Cow-Sharing: Kunden teilen sich eine Kuh

Claus Bohling und Ulrike Cohrs, hier mit Bulle Heinrich, setzen auf nachhaltige Landwirtschaft
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bim. Hollenstedt. Nachhaltig erzeugte Lebensmittel erfreuen sich zunehmender Wertschätzung. Immer mehr Verbraucher wollen wissen, woher ihr Fleisch und Gemüse kommen, und nicht auf Massentierhaltung und anonyme Lieferketten setzen. Neben solidarischen Landwirtschaften gibt es nun auch das Cow-Sharing, bei dem sich Verbraucher eine Kuh teilen. Einer, der diese Form der Direktvermarktung gewählt hat, ist Claus Bohling. Gemeinsam mit seiner Frau Ulrike Cohrs bewirtschaftet er den Wilkenshoff in Hollenstedt-Ochtmannsbruch.
Der selbstständige Diplom-Ingenieur Claus Bohling ist mit der Landwirtschaft auf dem Hof seiner Eltern in Wistedt (Samtgemeinde Tostedt) aufgewachsen und hat den Betrieb 1994 übernommen. "Wir hatten immer fünf Kühe", berichtet er. Vor sechs Jahren lernte er seine heutige Frau Ulrike Cohrs kennen. "Sie hatte das Gleiche in groß - mit 20 Kühen. 2016 haben wir geheiratet und unsere Kühe sozusagen zusammengeworfen", sagt Claus Bohling. Er ist nun der Grünland-Biobauer, Ulrike Cohrs, die 1993 den Wilkenshoff ihrer Eltern zum Biohof umwandelte, die Gemüse- und Ackerbäuerin.
Sechs Herden hat Claus Bohling täglich zu versorgen: die Mutterkuh-Herde aus Charolais- und Welsh-Black-Rindern, die Herden mit jeweils ein- bis zweijährigen und den "größeren Jungen und Mädchen", wie er sie liebevoll nennt, sowie die Naturschutzherde aus den leichtfüßigen Galloways, die als vierbeinige Landschaftspfleger eingesetzt werden.
Die Tiere sind zwischen Anfang Mai und Ende November auf den Weiden und im Winter im Stall, in dem sie Heu und Silage von den hofeigenen Flächen fressen können.
Regulär züchte ein Landwirt Rinder und füttere sie fett, um sie dann vom Handel oder Vermarkter abholen zu lassen. "Es wird kein Bedarf geprüft, die Tiere gehen in den großen Schlachthof", sagt Bohling.
Anders beim Cow-Sharing: "Wir telefonieren unsere Listen ab und fragen, wer wie viel Fleisch haben möchte. Wenn wir genügend Interessenten zusammenhaben, wird geschlachtet. Das Besondere ist, dass man wählen kann aus Färse, Ochse oder Bulle oder einer alten Kuh, die neuerdings im Trend liegt." Zirka 15 Tiere würden so im Jahr geschlachtet. Die übliche Größe, die die Kunden abnehmen, sei ein Viertel Rind.
Sowohl für den Verbraucher als auch für den Landwirt ist die Direktvermarktung eine Win-win-Situation, ein Beispiel: "Zwei Familien teilen sich eine Viertel Kuh mit rund 60 Kilogramm und zahlen elf bis zwölf Euro pro Kilo, haben dann von allem etwas, von Hack bis Filet. Wenn ein Vermarkter zwischengeschaltet ist, bekomme ich vier Euro pro Kilo oder weniger, der Rest bleibt im Handel", erläutert Claus Bohling.
Die kleineren Portionen der "geteilten Kuh" bis fünf Kilogramm und Einzelteile sollen über das hofeigene Café vermarktet werden. Nachdem Ulrike Cohrs seit Jahren Restaurants mit ihrem Gemüse beliefert, wird es nun auch beim Fleisch eine enge Zusammenarbeit geben. So hat zum Monatsanfang der Hamburger Biospitzenkoch Sebastian Junge vom Restaurant "Wolfs Junge", der sich selbst als Aktivist für umweltgerechte und nachhaltige Genusskultur bezeichnet, das Hofcafé übernommen. Das muss allerdings Corona-bedingt zunächst noch auf eine Wiedereröffnung warten.
"Immer mehr Restaurants legen Wert auf Nachhaltigkeit und bei der Speisekarte eine große Flexibilität an den Tag", lobt Ulrike Cohrs. Und Sebastian Junge ergänzt: "Für uns ist es toll, an Ware zu gelangen, von der man weiß, dass alles verwertet wird."
Die Selbstvermarktung des Fleischs ist übrigens aus der Not heraus geboren, gibt Claus Bohling zu. "Von der Herde habe ich sonst die Hälfte der Tiere an einen anderen Landwirt abgegeben. Bei der Dürre 2018/19 konnte er die Tiere aber nicht ausreichend versorgen. So waren wir gezwungen, alle Tiere zu behalten und selbst eine Vermarktung aufzubauen", erzählt Claus Bohling.
Auf dem Wilkenshoff, auf dem Ulrike Cohrs im Jahr 2008 mit weiteren Mitstreitern den ersten Bauernhofkindergarten der Region eröffnete, schließen sich so die Kreisläufe. Und auch die Jüngsten sind begeistert von der Nähe zu den Tieren, zu denen neben Rindern auch noch u.a. Schweine, Schafe und Ziegen gehören.
• Weitere Informationen gibt es per E-Mail an: info@wilkenshoff.de.

Claus Bohling und Ulrike Cohrs, hier mit Bulle Heinrich, setzen auf nachhaltige Landwirtschaft
Claus Bohling inmitten einiger der Kühe auf dem Wilkenshoff. 
Das schwarze Rind heißt Isolde und ist die Mutter des Kälbchens
Autor:

Bianca Marquardt aus Tostedt

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