Harter Job in der Wildnis: Als Frau im kanadischen Bergbau

Jede Menge Schutt abgeräumt: Silke van Lier zeigt stolz auf das Ergebnis ihrer ersten Sprengung  Fotos: privat/jd
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  • Jede Menge Schutt abgeräumt: Silke van Lier zeigt stolz auf das Ergebnis ihrer ersten Sprengung Fotos: privat/jd
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(jd). Frauen in Ingenieurberufen sind heute fast eine Selbstverständlichkeit. Die Behauptung, dass das weibliche Geschlecht nichts mit Technik am Hut hat, ist längst widerlegt - nicht zuletzt durch Frauen wie Silke van Lier. Die gebürtige Krautsanderin ist als Ingenieurin bei der DB Netz im Fahrbahnbau tätig. Eine Aufgabe, die täglich neue Herausforderungen mit sich bringt, aber eher unspektakulär im Vergleich zu den Jobs ist, die Silke van Lier zuvor ausgeübt hat. Sie war im Bergbau beschäftigt - und das viele Jahre in einer Region, von der man denkt, dass es dort nur die ganz harten Kerle hinzieht. Die Ingenieurin stand ihre Frau in einer der unwirtlichsten Gegenden der Welt: Sie arbeitete für verschiedene Schachtbau-Unternehmen, die Minen in der kanadischen Wildnis erschließen.

Silke van Lier kam während ihres Studiums in Clausthal-Zellerfeld zum ersten Mal mit dem Bergbau in Berührung. Zunächst war es ihr Berufsziel, Brücken zu bauen. Nach einem Praktikum im saarländischen Steinkohlerevier und einer Uni-Exkursion zu Minen in Namibia stand für sie der Entschluss fest: "Bergbau - das ist genau mein Ding!"
Über ein spezielles europäisches Förderprogramm für besonders qualifizierte Master-Studenten erhielt Silke van Lier wertvolle Einblicke in die Branche: "Es ging nicht nur um das reine Ingenieurswesen, sondern auch um das gesamte betriebswirtschaftliche Umfeld wie etwa Machbarkeitsstudien zur Finanzierung neuer Projekte."

Im Rahmen eines von großen Minen-Konzernen ausgerichteten Graduierten-Programms erfolgte auch der erste Aufenthalt in Kanada. Für drei Monate ging es in die Diamant-Mine von Diavik in den Nord-West-Territorien, knapp unterhalb des Polarkreises. "Als ich im Juni ankam, waren die Seen noch gefroren", berichtet Silke van Lier. Der raue Norden Kanadas sollte dann auch für mehrere Jahre ihr Arbeitsplatz werden: Nach dem Diplom und einer Zwischenstation in den Niederlanden ging es zurück in die unendlichen Weiten Kanadas. Diesmal aber nicht allein, sondern mit ihrem Mann, den sie in den Niederlanden kennengelernt hat.

Für rund vier Jahre wurde die Provinz Saskatchewan für das Paar zur zweiten Heimat. Dort befinden sich mitten in der Prärie die größten Kali-Lagerstätten der Welt, bis zu 1.000 Meter tief unter der Erde. Dort war Silke van Liers Ingenieurskunst gefragt: "Um die Schächte bohren zu können, mussten wir den Bereich um die geplanten Bohrlöcher vereisen." Besonders kritisch sei eine Schwemmsand-Schicht in rund 400 Metern Tiefe gewesen, die mit dem Eis stabilisiert werden musste.

Eis und Frost bestimmten auch ein Großteil der Zeit in Kanada: "In den Wintermonaten herrschten fast minus 40 Grad", so Silke van Lier. "Das war oftmals schon ein Knochenjob." Der Arbeitstag habe meist zwölf Stunden gedauert, fast die gesamte Freizeit habe man im Camp verbracht. "Wo auch sonst? Der nächste größere Ort war nur mit dem Flieger zu erreichen. Wir gingen höchstens mal angeln."

Über die Ausstattung der Quartiere könne sie sich nicht beschweren, so die Ingenieurin: "Das war meist fast wie in einem Hotel." Es habe ein umfangreiches Sportangebot gegeben und das Essen habe Restaurant-Qualität gehabt.

Eine Männerdomäne seien auch die kanadischen Minen längst nicht mehr, meint Silke van Lier. Bei den gigantischen Muldenkippern würden sogar überwiegend Frauen eingesetzt: "Die gehen mit den gewaltigen 400-Tonnern wesentlich vorsichtiger um als Männer." Den "harten Kerl" als typischen Minenarbeiter gebe es ohnehin nicht: "Hier arbeiten viele Akademiker, die aus ganz anderen Berufen stammen." Auch in Kanada herrsche Fachkräftemangel und der Bergbau locke mit Spitzenlöhnen.

2016 hat Silke van Lier eine Tochter zur Welt gebracht. Das Paar entschloss sich, zurück nach Europa zu gehen. Jetzt lebt die Ingenieurin mit ihrer Familie in Kehdingen - dort, wo sie aufgewachsen ist und viele sie noch unter ihrem Mädchennamen von Allwörden kennen.

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