeld für Fremdkonten wartenden Kunden zunächst der Vortritt gewährt werde. Die Haspa-Sprecherin weist darauf hin, dass eine Bareinzahlung auf Konten anderer Institute eigentlich 15 Euro kosten würde. Die Sparkasse Harburg-Buxtehude bleibt hingegen ihrer Linie treu: "Das Zahlscheingeschäft bieten wir - wie zahlreiche andere Banken auch - seit 2017 nicht mehr an", so Jörn Stolle von der Sparkasse Harburg-Buxtehude.

"Die Vorgaben lassen uns da keine Wahl"

Während die Hamburger Sparkasse anbietet, Spenden für den Verein Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge anzunehmen, bleibt die Sparkasse Harburg-Buxtehude ihrer Linie treu. "Die Vorgaben des Geldwäscherechts lassen uns da keine Wahl", so Jörn Stolle von der Sparkasse Harburg-Buxtehude. Er rät Betroffenen, das Geld bei dem kontoführenden Institut selbst einzuzahlen. "Dies sollte möglich sein, sofern das Institut vor Ort eine Kasse oder einen Einzahlungsautomaten anbietet."
Hans-Jürgen Meyer und Jan Effinger haben inzwischen eine andere Lösung gefunden - ohne lokale Bank oder Sparkasse. Effinger schaute am Abend bei Meyer in Jesteburg vorbei und holte das Geld persönlich ab. "Das sollte natürlich nicht die Regel werden", so Effinger. Doch gerade zur Hochzeit der Sammlungen - also von Oktober bis Dezember sei er häufiger in dieser Mission unterwegs.
• Hintergrund: Der Verein Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge widmet sich im Auftrag der Bundesregierung der Aufgabe, die Gräber der deutschen Kriegstoten im Ausland zu erfassen, zu erhalten und zu pflegen. Der Volksbund betreut Angehörige in Fragen der Kriegsgräberfürsorge, er berät öffentliche und private Stellen, er unterstützt die internationale Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Kriegsgräberfürsorge und fördert die Bildung und Begegnung junger Menschen an den Ruhestätten der Toten.
Gegründet wurde die gemeinnützige Organisation 1919, um nach den zahllosen deutschen Kriegstoten des Ersten Weltkrieges zu suchen und deren Gräber zu pflegen. Diese Aufgabe übernahm der Volksbund. Ab 1946 legte der Volksbund in kurzer Zeit über 400 Kriegsgräberstätten in Deutschland an. Die Bundesregierung beauftragte 1954 den Volksbund, die deutschen Soldatengräber im Ausland zu suchen, zu sichern und zu pflegen. Im Rahmen von bilateralen Vereinbarungen erfüllt der Volksbund seine Aufgabe in Europa und Nordafrika. Er betreut heute 832 Kriegsgräberstätten in 46 Staaten mit etwa 2,8 Millionen Kriegstoten.
Mit Beiträgen und Spenden, mit Einnahmen aus Erbschaften und Vermächtnissen sowie den Erträgen aus der jährlichen Haus- und Straßensammlung finanziert der Volksbund zu etwa 70 Prozent seine Arbeit. Den Rest decken öffentliche Mittel des Bundes und der Länder.

Das Spendenkonto
Spenden an den Verein Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge möglich:
Spendentelefon: 0561 700 90
Spendenkonto
IBAN: DE23520400210322299900
BIC: COBADEFFXXX
Commerzbank Kassel)

Jan Effinger (li.) holte die Spenden für den Verein Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge bei Hans-Jürgen Meyer persönlich ab
Volksbund-Geschäftsführer Jan Effinger (li.) besuchte 
schließlich Hans-Jürgen Meyer in Jesteburg, um die Spende bei ihm persönlich abzuholen
Autor:

Sascha Mummenhoff aus Jesteburg

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