Maritimer Schatz hinter dem Deich - WOCHENBLATT-Serie „Lost Place“, Teil11: Die ehemalige Sietas-Werft in Grünendeich

Vicco Meyer zeigt eine der Sägen aus einer der beiden Schiffszimmermannskisten
7Bilder
  • Vicco Meyer zeigt eine der Sägen aus einer der beiden Schiffszimmermannskisten
  • hochgeladen von Jörg Dammann

(jd). Beim Namen Sietas denkt jeder gleich an die krisengeschüttelte Traditions-Werft an der Estemündung. Doch auch an der Lühe gab es eine Sietas-Werft. In Grünendeich wurde ein besonderer hölzerner Schiffstyp, die Lühe-Jolle, gebaut. Der letzte dieser Mini-Lastensegler, die zum Obsttransport dienten und auf die schmale Lühe zugeschnitten waren, lief vor rund 100 Jahren vom Stapel. Danach spezialisierte sich die Werft auf die Reparatur und Verlängerung von Schiffen mit Stahlrumpf. Der Werftbetrieb ist längst eingestellt, doch vieles blieb erhalten: Das alte Gelände wirkt wie ein kleines Freilichtmuseum.

Welch maritimer Schatz sich in Grünendeich verbirgt, ist von der Straße nicht zu erkennen. Wer einen Blick auf die Werft werfen will, muss erst den schmalen Pfad zur Deichkrone erklimmen. Zwischen dem Wohnhaus der Familie Sietas und dem alten Werftschuppen neigt sich das Gelände bis zum Ufer der Lühe hinab. In Richtung Fluss führen mehrere Schienen. Sie gehören zur Slipanlage, die noch immer genutzt wird - von der "Sportbootgemeinschaft Sietas".

Die kleine Truppe von Freizeit-Skippern hat hier ihr Winterquartier für die Boote. "Der letzte Werftinhaber Helmut Sietas lagerte zuletzt nur noch Boote ein und verpachtete das Gelände schließlich an uns Sportboot-Fahrer", berichtet Vicco Meyer. Der Hobby-Segler hat sich für ein Buchprojekt mit der Geschichte der Sietas-Werft befasst. Nach seinen Recherchen trug die Werft seit 1800 den Namen Sietas. Der vorherige Besitzer war unerwartet verstorben und ein Angehöriger der Schiffsbauerdynastie von der Este ging an die Lühe, um sich dort eine Existenz aufzubauen: Jacob Hinrich Sietas fand Gefallen an Werft und Witwe, heiratete letztere und wurde Firmenchef.

Meyer öffnet die Tür eines kleinen Holzunterstandes: Darin verbirgt sich die Elektro-Winde, mit der die Boote aus dem Wasser gezogen werden. "Die Winde halten wir gut in Schuss, denn ohne sie wären wir aufgeschmissen", sagt der Freizeitkapitän. Früher ging das nur mit viel Muskelkraft: Mittels einer großen Gangspill wurden die Schiffe aufs Trockene befördert. "Dann holte Herr Sietas die Gesellen vom benachbarten Schlachter, damit diese mit anpacken."

Im Werftschuppen scheint die Zeit stehengeblieben zu sein: An den Wänden hängen Tampen und die alten Arbeitsgeräte. Meyer weist auf zwei besondere "Schatzkästchen": die Werkzeugkisten des Vaters und Großvaters von Helmut Sietas. Akkurat sind darin Hobel, Sägen und Stecheisen verwahrt: Mit solchen Gerätschaften wurden im Laufe der Jahrzehnte rund 60 Lühe-Jollen gebaut. Während die Männer an den Schiffen werkelten, verdienten die Frauen ein kleines Zubrot: Sie betrieben einen Ausschank, in denen sich Lüheschiffer und Obstbauern zum Bierchen trafen. "Werft und Wirtschaft - das gehörte oftmals zusammen, berichtet Meyer. Bis vor ein paar Jahren erinnerte das Schild "Bierlokal Jacob Sietas" an diese Tradition.


Die letzte Lühe-Jolle

Auf der Sietas-Werft wurde die letzte noch existierende Lühe-Jolle gebaut: die „Nixe“. Das Boot lief 1884 vom Stapel und war später als Krabbenkutter in Büsum im Einsatz. Am Ende war es nur noch ein Wrack. Auf Initiative des Fördervereins Lühe-Aue kam die „Nixe“ zurück in ihre alte Heimat. Es ist geplant, sie neben dem Handwerksmuseum in Horneburg auszustellen.

Autor:

Jörg Dammann aus Stade

Politik
Michael Roesberg ist noch bis Ende Oktober 2021 im Amt

Verzicht auf eine erneute Kandidatur
Stades Landrat Michael Roesberg tritt nicht wieder an

jd. Stade. Politischer Paukenschlag im Stader Kreishaus: Landrat Michael Roesberg (parteilos) hat am Montagabend erklärt, dass er für eine erneute Kandidatur nicht zur Verfügung steht. Die Amtszeit des 63-Jährigen endet im Oktober 2021. Roesberg steht seit 2006 an der Spitze der Kreisverwaltung. Bisher galt als sicher, dass der amtierende Landrat bei den Kommunalwahlen im Herbst 2021 noch einmal ins Rennen geht. Roesberg hätte beste Chancen für eine Wiederwahl gehabt. Er kann auf die...

Politik
Diese beiden Buden sind der Auslöser des Streits   Foto: thl

Verfügungsfonds "Winsen 2030"
Zoff um Verkaufsbuden in Winsen

Mitglieder des Verfügungsfonds werfen der städtischen Vertreterin mangelnde Befähigung vor thl. Winsen. Riesiger Zoff zwischen der Stadt Winsen und den Mitgliedern des Verfügungsfonds "Winsen 2030", in dem ehrenamtliche Personen aus Handel, Gastronomie, Handwerk und Politik sowie Privatpersonen engagiert sind. Insgesamt umfasst der Fonds acht Mitglieder und hat vier Besitzer in Beraterfunktion, bestehend aus Vertretern der City Marketing, der Wirtschaftsförderung, der Stadtverwaltung und des...

Politik
"Wenn kein Handeln erfolgt, wird das Problem nicht nachvollzogen": Christian Heermann an der Kreuzung Nordring/Hamburger Straße

Kreuzung Nordring in Buchholz
"Kriminelle Ampelanlage": Harsche Kritik an Untätigkeit

os. Buchholz. In dieser Woche soll die Ampelanlage an der neuralgischen Kreuzung Hamburger Straße/Nordring am nördlichen Eingang zur Stadt Buchholz umgerüstet werden. Damit endet eine jahrelange Phase, die WOCHENBLATT-Leser Christian Heermann (85) als "kriminell" und "lebensgefährlich" bezeichnet: "Das haben die Stadt Buchholz und der Landkreis von mir im vergangenen November schriftlich bekommen." Wie berichtet, hatte sich der Landkreis auf FDP-Initiative entschieden, die Ampelanlage...

Politik
An den Elbe Kliniken wird Kritik geübt
  2 Bilder

Aus Protest Aufsichtsratsmandat niedergelegt
CDU-Fraktionschefin kritisiert Versäumnisse bei den Elbe Kliniken

jd. Stade. Aufsichtsrat - der geheimnisvolle Zirkel: Die meiste Zeit wirkt ein Aufsichtsrat eher im Verborgenen. Scheidet jemand aus dem Gremium aus, geschieht das meist sang- und klanglos. Die Öffentlichkeit erfährt in der Regel davon nichts. Ganz anders bei der Stader CDU-Ratsherrin und Fraktionschefin Kristina Kilian-Klinge: Sie legte beim Aufsichtsrat der Elbe Kliniken einen Abgang mit Pauken und Trompeten hin. Statt des üblichen Zweizeilers schrieb sie ein dreiseitigen Brief - gespickt mit...

Politik
Pferdehalterin Sabine Popp sieht sich auf ihrer Weide in Glüsingen dem auf dem Nachbarland üppig wachsenden Jakobskreuzkraut ausgesetzt

Für Weidetiere giftig
Jakobskreuzkraut: Kritik an Gemeinde Seevetal hält an

ts. Glüsingen. Weil das für Weidetiere giftige Jakobskreuzkraut üppig auf ökologisch bewirtschafteten Flächen der Gemeinde Seevetal wächst, gerät die Gemeindeverwaltung bei Weidetierhaltern zunehmend in die Kritik. Nach dem WOCHENBLATT-Bericht über den Protest in Ramelsloh zeigt sich auch Sabine Popp, Betreiberin einer Pferdepension in Glüsingen, besorgt. In unmittelbarer Nachbarschaft zu ihrem Weideland gedeiht die gelb blühende Pflanze großflächig. Der Verzehr des Jakobskreuzkrauts kann bei...

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen