Jesteburgs Gesundheitszentrum: Auch Ole Bernatzki steigt aus

Das ehemalige Clement-Grundstück ist gerodet. Auch das Haus wird noch abgerissen. Architekt Axel Brauer hofft, dass die Arbeiten am neuen Gesundheitszentrum im April beginnen können
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Vor zwei Wochen musste Architekt Axel Brauer die Absage einer Gemeinschaftspraxis für sein Gesundheitszentrum in Jesteburg verschmerzen. Jetzt ist mit Ole Bernatzki, Chef des Ambulanten Hauspflege Dienstes (AHD), auch der zweite Leuchtturm-Mieter ausgestiegen. Pikant: Der Gemeinderat hatte sich gerade wegen der beiden Ärzte, aber vor allem wegen Bernatzki für das finanziell schlechtere Angebot von Brauer entschieden.

mum. Jesteburg. Jetzt ist auch Ole Bernatzki raus. Der Inhaber des Ambulanten Hauspflege Dienstes (AHD, 150 Mitarbeiter) wird nicht in das neue Gesundheitszentrum einziehen. „Ich habe Axel Brauer mitgeteilt, dass ich keine Flächen kaufen werde“, so Bernatzki, der zwei Gründe für seine Absage nennt. „Von der Idee bis zur Realisierung ist zu viel Zeit vergangenen“, so der Jesteburger. Außerdem habe Bernatzki fest mit dem Einzug der Gemeinschaftspraxis von Dr. Petra Leschig und Dr. Katrin Pinninghoff-Buss gerechnet. Wie das WOCHENBLATT exklusiv berichtete, trennen sich die beiden Frauen - Leschig öffnet im Sommer eine neue Praxis in Holm-Seppensen. Ursprünglich war für die Gemeinschaftspraxis eine Fläche von 220 Quadratmetern vorgesehen.
Axel Brauer nimmt die Absage seines zweiten Leuchtturm-Mieters gelassen. „Ich bin von dem Projekt überzeugt“, so Brauer. „Das Gesundheitszentrum wird ein Schmuckstück.“ Er führe Gespräche mit Ärzten und auch für Bernatzki werde es eine Alternative geben. Namen will der Architekt erst dann nennen, wenn Verträge unterschrieben sind. „Das gilt auch für die vorgesehene Apotheke.“
Für AHD waren 250 Quadratmeter auf zwei Ebenen vorgesehen. „Im ersten Stockwerk entsteht jetzt eine zusätzliche Wohnung“, so der Architekt. Für die Fläche im Erdgeschoss suche er nach einer Alternative. „Es wird aber kein Pflegedienst werden“, so Brauer, der laut eigenen Angaben fünf Millionen Euro investiert. Baubeginn soll im April sein, „doch noch liegt die Baugenehmigung nicht vor, weil ein Lärmschutzgutachten fehlt.“
Den Vorwurf, er habe zu lange für die Planung benötigt, weist Brauer scharf zurück. „Schuld sind Gesetze und Vorschriften, die immer kompliziertere Gutachten verlangen“, so Brauer.
Jesteburgs Verwaltungschef Hans-Heinrich Höper betont, dass Gemeinde und Verwaltung alles in ihrer Macht stehende getan haben, um schnell die B-Plan-Reife herzustellen. „Allerdings hat der Architekt selbst für eine Verzögerung gesorgt, weil er auf die geplante Tiefgarage verzichtet hat und eine zweite Auslegung notwendig wurde.“
Ole Bernatzki bedauert seine Entscheidung. „Ich stehe eigentlich zu dem, was ich sage. Doch in den vergangenen zwei Jahren haben sich die Bedingungen extrem geändert. Bernatzki hat mehrere Immobilien mitten im Dorf gemietet - der Hauptsitz befindet sich in der Lindenstraße 14, die Verwaltung in der Hauptstraße 51 (ehemals „Papierhaus“), die AHD-eigene Auto-Werkstatt für die immerhin 100 Fahrzeuge in der Hauptstraße 19 („Alte Schmiede“). Zudem betreibt Bernatzki die Seniorenbegegnungsstätte am Sandbarg (650 Quadratmeter). Zwei weitere Objekte entlang der Hauptstraße sollen in diesem Jahr noch folgen. Der Pflegedienst-Chef plant die Erweiterung seines Hauptsitzes und zudem einen Treffpunkt für Demenzkranke. „In Jesteburg gibt es sehr viel Leerstand“, so Bernatzki. Unter dem Strich sei es für ihn wirtschaftlicher, diese Flächen zu mieten, als in ein neues Gesundheitszentrum zu investieren.

Auf ein Wort

Ein Gesundheitszentrum ohne Gesundheit?

„Ich kaufe nicht nur lokal, ich baue auch lokal“, hatte Ole Bernatzki im Januar 2015 während der entscheidenden Gemeinderatssitzung im „Heimathaus“ gesagt. Seine Ankündigung, nur in ein vom Jesteburger Axel Brauer gebautes Gebäude zu ziehen, und die Zusage der Ärztinnen Petra Leschig und Katrin Pinninghoff-Buss gaben den Ausschlag, dass die Politik das Grundstück für 620.000 Euro an Brauer und nicht an Steffen Lücking (Rosengarten), der 640.000 Euro bot, verkaufte. Die Entwürfe der beiden Kontrahenten waren sich erstaunlich ähnlich. Am Ende fiel die Entscheidung in geheimer Wahl - 15 Ratsmitglieder stimmten für den Brauer/Bernatzki-Entwurf, vier dagegen. Außerdem gab es eine Enthaltung.
Ob dies am Ende die richtige Entscheidung war, werden die nächsten Monate zeigen. Derzeit sieht es nicht danach aus, als ob die Jesteburger ihr angekündigtes Gesundheitszentrum bekommen werden. Von einem Ärztezentrum - wie ursprünglich geplant - spricht schon längst niemand mehr im Dorf.
Immerhin: Laut Verwaltungschef Höper wird Brauer kein ausschließliches Wohnhaus bauen, denn zumindest im Erdgeschoss ist Gewerbe verpflichtend vorgesehen. Allerdings muss dies nicht zwangsläufig aus der Gesundheitsbranche sein.
Sascha Mummenhoff

Das ehemalige Clement-Grundstück ist gerodet. Auch das Haus wird noch abgerissen. Architekt Axel Brauer hofft, dass die Arbeiten am neuen Gesundheitszentrum im April beginnen können
AHD-Chef Ole Bernatzki: "Es hat einfach zu lange gedauert."
So soll das Gesundheitszentrum (rechts im Bild) von Architekt Axel Brauer | Foto: Brauer Architekten
Axel Brauer: "Das Gesundheitszentrum wird ein Schmuckstück!"
Redakteur:

Sascha Mummenhoff aus Jesteburg

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