Ehrenamt zwischen Natur und Technik
Dringend gesucht: Ostefähre Brobergen sucht neue Fährleute
- Auch Traktoren und Wohnwagengespanne passen auf die Fähre
- Foto: Fährverein
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„Als Gott an das Paradies gedacht hat, hat er diesen Ort gemacht“, sagt Begoña Atela. Ihr Blick schweift über die Oste und das Naturschutzgebiet am Fähranleger in Brobergen. Trotz grauer Wolken und Regenschauern gerät die gebürtige Mexikanerin ins Schwärmen: „Die Natur, der Fluss und die Ruhe sind einfach himmlisch.“
- Die Fährleute Begoña Atela und Robert Brandt genießen ihre Zeit auf der Fähre
- Foto: sb
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Doch genau für dieses besondere Ehrenamt fehlen dem Fähr- und Geschichtsverein Brobergen Nachwuchskräfte. Von den insgesamt 20 ausgebildeten Fährleuten sind nur noch zehn aktiv, drei davon bereits über 80 Jahre alt. „Wir drohen ernsthaft zu vergreisen“, sagt der Erste Fährmann und Ausbilder Horst Schimkatis. Der zweite Vorsitzende Ralf Ostermann ergänzt: „Unsere Kontakte in unseren Bekanntenkreisen sind ausgeschöpft. Jetzt brauchen wir frisches Blut.“
100 Jahre alte Technik
Begoña Atela weiß, wovon sie spricht. Seit fünf Jahren bedient sie gemeinsam mit ihrem Ehemann Robert Brandt ehrenamtlich die mehr als 100 Jahre alte Prahmfähre „Helmut Hudaff“. Von Mai bis Oktober bringen die Fährleute Einheimische, Ausflügler und Touristen über die Oste – ebenso Fahrräder, Motorräder, Autos und sogar Traktoren. Angetrieben wird die Fähre von einem 24 PS starken luftgekühlten Deutz-Dieselmotor, der fast so alt ist wie das Schiff selbst.
Der Dienst beginnt mit einer kurzen Fahrt im Ruderboot zur vertäuten Fähre. Nach dem Lösen der Tampen, dem Hissen der Flagge und wenigen Handgriffen ist der Prahm einsatzbereit. Während sie auf Fahrgäste warten, genießen Robert Brandt und Begoña Atela einen Kaffee aus der Thermoskanne und beobachten Störche, Enten und den Fluss. Mit dem ersten Fahrgast – einem jungen Mann auf dem Mofa – werden auf der nur rund einminütigen Überfahrt einige freundliche Worte gewechselt.
Rund 15.000 Fahrgäste pro Jahr
Dass die Fähre weit mehr als ein nostalgisches Relikt ist, zeigen die Zahlen: Rund 15.000 Fahrgäste nutzen sie in jeder Saison. Neben Touristen setzen auch Berufspendler regelmäßig zwischen der Stader und der Bremervörder Seite über.
- Auf der Prahmfähre (v. li.): Robert Brandt, Burkhard Ziemens, Begoña Atela und Horst Schimkatis
- Foto: sb
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Für den täglichen Betrieb werden ein bis zwei Fährleute benötigt, die jeweils vier bis fünf Stunden Dienst übernehmen. Die Schichten tragen sich die Ehrenamtlichen flexibel selbst in den Dienstplan ein. „Manche fahren einmal pro Woche, andere bündeln mehrere Dienste. Einige mögen das lebhafte Wochenende, andere die ruhigen Wochentage“, sagt Burkhard Ziemens. Der ehemalige Oldendorfer Pastor ist seit acht Jahren als Fährmann aktiv. Besonders schätzt er die Gespräche mit den Fahrgästen. „Touristen interessieren sich für die alte Technik, mit Einheimischen wird auch Platt geschnackt.“
An ihre erste Überfahrt erinnert sich Begoña Atela noch gut. „Ich hatte großen Respekt vor der Verantwortung. Aber Horst Schimkatis hat alles ruhig erklärt und gezeigt.“ Erfahrung komme mit der Zeit. Schließlich müsse der Fluss bei einem Tidenhub von bis zu vier Metern immer wieder neu „gelesen“ werden. Gleichzeitig gilt es, den Schiffsverkehr im Blick zu behalten, damit sich kein Boot im Fährseil verfängt.
Für Atela und Brandt endet die diesjährige Saison zugleich mit einem Abschied: Das Ehepaar kehrt nach Mexiko zurück. „Wir haben zwei Heimaten, deshalb fällt uns der Abschied schwer“, sagt Atela.
Ausbildung dauert nur wenige Wochen
Für den Verein bedeutet das den Verlust zweier weiterer erfahrener Fährleute. Interessierte sind deshalb willkommen. Benötigt werden lediglich etwas körperliche Fitness, ein Führungszeugnis, ein Gesundheitszeugnis des Hausarztes sowie ein Erste-Hilfe-Kurs. Die Ausbildung dauert – nach individueller Terminabsprache – nur wenige Wochen und endet mit einer theoretischen und praktischen Prüfung, die bislang alle Anwärter bestanden haben.
Info: Wer sich für das Ehrenamt als Fährfrau oder Fährmann interessiert, kann sich bei Ausbilder Horst Schimkatis unter Tel. 04140-8154 melden.
Warum sucht der Fähr- und Geschichtsverein Brobergen neue Fährleute?
Dem Fähr- und Geschichtsverein Brobergen fehlen dringend ehrenamtliche Nachwuchskräfte. Von 20 ausgebildeten Fährleuten sind nur noch zehn aktiv, drei davon bereits über 80 Jahre alt. Der Verein möchte den Betrieb der historischen Prahmfähre „Helmut Hudaff“ langfristig sichern.
Welche Aufgaben übernehmen die ehrenamtlichen Fährleute in Brobergen?
Von Mai bis Oktober setzen die Fährleute mit der historischen Prahmfähre „Helmut Hudaff“ Fußgänger, Radfahrer, Motorräder, Autos und Traktoren über die Oste. Pro Schicht übernehmen ein bis zwei Ehrenamtliche den Fährbetrieb für vier bis fünf Stunden und tragen sich ihre Einsätze flexibel selbst in den Dienstplan ein.
Wie viele Fahrgäste nutzen die Fähre in Brobergen pro Jahr?
Rund 15.000 Fahrgäste nutzen die historische Ostefähre in Brobergen pro Saison. Neben Touristen setzen auch viele Einheimische und Berufspendler regelmäßig zwischen der Stader und der Bremervörder Seite der Oste über.
Welche Voraussetzungen müssen neue Fährfrauen und Fährmänner in Brobergen erfüllen?
Interessierte benötigen lediglich etwas körperliche Fitness, ein Führungszeugnis, ein Gesundheitszeugnis des Hausarztes sowie einen Erste-Hilfe-Kurs. Die Ausbildung dauert nach individueller Terminabsprache nur wenige Wochen und endet mit einer theoretischen und praktischen Prüfung.
Wie alt ist die Fähre „Helmut Hudaff“ und wie wird sie angetrieben?
Die historische Prahmfähre „Helmut Hudaff“ ist mehr als 100 Jahre alt. Angetrieben wird sie von einem 24 PS starken luftgekühlten Deutz-Dieselmotor, der nahezu so alt ist wie die Fähre selbst.
Wie können sich Interessierte als ehrenamtliche Fährleute in Brobergen bewerben?
Wer sich für das Ehrenamt als Fährfrau oder Fährmann interessiert, kann sich direkt an Ausbilder Horst Schimkatis wenden. Er ist unter der Telefonnummer 04140/8154 erreichbar und informiert über Ausbildung und Einsatzmöglichkeiten.
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