Interview mit Udo Heitmann
„Ich freue mich auf die außerparlamentarische Opposition“
- Eine Ära geht zu Ende: Udo Heitmann scheidet nach 25 Jahren Amtszeit als Bürgermeister aus
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Udo Heitmann war 25 Jahre ehrenamtlicher Bürgermeister von Jesteburg. Nach fünf Wahlperioden ist nun Schluss. Im Gespräch blickt er zurück, spricht über Demokratie, politische Debatten – und darüber, was er mit der gewonnenen Zeit anfangen möchte.
Herr Heitmann, 25 Jahre Bürgermeister – was bleibt bei Ihnen am Ende hängen?
Vor allem die Entwicklung, die ich begleiten durfte. Wenn man so lange dabei ist, erlebt man mehrere Generationen. Die Kinder, die ich früher im Kindergarten auf dem Arm hatte, bringen heute ihre eigenen Kinder dorthin. Das ist schon etwas Besonderes. Und wenn ich zurückblicke, kann ich sagen: Es wurde eigentlich immer besser.
Sie beschreiben Ihre Rolle mit der einer „Bandscheibe“. Was meinen Sie damit?
Ich wollte nie die große Welt verändern. Meine Aufgabe war eher, für ein Dorf da zu sein und Dinge innerhalb der Rechtsordnung zu vermitteln – auch an Menschen, die das vielleicht gar nicht hören wollen. Und im Gemeinderat versucht man, die unterschiedlichen Interessen so zu moderieren, dass am Ende eine halbwegs vertretbare Mehrheitsentscheidung herauskommt. Diese Vermittlerrolle war für mich immer wichtig.
Sie beobachten allerdings eine zunehmende Härte in politischen Debatten. Was bereitet Ihnen dabei Sorgen?
Dass Sachthemen immer stärker mit Individualinteressen vermischt werden. Wenn wir im Gemeinderat 23 Mitglieder haben und jeder nur seine persönliche Sicht einbringt, haben wir plötzlich 23 verschiedene Wahrheiten. Dann reden wir nicht mehr über die eigentliche Sache, sondern über alles, was irgendwo bei Instagram oder sonstwo hineingespült wird. Ich glaube, wir müssen wieder stärker zur Sache zurückkommen – und auch bereit sein, die eigene Position einmal zurückzunehmen.
Trotz dieser Schwierigkeiten ziehen Sie ein positives Fazit, wenn Sie zurückblicken?
Unbedingt. Sonst hätte ich das nicht so lange gemacht. Demokratie funktioniert nur, wenn man miteinander redet und die Menschen mitnimmt. Man muss da sein und auf Fragen antworten – auch wenn die Antworten nicht immer gefallen. Und man muss akzeptieren, dass Freiheit einen Preis hat. Unsere Rechtsordnung gibt uns Freiheit, aber sie setzt auch Grenzen. Innerhalb dieser Ordnung müssen wir uns bewegen. Das war für mich, auch als Jurist, immer ein wichtiger Punkt.
Was waren für Sie besondere Erfolge in den 25 Jahren?
Viele Dinge sind nicht durch einen großen einzelnen Beschluss entstanden, sondern gemeinsam gewachsen. Die Jugendarbeit in Jesteburg gehört dazu, aber auch die Entwicklung rund um das Freibad oder viele Infrastrukturprojekte wie die Ansiedlung neuen Gewerbes. Es ist uns immer wieder gelungen, trotz unterschiedlicher Interessen eine tragfähige Lösung zu finden. Diese Balance zu halten – zwischen dem, was sich die einen wünschen, und dem, was für die Gemeinschaft möglich ist –, das war eigentlich die ständige Aufgabe.
Und jetzt? Worauf freuen Sie sich am meisten?
Auf die außerparlamentarische Opposition. Jetzt motze ich auch mit. (lacht) Natürlich möchte ich vor allem mehr Zeit mit meiner Familie haben. Wir haben seit 35 Jahren einen Bulli in der Garage. Mit dem sind unsere Kinder groß geworden, und mit dem fahren wir immer noch gerne los. Vielleicht geht es mal wieder an die bretonische Küste oder einfach irgendwohin, wo wir ein paar Wochen bleiben können.
Heißt das wirklich: Schluss mit der Politik?
Im Gemeinderat, Samtgemeinderat und Kreistag ist für mich Schluss. Aber ich werde natürlich weiter verfolgen, was hier passiert. Und ich werde mich künftig stärker auf die Parteiarbeit konzentrieren. Jesteburg ist ja nicht aus der Welt – und ich bin es auch nicht.
Redakteur:Heidi Goch-Lange aus Buchholz |
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